Sonntag, November 20, 2011

Time to say goodbye

Ich weiß, es ist fast ein ganzes Jahr her seit meinem letzten Eintrag. Vermutlich wird das hier gar keiner mehr lesen, aber es ist auf jeden Fall ein Abschiedseintrag, um diesem Blog doch noch ein richtiges und würdiges Ende zu setzen.

2011 war ein sehr interessantes Jahr - das Jahr der Veränderungen. Vor allem in unserer Clique. 2009 wurden wir plötzlich zusammengewirbelt, aus allen Himmelsrichtungen, hatten eine intensive und unglaublich glückliche und fantastische Zeit. Aber dass es uns irgendwann wieder auseinanderweht war abzusehen. Wiebke machte den Anfang und ging im Januar nach Hamburg zurück, Bert im Juli nach Frankreich. Janis hat sich in eine Schwedin verliebt, die nichts lieber wollte, als nach Frankfurt zu ziehen. So ist er mit blutendem Herzen im Oktober mitgegangen. Ebba und Michi haben geheiratet; Simone und Dietmar haben eine Tochter bekommen, und Simone und Micha noch einen Sohn. Natürlich haben wir alle noch Kontakt; aber nun meist in kleinerer Runde. Auch sonst war es allgemein ein Jahr der Veränderungen für viele meiner Freunde, sowohl in Schweden als auch Deutschland. Neue Jobs, Babys, Umzüge, Hochzeiten, Trennungen. Verrückt wie manchmal alles auf einmal kommt.

Auch für mich war und ist es ein besonderes Jahr, und auch bei mir haben sich einige Sachen getan. Nach 6 Jahren als Single habe ich die ersten 5 Monate des Jahres in einer Beziehung mit einem Hamburger Jung verbracht. Wir hatten eine sehr schöne Zeit, und auch wenn das mit der Entfernung nicht ganz so toll war, ging es doch besser, als ich jemals gedacht hätte. Naja, wir leben ja auch in Zeiten von Skype und sms :-) Leider hat es aus anderen Gründen trotzdem nicht geklappt, aber ich bin dankbar für die Zeit, die wir hatten. Ich habe viel über mich gelernt, kann ich sagen. Vor allem, dass man sicher nicht einfacher wird, je länger man alleine ist...

Im April hatte ich ein kleines Jubiläum zu feiern. 5 Jahre Schweden. Ich kann immer noch nicht glauben, wie schnell diese Zeit vergangen ist. Und ich kann immer noch nicht in Worte fassen, was diese 5 Jahre für mich persönlich bedeuten. Ich habe in diesen Jahren so viele tolle Menschen getroffen, so viele glückliche Momente erlebt, so sehr zu mir selbst und damit meinen inneren Frieden gefunden. Aber auch all das hatte seinen Preis. Die ersten 2 Jahre waren hart, und es hat mich Kraft und Energie und Tränen gekostet. Aber es hat sich gelohnt :-)

Ich bin so froh, dass ich mich damals getraut habe, den Schritt zu gehen. Es hat nicht nur meinen Lebensweg komplett geändert, sondern mich auch persönlich so viel weitergebracht. Ich bin heute viel mutiger, offener und flexibler als ich es ohne diesen Schritt jemals geworden wäre. Ich war schon immer durch und durch positiv, aber heute bin ich wirklich davon überzeugt, dass alles möglich ist. Dass alles gut wird. Dass man immer eine Wahl hat. Dass Wege dadurch entstehen, dass wir sie gehen. Augen zu und los. Oder wie Janis sagt „Hab Vertrauen in den Prozess“. Ein Spruch, den ich sehr lieben gelernt habe dieses Jahr, weil er so viel Wahres beinhaltet. Einfach die Sachen auch mal laufen lassen; gucken, was passiert und darauf vertrauen, dass am Ende schon das Richtige dabei herauskommt. Sich nicht immer zu einer sofortigen Entscheidung zwingen wollen. Hab ich mir ganz groß als Motto für die nächsten Jahre auf die Fahnen geschrieben.

Als ich 15 war, war mein größter Traum, Schwedin zu sein – einen schwedischen Pass zu besitzen. Innerhalb der EU ist es möglich, die doppelte Staatsbürgerschaft zu haben, und in Schweden ist die Voraussetzung, 5 Jahre lang in Schweden gelebt und gearbeitet zu haben. Mir war klar, dass ich niemals wirklich Schwedin sein werde, im Herzen bin ich deutsch – und werde das vermutlich auch immer bleiben. Aber trotzdem habe ich im März den Antrag ausgefüllt und eingereicht. Und an einem sonnigen Morgen im April hielt ich die Urkunde in den Händen, die mir bestätigt, dass ich nun Schwedin bin. Ich war sehr gerührt, kann ich euch sagen, und mir sind schon ein paar Freudentränchen die Wangen heruntergekullert. Meine Kollegen haben zur Feier des Tages sogar eine Prinsesstårta gekauft – eine schwedische Sahnetorte mit grünem Marzipanüberzug, die man gerne zu besonders festlichen Anlässen isst. Ja, ich bin also tatsächlich Schwedin; habe aber noch keinen Pass. Den muss ich bei Gelegenheit mal beantragen.

Im Sommer war ich dann eine Woche segeln. Auf der Stortemelk, einem holländischen 2-Mast-Schoner. Wer mich gut kennt, weiß, dass ich nach dem Abi schon einmal so eine Reise auf einem Segelschiff gemacht habe, und seitdem wollte ich das immer wieder machen. Dieses Jahr habe ich das in die Tat umgesetzt, habe eine Koje gemietet und bin in Göteborg an Bord gegangen. Die Reise führte ein Stück an der schwedischen Küste entlang, dann quer bei kompletter Flaute übers Skagerrak bis an die Südküste Norwegens und dann hoch bis Stavanger. Es war eine unglaublich schöne Reise. Wir waren 20 Leute an Bord, nur Deutsche und Holländer, und ich war tatsächlich das Nesthäkchen. Die ersten 5 Tage hat es nicht geregnet, es war entweder richtig sonnig oder eben bewölkt. Die letzten 3 Tage hat es dafür umso mehr geregnet, aber auch das konnte man in die Regenklamotten eingemummelt erstaunlich gut aushalten. Das Ganze lief meist so ab, dass wir morgens die Segel hissten, um sie ungefähr 8 Stunden später wieder einzuholen. Die Zeit dazwischen verbrachten wir hauptsächlich damit, irgendwo an Deck zu sitzen, aufs Meer zu starren und den Gedanken nachzuhängen. Oder wir beteiligten uns an der Küchenarbeit. Es war eine wahnsinnig entspannte Reise (nach einer Woche fühlte es sich so an, als wäre ich 3 Monate im Urlaub gewesen); und auch die Leute, die dabei waren, waren (fast) alle sehr nett und lustig. Ich machte mir einen Spaß daraus, denjenigen, die die Landschaft filmten ins Bild zu hüpfen und „Wir lagen vor Madagaskar“ oder „La Paloma“ zu singen. Außerdem wollte ich einen Shanty-Chor gründen, konnte aber niemanden von meiner Idee überzeugen. Komisch. Auf dieser Reise überwand ich auch meine Scheu vor kaltem Wasser. Meine Kajüten-Mitbewohnerin Ruth ließ nicht durchgehen, dass ich mich weigerte, baden zu gehen, wenn wir schon mitten in einem norwegischen Fjord liegen, und so hatte ich keine Wahl. Im Nachhinein bin ich Ruth sehr dankbar, denn natürlich ist es so, dass es fantastisch ist im Wasser, wenn man erst einmal drinnen ist. Dieser Sommer war also gekrönt von diversen Badeerlebnissen, auch zurück in Stockholm. Ich muss zugeben – ich habe etwas gewonnen, was mich sehr glücklich zu machen vermag. Immer gut, auch mal über seinen Schatten zu springen.

Die allerdings größte Veränderung 2011 für mich persönlich war... Burlesque. Ja, schon 2010 habt ihr gemerkt, dass dieses Thema mich gepackt hat. Ich habe angefangen, mir die Szene genauer anzusehen, und so habe ich entdeckt, dass die wunderbare Duchess Dubois von den Knicker Kittens Kurse gibt. Und so habe ich mich einfach in einem Moment geistiger Umnachtung bei einem solchen angemeldet. Und seitdem kann ich Burlesque aus meinem Leben nicht mehr wegdenken. Im Frühjahr nahm ich an 2 Kursen teil und lernte, mich zu bewegen, Handschuhe sexy auszuziehen, lasziv mit einer Federboa zu spielen, mich selber vorm Spiegel anzutanzen und dabei verführerisch zu gucken (das war die größte Überwindung). Ja, und natürlich zog ich mich aus. Gemeinsam mit und allein vor den 10 anderen Mädels in meinem Kurs. Am verrücktesten war die Stunde, in der wir zu elft vor der Spiegelwand standen und versuchten, die auf unseren Brüsten aufgeklebten Troddeln (oder Tassels, wie sie in „Fachsprache“ heißen) zum Kreisen zu bringen. Das war wohl der bizarrste Moment meines Lebens. Ansonsten war es wirklich faszinierend zu sehen, wie sich in nur wenigen Wochen ein Haufen peinlich berührter und teilweise schüchterner Mädels in selbstbewusste, schöne, sexy Frauen verwandelt, die mit Stolz vor der Welt (naja, oder zumindest den anderen Kursteilnehmern) ihre ganz normal unperfekten Körper tänzerisch entblößen. Toll! Tja, das Ganze wurde ein Selbstgänger. Angemeldet hatte ich mich nur aus Spaß, es war nicht mein Ziel, den Weg auf die Bühne zu machen. Je weiter dieser Kurs aber doch voranschritt, je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, je mehr Auftritte ich in Clubs sah – desto mehr kam der Gedanke „vielleicht könnt' ich auch?!“. Als dann Ende Mai die Knicker Kittens ein Vortanzen hatten, weil sie neue Mitglieder rekrutierten, ging ich hin. Viel zu infiziert war ich von dem Burlesque-Virus und der Glitzerwelt. Aber die Knicker Kittens wollten mich nicht. Und einige andere Mädels aus meinem Kurs waren auch nicht genommen worden. Was irgendwie dazu führte, dass wir kurzerhand eine eigene Gruppe gründeten. Wir mieteten ein Tanzstudio. Wir gründeten einen Verein. Wir dachten uns eine Choreographie aus. Wir organisierten einen Fotografen und machen Gruppenfotos in Korsetts und Strapsen auf einem Oldtimer. Wir gaben ein Vermögen in Stoff-Läden aus und nähten uns unsere Kostüme. Wir trainierten und tanzten und lächelten und klimperten mit den Wimpern. Schwangen die Hüften, wackelten mit den Hintern. Schüttelten die Brüste. Mit Stolz kann ich verkünden, dass wir gerade unsere erste Nummer gefilmt haben, so dass wir jetzt endlich das nötige Material haben, um uns um Auftritte zu bewerben. Wenn ich darüber nachdenke, bin ich immer noch völlig verwundert über all das. Vor einem Jahr hätte ich das nicht geglaubt. Ich hatte nie in meinem ganzen Leben das Bedürfnis danach, auf einer Bühne zu stehen- schon gar nicht so gut wie nackt. Ich war – abgesehen von meinem Schuhtick – schon immer völlig uninteressiert an Klamotten. Und jetzt das. Keine Ahnung, wie es dazu kommen konnte. Wobei es mir vor dem allerersten Auftritt wirklich graust... Aber ich liebe meine Burlesque-Utensilien. Kunstwimpern, Glitzer, Pailletten, Federboas, Korsetts, Strümpfe mit Naht oder aus Netz, Mieder, Kopfschmuck, edle Kleider... Vielleicht ist es einfach ein bisschen wie Fasching. In eine Rolle schlüpfen. Dem Alltag entfliehen, jemand ganz anderes sein. In dieser Rolle Dinge tun zu können, die man sonst nicht tut. Falls ihr noch nie auf einer Burlesque-Show wart – geht hin! Es lohnt sich, es ist toll. Es ist eine andere Welt.

Also, liebe Leser. Danke für euer Interesse; aber es Zeit, Adieu zu sagen. Zumindest in der digitalen Welt.

Und weil ich Sprüche und Lebensweisheiten so liebe, hier meine Abschiedsworte:

Jedes Abenteuer ist nur eine Entscheidung von dir entfernt.

Dienstag, Dezember 21, 2010

Julrikslund

Eine Weihnachtsfeier im Freundeskreis auf Ulrikslund – eine schöne Idee, die wir da während unseres ersten Mädelsstammtisches hatten, den wir vor ein paar Monaten ins Leben gerufen haben. Die Aktion wurde kurzerhand „Julrikslund“ getauft (Jul = Weihnachten auf Schwedisch), und eine Einladung an alle geschickt. Die meisten hatten Zeit, und so ging es vor allem ans Planen des Essens. Wir wollten ein typisch schwedisches Julbord (= Weihnachtsbuffet) machen, und so teilten wir auf, wer für was zuständig war. Am Freitag den 10. Dezember brachen Simone, Micha, Linus, Wiebke, Bert und ich bereits auf ins tief verschneite Sörmland und okkupierten Ulrikslund; die anderen sollten am Samstag im Laufe des Nachmittages anreisen. Wiebke, Bert und ich hatten uns einen Mietwagen genommen und waren sehr zur Freude Wiebkes auf einen niegelnagelneuen Volvo V70 upgegraded worden, der gerade mal 12 km runter hatte.

Ulrikslund ist für mich jedes Mal wieder ein Paradies, und ich finde es sogar im Winter noch schöner als im Sommer - wenn das Feld von Bauer Karlsson eine einzige weiße, unberührte Fläche ist, die in der Sonne glitzert.

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Samstag zogen wir uns unsere Schneeklamotten an und gingen raus. Sofort stürzten wir uns wie üblich aufeinander, schubsten uns in Schneewehen, bewarfen uns mit Schneebällen – und ich machte den ersten Kopfstand des Winters. Auch Linus sah sehr zufrieden aus, wie er in seinem dicken Schneeanzug im Schlitten saß und fasziniert den hohen Schnee bestaunte. Dann stellten wir fest, dass das alles so idyllisch ist, und aussieht wie der schwedische Traum – rotes Haus mit Volvo davor und ein süßes Kind. Kurzerhand platzierten sich Wiebke und Bert neben das Auto und spielten mit Linus im Arm Familie. Fehlte nur noch der Hund, und da ließ ich mich mal nicht lumpen und sprang bereitwillig ein, um das Familienfoto perfekt zu machen.

Schließlich gingen wir in den Wald, denn die Aufgabe des Tages lautete: Weihnachtsbaum schlagen. Bauer Karlsson erlaubt netterweise, dass Simones Familie sich einen Baum aus seinem Wald holen darf, und so suchten wir denn einen großen für Ulrikslund, und einen kleinen für Yvilund, denn in diesem Jahr werde ich Weihnachten zum ersten Mal gemeinsam mit meiner Mutter in Schweden feiern. Bert sägte die Bäume ab, und wir schleppten sie zurück zum Haus, wo wir sie in der Scheune zum Trocknen aufstellten.

Als nächstes hatte es Bert sich zur Aufgabe gemacht, eine Dose Surströmming zu öffnen. Bei Surströmming handelt es sich um eine nordschwedische Spezialität – nämlich gegorenen Hering. Das Zeug ist berüchtigt – es soll nämlich unerträglich stinken. Gehört hatten wir also schon viel, gerochen und gegessen noch nie. Es wurde Zeit, meinte Bert. Er hatte eine Dose gekauft + Plastikhandschuhe. Denn eins ist klar: berührt man den stinkenden Fisch mit den Händen ist man verloren. Natürlich darf man die Dose auf gar keinen Fall drinnen öffnen, nur an der frischen Luft. So versammelten wir uns also und sahen Bert angeekelt, aber fasziniert zu, wie er die Dose in einer Plastiktüte anstach (damit keine Spritzer auf die Kleidung kommen können). Und dann schlug uns der Geruch entgegen. Schon wirklich nicht angenehm, aber auch doch nicht ganz so schlimm wie erwartet. Wobei einem natürlich noch einmal anders wird, wenn man daran denkt, dass man das Zeug essen soll... Wiebke sagte, der Geruch erinnert an Klo auf der Autobahnraststätte, und ja, das fanden wir alle ganz passend. Bert goss die Salzlake ab und wusch dann die einzelnen Filets ordentlich mit Mineralwasser ab. Gegessen wurde der Fisch später am Abend; ich weiß gar nicht genau, wer sich alles beteiligte – ich jedenfalls nicht. Aber wie schon so oft vorher von anderen gehört war auch hier die Aussage, dass der Fisch längst nicht so schlimm schmeckt wie er riecht. Man isst ihn zusammen mit Zwiebeln, Kartoffeln und saurer Sahne und weichem Brot. Allerdings meinte Bert, dass man auch noch die nächsten Tage danach aufstößt, und das ist es dann eben doch nicht wert...

Im Laufe des Nachmittags trudelten nach und nach die anderen ein. Janis und Thorsten, Maria und Samuel, Ebba und Michael und Simone und Dietmar. Die letzten Vorbereitungen fürs Julbord wurden getroffen, der Baum geschmückt und der Tisch gedeckt. Das Julbord war ein voller Erfolg, und wir waren ganz schön stolz auf uns, denn wir hatten das meiste selbst gemacht. Bert hatte den ganzen Nachmittag lang einen Weihnachtsschinken gekocht und schließlich im Ofen mit einer Senfkruste vollendet, Simone hatte haufenweise Köttbullar gebraten, Dietmar hatte das traditionelle Kartoffelgratin „Janssons frestelse“ beigesteuert, und ich hatte schon vorher 3 Sorten Hering eingelegt. Dann gab es noch Brot, Salami, Käse, Salat, Rotkohl und einen riesigen Berg Kekse, die hauptsächlich Wiebke gebacken hatte, und dann noch Knäck und Karamell, richtige Plombenzieher von Ebba.

Nach dem Essen verließen uns Maria und Samuel, und wir anderen versammelten uns am Weihnachtsbaum, denn nun stand Schrottwichteln auf dem Programm. Jeder hatte ein hässliches und/oder nutzloses Geschenk verpackt unter den Baum gelegt. Die nächsten 2 Stunden verbrachten wir würfelnd und lachend und hatten viel Spaß mit den Geschenken. Ich freute mich über meine Plastik-Strohhalm-Brille, die direkt zum Einsatz kam, als Bert mit einer Schüssel selbstgemachter Erdbeermargarita ankam. Leider wollte keiner mit mir um Weihnachtsbaum tanzen, was man eigentlich in Schweden so macht, und auch zum Singen konnte ich niemanden bewegen. Schaaade.

Aber auch ohne war das Wochenende wie üblich ein voller Erfolg, und wir kamen wirklich in Weihnachtsstimmung. Am Sonntag strahlte zudem noch die Sonne vom blauen Himmel, so dass Ulrikslund noch märchenhafter aussah:

Freitag, Dezember 17, 2010

Heiße Weihnachten

Zu Weihnachten haben die bezaubernden Ladys der Knicker Kittens eine Show gegeben, und diesmal hat mich Janis begleitet. Wir hatten einen tollen Abend, und Janis hat so schön formuliert, was ich eigentlich nicht richtig konnte. Burlesque ist Freude, sowohl auf der Bühne als auch im Publikum, Burlesque ist zufrieden zu sein mit seinem Körper und dessen Schwachstellen. Burlesque ist die richtige Mischung aus harmlos und ein bisschen verdorben. Burlesque ist lustig. Burlesque macht einfach Spaß.

Lucia 2010

Dezember = Lucia, einer meiner liebstens schwedischen Bräuche. Ihr wisst schon, die Lichterkönigin. Dieses Jahr fiel der 13. Dezember auf einen Montag, und ich habe den ganzen Tag im Büro meine kleine Plüsch-Lichterkrone getragen, sehr zur Erheiterung meiner Kollegen. Abends war ich dann mit Wiebke in einer Kirche zum obligatorischen Lucia-Konzert, was diesmal aber leider nicht ganz so toll war wie die anderen Jahre. Bevor das Konzert anfing gab es ein Krippenspiel, und das beste daran war, dass sowohl die Maria als auch die Heiligen Drei Könige sich arg zusammenreißen mussten, um nicht zu lachen. Sehr schön, das zu beobachten :-)

Samstag, November 20, 2010

Sonne, Mond und Sterne

Auch in diesem Jahr wollten Simone, Micha und ich zu St. Martin wieder am Laternenumzug der deutschen Kirche teilnehmen. Dieses Jahr hatten wir ja mit Linus auch die perfekte Entschuldigung... :-) Wiebke war natürlich auch von der Idee zu begeistern, und so trafen wir uns einen Nachmittag zum Basteln, wobei wir verdrängt hatten, wieviel Zeit es dauert, so eine Laterne herzustellen. Die Wissenschaftlerin Frau Dr. Simone und der Architekt Micha beeindruckten durch akkurates Arbeiten mit Lineal, Geodreieck und exakt ausgeführten Arbeitsschritten, wohingegen Wiebke und ich die ich-wurschtel-mich-mal-so-durch-Variante bevorzugten. Hier jedenfalls das (leider zum Teil etwas unscharfe) Ergebnis:

Sonntag, Oktober 31, 2010

First Annual Stockholm Burlesque Festival

Burlesque ist im Kommen, und die schwedische Szene wächst. Die Stockholmer Burlesque-Gruppe Knicker Kittens hat 2009 in Las Vegas sogar für ihre Show einen Preis in der Burlesque Hall of Fame gewonnen. Und diese Damen haben nun das erste jährliche Burlesque-Festival Stockholms organisiert, das einem begeisterten Publikum 4 Tage lang im Berns (Stockholms schönster und edelster Location) Glamour, Glitzer und kunstvollen Striptease präsentiert hat. Meine Freunde ließen sich nicht überzeugen, und so zog ich denn gestern allein los, um die Show zu sehen. Inzwischen bin ich selber mit einigen Accessoires ausgestattet und war also dem Anlass angemessen gestylt (naja, ok, es ist alles definitiv noch ausbaufähig). Es war eine wahre Freude, das Publikum im Berns anzusehen. Die meisten Männer waren herausgeputzt und trugen Anzug oder waren im Stil der 20er-50er Jahre gekleidet, alle Frauen hatten entweder Blumen oder Federn im Haar, manche kleine Hüte auf oder sogar Zylinder, alle trugen Rocke. Natürlich gab es auch die etwas gewagteren Outfits mit Korsetts und Strapsen oder richtigen Show-Kostümen mit ordentlich Glitzer und Pailletten. 3 Stunden dauerte die Show auf der Bühne, und es war wirklich fantastisch. Man taucht ein in eine andere Welt, und ich muss sagen, dass ich schwer begeistert bin. Und auch wenn man ziemlich viele Brüste und nackte Haut sieht hat das Ganze eigentlich mit Sex nicht viel zu tun. Es geht um Tanz, Kunst, Ästhetik, Show und das spielerische Ausziehen. Was mich vor allem beeindruckt ist, dass die Mädels auf der Bühne weiß Gott nicht dem einhelligen Schönheitsideal entsprechen. Cellulite, Hängebrüste, Bauchspeck - alles da. Und trotzdem strahlen sie Selbstbewusstsein aus, sind sexy und haben einfach Spaß an der Sache. Das Publikum auch. Am besten gefallen haben mir die Knicker Kittens selber, richtig toll. Habe sogar ein Fan-T-Shirt gekauft (was es wegen eines kleinen Schreibfehlers zum Sonderpreis gab). Aber ach, was soll ich viel reden, seht euch die Bilder und die Videos an. Und das nächste Mal kommt ihr halt einfach mal mit!

Dienstag, Oktober 19, 2010

Sing und schwing das Bein

Was soll ich sagen, ich mag meinen Geburtstag. Nicht, dass ich jemand bin, der eine große Party haben oder im Mittelpunkt stehen muss, aber einmal im Jahr finde ich es nett, einen „Ehrentag“ zu haben. Wie schon seit Jahren habe ich mir auch zu meinem 34. Geburtstag einen Tag Urlaub gegönnt. Ich finde es schön, an meinem Geburtstag was Nettes für mich zu machen; er soll nicht im normalen Arbeitsalltag untergehen. Nach dem Aufstehen steckte ich mir eine Kerze in einen Lebkuchen, frühstückte und packte ein paar Geschenke aus Deutschland aus. Dann machte ich mich auf in die Stadt. Ich hatte eine Massage und eine Gesichtsbehandlung gebucht und wurde fast zwei Stunden lang betüddelt. Schön, das :-) Danach zog ich weiter nach Södermalm, um in Second-Hand-Läden nach Klamotten und Accessoires für mein neues Interesse Burlesque zu stöbern. Ich landete unter anderem im Sivletto, einem Laden, der einen in die 50er Jahre zurückversetzt. Ich hätte fast den Eingang nicht gefunden; es ist nur eine unscheinbare Tür; keine Schaufenster drumherum. Nach der Tür kommt direkt eine Wendeltreppe, die nach unten führt. Und da taucht man wirklich ein in eine andere und völlig abgefahrene Welt, unerwartet auf über 300 qm. Rock’n’Roll-Musik läuft, eingerichtet mit 50er-Jahre-Möbeln, man kann neue und gebrauchte Klamotten im entsprechenden Stil kaufen, und sogar ein Friseur ist da unten am Werk. Spezialisiert auf die Frisuren der Zeit natürlich. Und auch alle Angestellten und Kunden waren entsprechend gestylt – ich kam mir in Jeans, Turnschuhen und Shirt aus dem Jahre 2010 vor wie ein bunter Hund… Ein echtes Erlebnis! So brachte ich den Nachmittag rum, fuhr nach Hause, zog mich um und startete abends in die Stadt, wo ich 7 meiner Freunde in einer Karaoke-Bar treffen sollte. Nach einigen Singstar-Abenden im Laufe der letzten Jahre wollte ich schon immer mal Karaoke singen; aber nicht in einem Pub auf der Bühne vor 150 besoffenen Engländern. Und dann erzählte mir mein Kollege John von K Karaoke am Odenplan. Dort gibt es die japanische Variante von Karaoke – man mietet mit seinen Freunden einen eigenen Raum. Nettes Event für meinen Geburtstag dachte ich. Und hatte damit gerechnet, dass sich die Begeisterung eher in Grenzen halten würde, aber kaum betraten Wiebke, Janis, Thorsten, Dietmar, Simone, Stephie, Anina und ich unseren winzigen Raum, ging ein wildes Liederaussuchen los, und wir waren nicht mehr zu halten. Die nächsten anderthalb Stunden sangen, krächzten, krakeelten, schmetterten und lachten wir, was das Zeug hielt. Solos, Duette, Gruppengegröle – alles dabei, alles fantastisch. Von Metallica und Bryan Adams über Frank Sinatra, Bonnie Tyler und Evanescence bis hin zu Village People und dem schwedischen Allsång-Klassiker "Stockholm i mitt hjärta". Lustig auch, wenn von außen im Vorbeigehen Leute grinsend durch die Glasscheibe der Tür guckten, oder wenn man selber mal durch die Gänge lief. Überall Räume mit Leuten, die sich in den Armen halten und fröhlich ihre Lieder grölen. Herrlich. Als sich unsere gebuchte Zeit dem Ende näherte wurde auch immer mal wieder ein Schild in den Raum gehalten, auf dem stand "Noch 15 Minuten" oder "Letztes Lied". Da wir aber am liebsten noch weitersingen wollten, versuchte ich zu verlängern. Leider war unser Raum aber nach uns gebucht, und so mussten wir wohl oder übel aufhören. Gefreut habe ich mich übrigens auch sehr über das Geschenk meiner Freunde: ich darf in einem professionellen Studio ein Lied auf CD aufnehmen. Wenn das nicht mal eine tolle Idee ist! Meine Mutter glaubt bereits, dass ich dabei entdeckt werde. Das möchte ich bezweifeln, aber ein Spaß wird es in jedem Fall. Nach dem Singabend waren wir jedenfalls völlig aufgekratzt und extrem guter Laune und uns einig: wir müssen weiter ins Nachtleben. Nach einigem Hin und Her beschlossen wir, ins Golden Hits zu gehen. Einem berüchtigten Aufreißer-Schuppen mit 3 Tanzflächen und eher älterem Publikum. Wir waren zwar relativ früh dran, mussten aber doch typisch für Stockholm mindestens eine halbe Stunde in der Schlange vorm Eingang stehen. Endlich drinnen gingen wir nach ganz oben, wo 80er-Jahre-Musik gespielt wurde. Ja doch, der Laden wurde seinem Ruf gerecht. Wir guckten und wurden beguckt. Und auch Dietmar wurde nach wenigen Minuten angesprochen - allerdings von einem Typen, der glaubte, dass Dietmar ein Spieler der finnischen Eishockey-Nationalmannschaft sei. Die erste Runde Getränke ging auf mich. Die Barkeeperin war sehr großzügig und ich musste "Stop!" rufen, als sie den Jägermeister in meinen O-Saft schüttete... Na, das war mal eine ordentliche Mischung. Als nächstes gaben Janis und Thorsten je eine Flasche Champagner aus. Nicht ganz mein Geschmack, deswegen drückte Janis mir kurzerhand Maracuja-Saft mit Wodka in die Hand. Da ich es hasse, mit einem Glas in der Hand rumzustehen leere ich meine Drinks innerhalb von viereinhalb Minuten, und da die Barkeeperin hier scheinbar ähnlich großzügig mit dem Sprit war, fing es sich dann doch bald in meinem Kopf an zu drehen. Und wie durch ein Wunder hatte ich den nächsten Wodka-Drink in der Hand, und als der leer war, bekam ich immer wieder mal einen Schluck aus Janis' Glas... Nun ja, mir war sehr schwindelig, ich wurde recht redselig, und als es darum ging, den Heimweg anzutreten war ich mir nicht ganz sicher, wie ich die 3 Treppen zur Garderobe runterkommen sollte... Klappte aber erstaunlicherweise, und am nächsten Morgen hatte ich nichtmal einen Kater. Es war jedenfalls ein fantastischer Geburtstag, und ich habe ihn in jeder Hinsicht voll genossen. Danke an euch meine Freunde, die diesen Tag zu etwas ganz Besonderem gemacht haben... :-)

Dienstag, September 14, 2010

KulturSonntag, Episode 3

Da in Schweden im Sommer alles still steht hatte auch der von Stephie und mir ins Leben gerufene Kultursonntag die letzten 3 Monate Pause, aber nun waren wir zurück und starteten voller Tatendrang und Wissensdurst in die Herbstsaison. Für unser September-Event übernahm diesmal Anina die Schirmherrschaft und schlug einen Ausflug nach Mariefred vor, ein beschauliches Örtchen ca. 70 km westlich von Stockholm am Ufer des Mälarsees. Eigentlicher Anlass des Besuches war eine Picasso-Ausstellung mit einigen seiner Grafiken im ortsansässigen Grafikens Hus (= "Haus der Grafik"), aber natürlich ist Mariefred vor allem bekannt geworden durch sein Schloß Gripsholm, dem Kurt Tucholsky in seinem gleichnamigen Werk 1931 ein Denkmal setzte. So begab es sich also, dass sich 5 Damen am Sonntagmorgen um 10:30 müde und missmutig am Stockholmer Hauptbahnhof trafen. Die Nacht war für Anina, Stephie, Wiebke, ihre Freundin Wiebke und mich kurz gewesen, aber man muss für die Kultur eben auch mal Opfer bringen. So schleppten wir uns als erstes zum Fahrkartenschalter und gerieten an eine Dame, die den Eindruck erweckte, dass wir besser drangewesen wären, noch eine halbe Stunde früher zu kommen. Die Dame starrte mehrere Minuten in ihren Bildschirm und kam schließlich mit einem Fahrpreis, der deutlich über dem lag, was Anina online herausgesucht hatte. In Anbetracht unserer Schwedenerfahrung, der Uhrzeit und unseres Gemütszustands sparten wir uns das typisch deutsche Herummotzen, zuckten mit den Schulter und bezahlten unsere Karten. Als nächstes schlurften wir zum Coffee Shop, um uns für die Zugfahrt mit Koffein zu versorgen. Auch hier alles frei nach dem Motto KEIN STRESS. Mit stoischer Ruhe wurde jeder Kaffee abgefüllt, während die Zeiger der großen Bahnhofsuhr sich unbarmherzig auf unsere Abfahrtszeit zubewegten. Wie gesagt, in Schweden nicht motzen, nicht drängeln, nicht nervös werden. 4 Minuten vor Abfahrt hatten wir alle einen Kaffee in der Hand und begaben uns zum Zug. Langsam kam Leben in uns, und die 3 Leute, die in dem 8er-Abteil saßen, was wir plappernd und kichernd betraten, waren sicher nicht besonders angetan von unserem Erscheinen. Als der Zug sich in Gang setzte stießen wir als erstes lautstark mit unseren Pappbechern an und prosteten uns zu während der Typ mir gegenüber seiner Freundin einen gequälten "immer diese deutschen Touristen"-Blick zuwarf. Nach knapp 40 Minuten Zugfahrt mussten wir in Läggesta aus- und in den Bus nach Mariefred umsteigen. Natürlich waren außer uns noch 3 andere Deutsche unterwegs. Die ursprüngliche Müdigkeit der 5 Damen war inzwischen umgeschlagen in aufgekratzte gute Laune. Wir lachten und kicherten unaufhörlich, und natürlich sagte Stephie was extrem Lustiges, als ich gerade einen Schluck aus meiner Wasserflasche nahm, was dazu führte, dass ich das Wasser prustend quer durch den Bus und über Wiebke spuckte. In Mariefred fielen wir dann als erstes in die Picasso-Ausstellung ein, die kleiner ausfiel als wir erwartet hatten. Wir sahen uns die Grafiken an und einen Film aus dem Jahre 1950 über Picasso und sein Schaffen. Ich bin eigentlich ein Kunstbanause und vor allem nicht gut darin, Kunst zu beschreiben, deswegen lasse ich's an dieser Stelle auch einfach sein. Aber war mal nett, dagewesen zu sein. Und wenn man davon absieht, dass ich das herrschende Fotoverbot total ignoriert habe, möchte ich auch gerne erwähnen, dass wir während unseres Besuches gar nicht negativ aufgefallen sind, sondern einen sehr seriösen und interessierten Eindruck gemacht haben. Im Anschluss machten wir uns auf in den Ort und stoppten kurz an dem pitoresken Bahnhof. Da wir aber zur Angriffsfläche von einem Mückenschwarm wurden zogen wir schnell weiter und kamen schließlich in Downtown Mariefred an. Wie bei den meisten schwedischen Städten handelt es sich dabei um ein Kaff, wo man sich samstags am Abend vermutlich in seinem ballonseidenen Trainingsanzug mit seinen Kumpels auf ein Bier an der Tankstelle trifft. Wobei man sich das Bier aber dann schon vorher im staatlichen Alkoholladen geholt haben muss. Vor 15 Uhr. Pluspunkt für Mariefred ist allerdings, dass es wirklich hübsch ist mit vielen gut gepflegten Holzhäusern, und am zentralen Platz liegt zudem ein sehr nettes Café/Restaurant. Hier kehrten wir ein, versorgten uns mit einem äußerst köstlichen Lunch und nahmen draußen am Tisch auf einer Wiese Platz. Die Mücken allerdings auch. Die waren für uns an dem Tag ähnlich plagsam wie wir kichernden deutschen Damen für die Schweden. Gestärkt und zerstochen machten wir uns schließlich auf den Weg zum Friedhof. Denn Tucholsky hat nicht nur über Mariefred geschrieben, sondern liegt auch hier begraben. Gleichzeitig mit uns kamen auf dem Friedhof auch die anderen 3 Deutschen aus dem Bus an. Ein fast menschenleeres Mariefred, ein einsamer Friedhof, ein toter Deutscher, ein Zeitfenster von 5 Minuten - warum muss man da ausgerechnet anderen begegnen...??? Am Ufer des idyllischen Mälarsees entlang spazierten wir nun in Richtung Gripsholm. Das Schloss von 1537 gleicht eigentlich eher einer Burg, ist aus rotem Ziegelstein erbaut und heute ein Museum, das mit über 2000 Werken die Portraitsammlung des Staates Schweden beherbergt. Zeit, das Schloss von innen zu besichtigen blieb uns nicht, aber wir guckten uns im Innenhof um und machten einen Haufen bekloppte Fotos, denn unsere Laune erreichte sozusagen ihren Höhepunkt. Dann war es auch schon Zeit, den Rückweg anzutreten. Der Bus wäre beinahe an uns vorbeigebraust, aber Wiebke schaffte es durch ihren waghalsigen Einsatz, den Fahrer zum Anhalten zu bewegen. Am Bahnhof versuchten wir vergebens, durch eine Automatiktür auf den Bahnsteig zu kommen, aber egal, wie lange wir vor der Tür rumhüpften und vor- und zurückgingen - sie öffnete sich einfach nicht. Bis eine von uns entdeckte, dass man zum Öffnen auf einen Knopf neben der Tür drücken musste... Im Zug ergatterten wir ein Abteil für uns alleine, aber diesmal wären wir auch für unsere Mitreisenden keine Qual gewesen. Schwedische Mücken, spanische Maler, deutsche Schriftsteller und frische Luft - diese Mischung haut auch die fidelsten 5 Damen irgendwann um. In Stockholm verabschiedeten wir uns deshalb in einem ähnlich halbdämmerigem Zustand wie schon am Morgen. Und freuen uns jetzt schon auf den nächsten Kultursonntag im Oktober - dann hoffentlich auch wieder in größerer Runde!

Montag, August 23, 2010

Glamour, Seemänner und Striptease

Mal wieder Zeit, was Neues auszuprobieren und seinen Horizont zu erweitern. Dachte ich, als ich vor ein paar Tagen folgendes Plakat sah: Ein Burlesque-Club am Samstag. Spannend, fand ich und rekrutierte meine Freundin Irene. Am Samstag Nachmittag fing ich an zu überlegen, dass mein normaler Jeans-und-Shirt-Style vielleicht nicht so richtig angebracht ist. In Ermangelung der richtigen Glamour-30er-Jahre-Garderobe und sonstiger Utensilien versuchte ich rauszuholen was ging. Also drehte ich mir die Haare auf Lockenwickler, zog den Eyeliner dicker und länger als sonst, malte den Mund so rot es ging bei meiner Auswahl an Lippenstiften, lackierte mir die Fingernägel rot, zog einen roten Rock und ein schwarzes Neckholder-Top an und machte mich auf den Weg. Die Locken hingen sich fast sofort wieder raus, aber ein paar Wellen blieben übrig. Ich habe mich jedenfalls noch nie vorher so gestylt gefühlt wie an diesem Abend, auch wenn der geplante 30er-Jahre-Look mir nicht wirklich gelang. So sah ich aus: Die Veranstaltung fand in einem angemieteten Raum in der Nähe von Liljeholmen statt. Irene und ich kamen recht früh, ergatterten Plätze auf einem alten Sofa und konnten schön Leute beobachten. Wir waren sehr angetan von dem Einfallsreichtum und der Kreativität der meisten. Viele Gäste waren mit einem zum Thema passenden Seemanns-Accessoire ausgerüstet - Anker, gestreifte Shirts, Matrosenanzüge und -mützen, Kapitänsuniformen, Schiffe, Piratenoutfits. Alles dabei. Wieder andere waren einfach nur edel in "alten" Outfits gestylt und sahen aus wie direkt aus den 30ern und 40ern angereist. Manche waren extrem sexy, generell gab es viele Korsagen, Strapse und Netzstrümpfe zu sehen - und viel Haut. Und das unabhängig von der Figur. Ich fand's toll, mal was anderes! Und dann gab es natürlich auch einen Show-Teil mit Striptease auf der Bühne. Insgesamt traten 5 Frauen auf, tanzten und sangen; das Ganze wenn man so will auch mehr neckisch-spielerisch als sexuell animierend. Und wie ich gelernt habe bleiben bei Burlesque-Auftritten auch immer die Slips an und die Brustwarzen bedeckt. Und apropos sexuell. Alle Neigungen und Vorlieben waren vertreten; und bei manchen Gästen war auch nicht klar auszumachen, ob es sich um Männlein oder Weiblein handelt - aber auch das ja mal sehr erfrischend als Abwechslung im Stockholmer Nachtleben. Ansonsten wurde der Abend natürlich geprägt durch die Musik, die gespielt wurde - von Swing über Jazz bis Rock'n'Roll. Eine Weile ganz nett, aber auf Dauer doch ein bisschen anstrengend, so dass Irene und ich dann nach der zweiten Showeinlage auch den Heimweg antraten. Aber mit der übereinstimmenden Meinung: das kann man nochmal machen. Und dann vielleicht mit ein bisschen mehr Planung und ausgereifterem Styling - auf meiner Einkaufsliste stehen nun zumindest knallroter Lippenstift, künstliche Wimpern und lange Seidenhandschuhe, und Second-Hand-Läden werde ich demnächst wohl auch nach anderen Sachen durchsuchen... ;-)