Wieder einmal war es Zeit für einen Kurzurlaub an meiner geliebten Westküste, und wer anders kommt dazu in Frage als mein alter Expeditionskumpel Royal Scott, alias Wiebke, mit der ich schon 2005 und 2006 diesen Teil Schwedens unsicher gemacht hatte? Im Januar überlegten wir uns, dass sich Ostern als Termin anbieten würde, sahen uns die Flüge ab Hamburg und die Züge ab Stockholm an, waren begeistert von den unglaublichen Schnäppchenpreisen und buchten kurzerhand. Wie sich kurze Zeit später herausstellen sollte, waren die Preise nur so günstig, da wir Seppel uns vertan und die Woche nach Ostern gebucht hatten... Nun ja, dann mussten wir eben Urlaub nehmen. So fuhr ich dann am 28. März mit dem Zug gen Westen, wo ich Wiebke in Göteborg am Flughafen mit einem noch schnell gebastelten Schild empfing, auf dem gross „Royal Scott“ zu lesen war. Dann holten wir unseren Mietwagen ab, der sich als furchtbar hässlicher bronzefarbener (und das ist nur ein charmanter Ausdruck für „Braun“) Nissan mit kastigem Heck entpuppte. Nun ja, ein Saab oder Volvo wäre uns lieber gewesen, aber so machten wir uns mit dem Nissan auf in Richtung Norden. Auf der Insel Orust hatten wir eine kleine Hütte gemietet, die Wiebke noch von einem früheren Aufenthalt kannte. Die Hütte war ca 8 qm gross und sollte nun also für die nächsten 4 Nächte unser Zuhause sein. Nun gut

, das entsprach nicht meinem gewohnten 4*-Standard, aber basic muss ja auch mal gehen, und es war schon sehr gemütlich und nett (wenn man von der Luxusvilla der Besitzer absah, die ca. 20x so gross direkt neben uns lag und hämisch auf uns herabblickte)! Leider hatte es angefangen zu regnen, so dass wir keinen Spaziergang unternahmen, sondern auspackten, ein paar Butterbrote einschmissen und dann versuchten, es uns auf dem oberen Bett des Etagenbettes bequem zu machen, was uns auch einigermassen gelang. Ich hatte mein Laptop mitgenommen, und so konnten wir dann am Abend (und den 3 anderen Abenden auch...) einen Film gucken, Süssigkeiten essen und Tee trinken. Am Samstag war das Wetter leider genauso bescheiden wie am Abend davor, und so beschlossen wir, in eine 30 km entfernte Shoppingmall zu fahren, andere Alternativen hatten wir angesichts des Wetters auch kaum... So ein Tag kann ja schon schnell vergehen, und als ordentliche Frauen haben wir natürlich in erster Linie Schuhe gekauft, ein Paar für mich und ganze drei Paar für Wiebke. Am Abend war es dann doch noch schön geworden und so beobachten wir in unserem Lieblingsort Mollösund den Sonnenuntergang. Am Sonntagmorgen wurden wir um 07:15 wach (bzw. 08:15 wenn man an die Umstellung auf Sommerzeit denkt), die Sonne schien, die Vögel zwitscherten, das Meer rauschte leise in der Ferne – und es passierte etwas ganz unglaubliches: ich stand auf! Freiwillig! Um diese Uhrzeit an einem Sonntag! Wir frühstückten, waren voller Tatendrang und mussten dann mit ansehen, wie die Sonne langsam wieder von Wolken verdeckt wurden. Egal, so lange es nicht regnete waren wir guter Dinge. Wir machten uns auf zur Nachbarinsel Tjörn, liefen dort ein bisschen rum, kletterten über Felsen, sahen aufs Meer und bekamen dann doch die ersten Tropfen ins Gesicht. Das war weniger gemütlich, und so fuhren wir schliesslich ins renommierte Aquarellmuseum, dessen Ausstellung leider recht klein und damit enttäuschend war. Dafür war das angrenzende Restaurant umso netter, mit einem tollen Blick auf Felsen und Wasser. Dort machten wir es uns gemütlich, verspeisten ein köstliches Mittagessen und wurden vom Personal zum Nachtisch auf ganz köstliche Schokotrüffel eingeladen, weil wir angeblich auf das Hauptgericht so lange warten mussten (was uns nicht mal aufgefallen war). Im Anschluss fuhren wir zum Einkaufen in die Stadt Stenungsund, wo wir im Supermarkt zwei Doppel-CDs mit 70er- und 80er-Jahre-Musik ergatterten, die ab da bei uns im Auto auf voller Lautstärke liefen und zum wilden Mitsingen animierten. Besonders Bonnie Tylers „Holding out for a hero“ hatte es uns angetan.
Der Montag war leider auch verregnet, so dass wir relativ spät aufstanden, uns beim Frühstücken viel Zeit liessen und uns dann aufmachten nach Lysekil, was eine nette Strecke ist, da man drei Fähren nutzen muss. Da das Wetter nicht zum Draussensein einlud, bummelten wir schliesslich durch die Läden und landeten fatalerweise wieder in einem Schuhgeschäft... Kurz vor Feierabend kaufte ich dort zwei Paar und Wiebke eins, damit haben wir dem Laden sicherlich den Wochenumsatz gerettet. Wahrscheinlich haben wir sowieso der ganzen Schuhindustrie an der Westküste zu einem Boom verholfen und Arbeitsplätze gesichert.
Auf der Rückfahrt kam

es dann auch noch zu einem schönen Lacher, als Wiebke sich bei einem Bewunderungsausruf nicht entscheiden konnte, ob sie „Alter Schwede“ oder
„Alter Falter“ sagen sollte, und formulierte diplomatisch ein flottes „Alter Schwalter“. Zurück auf unserer Insel am Abend war das Wetter wieder herrlich (so wie in Kiel, da ist es abends auch immer schön), und die See ganz spiegelblank und ruhig, und so machten wir einen Spaziergang durch das ausgestorbene Mollösund und träumten davon, auch eins dieser Häuser zu besitzen... Dann sahen wir noch einen wundervollen Sonnenuntergang und fuhren dann nach Hause, um zu kochen. So war denn unser letzter Abend auch schnell vorüber, und am Dienstagmorgen mussten wir schon wieder Richtung Göteborg aufbrechen. Die ganzen Schuhe zu verstauen war denn auch gar nicht so einfach... (Dass ich mir gerade vorher auch noch 3 Paar bei eBay ersteigert hatte erzähle ich lieber nicht - nicht, dass ihr noch denkt, ich hätte irgendwie einen Schuhtick...)
Und so sehen also zwei Frauen aus, wenn sie ein paar wundervolle Tage Urlaub hatten: