
Nach 7,5 Monaten Untermieter-Leben zwischen Mahagoni-Möbeln, seltsamen Andenken aus aller Herren Länder und Katzenhaaren ist es so schön, endlich ein eigenes Zuhause zu haben. Es geht doch nichts über die eigenen Sachen. Wobei die Monate ohne mein Zeug doch besser waren, als ich vorher erwartet hatte. Tja, wenn man muss, geht es eben doch. Und der Mensch gewöhnt sich ja auch an alles. Aber jetzt habe ich meine Sachen hier. Der Umzug hat besser geklappt als erwartet. Ich bin nach Lübeck geflogen, habe mich dann für eine Nacht bei Wiebke in Hamburg einquartiert und habe am nächsten Morgen meinen Papa getroffen, der sich in Wolfsburg einen Sp

rinter geliehen hat. Dann sind wir an die Westküste nach Meldorf gefahren, denn dort waren meine Möbel eingelagert. Ich hatte in weiser Voraussicht einen Packer bestellt, der uns helfen sollte, den Wagen platzsparend zu beladen; und ich hatte vorher vor allem auch beim Chef nachgefragt, ob der Sprinter wohl ausreicht. Klar, das würden sie hinkriegen. Als wir dann auf den Hof fuhren, guckte der Packer auf den Wagen, dann auf meine Sachen, wieder zum Wagen, runzelte die Stirn und sagte "Aber Ihr könnt zweimal fahren...?" "Haha," lachte ich leicht hysterisch "nee, es geht nach Schweden." Das Stirnrunzeln wurde tiefer und dann folgte trocken die Ansage "Na, dann überleg Dir schon mal, wovon Du Dich trennen kannst." - "Aber der Chef hat gesagt, das würde alles passen..." jammerte ich kleinlaut. Kopfschütteln. "Jaja, der Chef mal wieder... Das sagt der immer". Wie schön. Jedenfalls fingen die Jungs dann da an zu packen, und das ganze erinnerte alles in allem sehr an Tetris. Unser Oberpacker überlegte sehr gründlich die Reihenfolge aller Sachen, und ich war

heilfroh, dass wir ihn hatten. Nachdem ich mich zwischenzeitlich von 2 Sperrmüll-Stühlen, einem Regal und meinem Wäschekorb verabschiedet habe (Verluste, die durchaus zu verschmerzen sind), waren nach anderthalb Stunden nur noch mein Küchentisch und mein Fahrrad über. Aber der Wagen voll bis obenhin. "Nee", sagte der Superpacker. "Das geht nu nich mehr beides rein. Von einem musst Du Dich trennen" - "Aber neeeeiiiiin" ich litt und versuchte es mit Wimpernklimpern "den Küchentisch hat doch mein Opa gebaut. Und das ist doch mein Fahrrad, das brauche ich doch" Er seufzte. Dann bastelte er den

Tisch um einen Schrank herum, zerlegte das Fahrrad in seine Einzelteile und stopfte die irgendwie in sämtliche Zwischenräume. Und dann machten wir die Türen zu. Könnt Ihr Euch denken, wie gross der Stein war, der von meinem Herzen fiel? Puuuuuhhhh.... In diesem Wagen war wirklich und wahrhaftig nicht ein bisschen mehr Platz. Ich hätte nicht ein Stück mehr mitbekommen... Unglaublich! Wenn mein Vater und ich den Wagen hätten packen müssen, hätten wir vermutlich 3x fahren müssen. Nicht mal unsere "Übernachtungstaschen" haben hinten mehr

reingepasst, die mussten wir vorne unterkriegen. Und dann ging die Fahrerei los. Über Rendsburg fuhren wir nach Kiel und machten Mittagspause bei Plaza. Es gab schön Currywurst mit Pommes. Lecker. Aber es war schon komisch, einfach so kurz mal durch Kiel zu fahren... Weiter dann nach Fehmarn. Dort auf die Fähre nach Rödby, über Kopenhagen nach Helsingör, dort auf die Fähre nach Helsingborg und dann 30 km nach Norden nach Ängelholm. Hier liegt ein Hotel, mit dem meine Firma viel zusammen arbeitet, und die hatten mir netterweise ein Zimmer für umsonst (!!!) gegeben. Was für ein Glück. Und die Fähren

hatte ich auch mit Rabatt buchen können. Manchmal hat der Tourismus eben doch seine Vorteile... Mein Papa, der vorher schon sehr aufgeregt war wegen der ganzen Fahrerei und Ausland und so, war inzwischen äusserst entspannt, da der Verkehr in Dänemark sehr ruhig war. Am nächsten Morgen ging es dann weiter, 500 km quer durch Schweden bei Regen. Aber die Autobahn vor uns und hinter uns war vollkommen leer, mein Papa war total begeistert, aber auch enttäuscht: "Mann, so super Strassen, und man darf nur 110 fahren..." Gegen 17 Uhr kamen wir bei mir an. Ich wohne in meinem Haus

nach hinten raus, direkt an einem kleinen Weg. Dort konnten wir direkt vor meinem Küchenfenster parken. Simone, Michael und Simones Schwester kamen als Tragehilfen vorbei, und innerhalb von 45 Minuten hatten wir meinen ganzen Hausrat direkt durchs Küchenfenster in meine Wohnung geschafft. Ich glaube, ich hatte noch nie so einen entspannten Umzug... Noch schnell Schlafsofa und Bett aufgebaut, und dann sah es schon fast wohnlich aus. Nach einem Tag in Stockholm machte mein lieber Papa sich wieder auf den Weg in Richtung Deutschland, diesmal alleine. Ich war schon sehr erleichtert, dass er sich erbarmt hat, den Umzug mit mir zu machen, das war echt super.

Ich hätte mir nie zugetraut, den Wagen zu fahren... Was aber eine neue Erfahrung für mich war, war, dass mein Vater noch mehr redet als meine Mutter. Das hätte ich eigentlich nicht für möglich gehalten, aber es ist wahr! Ich dachte, Männer reden im Allgemeinen nicht so gerne. Also, falls Ihr Euch manchmal fragt, wieso man mir manche Sachen aus der Nase ziehen muss: ich bin halt zuhause nie zu Wort gekommen; ich bin das Sprechen nicht gewöhnt ;-) Naja, jedenfalls hatte ich nach einer Woche in meiner Wohnung alles ausgepackt, eingerichtet, und jetzt fehlen eigentlich nur noch ein paar Bilder an der Wand. Damit Ihr eine Vorstellung habt, wie ich jetzt lebe seht Ihr hier meinen Grundriss und Fotos meiner Wohnung. Sie ist 56 Quadratmeter gross, und das Komischste ist, dass das Schlafzimmer kein Fenster hat. Das ist zum Schlafen eigentlich auch gar nicht schlimm, weil es schön dunkel ist, und überhaupt ist es sehr gemütlich und kuschelig. Aber man kann halt nicht ordentlich lüften. Es sieht aber so aus, als hätte jemand die Wand zum Flur nachträglich eingebaut;

scheinbar war das alles mal ein einziger grosser Raum. Meine Küche ist total gross, und die liebe ich. Nachteil ist eben, dass besagter Weg direkt an meinem Fenster vorbeigeht, und dass man das Gefühl hat, die Leute draussen begrüssen zu müssen, wenn man so im Schlafanzug an seinem Brötchen kaut, und die Leute reingucken. Aber wie gesagt, man gewöhnt sich an alles. Ein Vorteil an schwedischen Wohnungen ist, dass es wahnsinnig viel Abstellfläche gibt. Entweder es gibt einen Haufen Einbauschränke oder es gibt Kleiderkammern. Ja, wirklich. Ich habe also einen Abstellraum von ca. 3 qm, der mein Kleider- und Schuhschrank ist. Das ist Luxus! Und deswegen ist es auch nicht schlimm, dass mein Schlafzimmer so klein ist, dass ausser meinem Bett und einem Regal nix reinpasst. Und von der Küche aus habe ich einen weiteren Abstellraum, in dem lauter so Zeug verschwindet wie Kartons, Taschen und Koffer und sonstiger Kram. Herrlich, sage ich Euch. Für all diese Herrlichkeiten zahle ich allerdings auch 700 EUR Miete. Aber es ist eben Stockholm. Mir war die Lage wichtig; ich brauche zur Arbeit 20 Minuten (Bus + Fussweg), und das ist echt super. Ich hatte mir einige Wohnungen angesehen, die weiter ausserhalb lagen, und deswegen auch billiger waren. Aber da habe ich für eine Strecke zum Teil eine Stunde und 20 Minuten gebraucht. Und ich habe einfach keine Lust, täglich 2 - 3 Stunden meiner Freizeit in öffentlichen Verkehrsmitteln zu verbringen. Von daher zahle ich lieber etwas mehr, und wohne in einer guten Lage. Ausserdem habe ich es nur eine Minute zum MEER. Im Sommer geht's also fast nicht besser. Ich kann auch ganz dekadent mit dem Boot in die Stadt fahren, wenn ich will. Falls Ihr Euch das Ganze mal auf einer Karte ansehen wollt:

Ihr könnt rein- und rauszoomen und bei "Satellitbild" auch alles als Luftaufnahme sehen. Ja, so kommt es also, dass ich mich endlich heimisch fühle in Stockholm. Und im eigenen Bett schläft man eben doch am besten!!!
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