Pain(t)ball
Gestern war ich zum ersten Mal Paintball spielen. Vor einigen Wochen kam Thorsten auf diese Idee, und da ich im Januar schon mit Laser auf meine Kollegen geschossen hatte und das erschreckenderweise sehr lustig fand, war ich direkt begeistert von der Idee. Okay, moralisch gesehen ist es vielleicht fragwürdig, mit Laser oder Farbkugeln auf seine Freunde zu schießen, aber
irgendwie muss man ja alles mal ausprobieren, dachte ich. Die Aussicht auf blaue Flecke war zwar nicht gerade verlockend, aber schreckte mich auch nicht ab. Sooooo schlimm konnte das schon nicht sein, und man will sich ja auch mal nicht anstellen. Und so trafen wir uns gestern zum Kampf, 12 Männer und 4 Frauen. Bei sehr sommerlichen Temperaturen wurden wir in Camouflage-Anzüge gesteckt (alle hatten die sehr kleidsame Größe 52 – ist wohl nicht so üblich mit Frauen bei dieser Sportart) und machten uns dann auf den Weg in den Wald zum gekennzeichneten Spielfeld. Wie üblich war ich guter Dinge, und der steigende Adrenalinspiegel führte dazu, dass ich aufgeregt rumhüpfte, kicherte, und großspurig verkündete, auf alles zu schießen, was sich bewegt... Wir teilten uns in zwei Teams zu acht Personen auf, bekamen eine Einweisung, dann Schutzmasken und schließlich eine Waffe, die auch wirklich sehr nach Waffe aussah.... Im ersten Spiel war das Ziel, einfach alle aus der gegnerischen Mannschaft zu erschießen. Wird man getroffen, ist man ”tot” und muss das Spielfeld mit erhobener Waffe verlassen. Sobald alle Teilnehmer in ihrer Base an den gegenüberliegenden Seiten des Spielfeldes angekommen waren, ging es also los. Wir rannten, suchten Deckung und fingen an zu ballern. Ich war eigentlich sehr überrascht, wie weit man schießen konnte, und traute mich irgendwie das ganze Spiel über nicht hinter meiner Palette hervor. Welche Power die kleinen Farbkugeln wirklich hatten, durfte ich dann schließlich schmerzhaft erfahren, als Samuel mir drei Stück davon aus relativ dichter Entfernung in den Rücken ballerte. Oha, darauf, dass das soooo weh tut, war ich nicht vorbereitet. Und da wurde aus der ziemlic
h vorlauten Yvi von eben eine ziemlich kleinlaute. Bin wohl eben doch ein Mädchen... Etwas entmutigt, etwas ängstlich und etwas zerknirscht ging ich dann in die nächsten vier Spiele. Nachdem ich merkte, dass es nicht ganz so weh tut, wenn man von weiter weg getroffen wird, wurde ich wieder etwas wagemutiger. Nach einer weiteren Runde ”die Gegner eliminieren” wechselten wir die Spielart zu der Variante, wo eine Flagge in der Mitte des Spielfeldes aufgehängt wird. Jede Mannschaft versucht, die Flagge zu bekommen und in die gegnerische Base zu bringen. Ganz zum Schluss spielten wir eine Runde ”Zombie”; wird man getroffen, muss man zur eigenen Base, zählt bis 10 und geht wieder ins Spiel zurück. Hier verballerten wir die letzten unserer 2800 übrigens umweltfreundlichen Kugeln - einen Großteil davon vor allem auf Samuel, der mit Kampfgebrüll kamikazemäßig auf uns zurannte und von allen gleichzeitig beschossen wurde. Alles in allem war es doch eine sehr interessante Erfahrung, gerade wenn man nie bei der Bundeswehr war :-) Im Tarnanzug durchs Unterholz robben, nach Feinden spähen, Deckung suchen, sich so unsichtbar und schnell wie möglich bewegen, sich Taktiken überlegen, diese Mischung aus ”Angst” und ”Überlebenswille”, das Schießen, die Kugeln, die einem um die Ohren fliegen... Und der Gedanke, dass Menschen diese Erfahrung tagtäglich ”in echt” machen. Wir konnten alle nicht begreifen, wie man das eigentlich nervlich durchsteht. Abends gingen einige von uns noch was essen und trinken, und wir stellten fest, dass wir alle ganz schön erschöpft waren, nicht nur wegen der körperlichen, sondern auch wegen der geistigen Anspannung – und immerhin waren wir knapp 3 Stunden im Gelände gewesen. Und das Fazit? Ich fand es gut, im Wald zu sein, statt in einer Halle oder auf einem künstlichen Parcours, der Nachteil ganz klar, dass es wehtun kann, wenn man getroffen wird. Ich würde dann also doch die Laser-Variante vorziehen. Aber alles in allem hat es doch Spaß gemacht, und es schweisst als Gruppe zusammen. Ich würde Paintball nicht von mir aus anregen, aber wieder mitgehen, wenn ich nochmal die Gelegenheit hätte. Und letztendlich habe ich mehr Mückenstiche als blaue Flecke... :-)

