König an der Bar
Eines der schwedischen Phänomene ist für mich das lönehelg – wörtlich Lohnwochenende. In Schweden bekommen alle Arbeitnehmer am selben Tag Lohn (oder zumindest der Großteil), nämlich am 25. des Monats. Und da die Schweden scheinbar unfähig sind, sich ihr Gehalt ordentlich einzuteilen oder den Monat zu planen, verprassen sie gleich alles möglichst am ersten Wochenende nach dem 25. Das heißt, dass am lönehelg vor allem Bars und Clubs einen prima Umsatz machen, da der gemeine Schwede eben gerne losrennt, um sein Gehalt in Alkohol zu investieren und damit die nordische Zurückhaltung kurzzeitig los zu werden. Sprich: geht man am lönehelg aus, muss man damit rechnen, dass 1. alles voll ist und 2. alle voll sind. Ich war letzten Samstag und gestern im gleichen Nachtclub; also einmal am Wochenende vor Lohnauszahlung und einmal eben am lönehelg. Und der Laden war gestern im Gegensatz zu letzter Woche wirklich proppevoll - und die Leute auch. Und trotzdem habe ich diesmal niemanden in die U-Bahn kotzen sehen. Das ist schon immer ein Erfolg, denn das ist sonst am Wochenende Standard. An Montagen nach dem lönehelg kann man dann auch so schöne Berichte in den Zeitungen lesen wie z.B. diesen sehr frei von mir übersetzten aus Linköping (einer Stadt in Mittelschweden mit ca 98000 Einwohnern) über das Wochenende, an dem auch die Uhren umgestellt wurden: „Dafür, dass lönehelg war, war es verhältnismäßig ruhig“ sagt die Polizei in Linköping. "Samstagnacht haben wir nur 8 betrunkene Personen festgenommen. Einige kleinere Schlägereien kamen auch vor, und ein paar Anzeigen wegen Misshandels haben wir bekommen. Wir hatten damit gerechnet, dass es wegen der Umstellung auf Sommerzeit zu mehr Problemen kommen würde – schließlich mussten die Läden schon eine Stunde früher schließen“ (bedeutet also, dass die Schweden eine Stunde weniger Zeit hatten, sich besinnungslos zu saufen) „aber wir hatten sehr viele Polizisten auf den Straßen, und obwohl ungewöhnlich viele Leute unterwegs waren und die Schlangen vor den Läden lang, hatten wir das Gefühl, sie waren weniger betrunken und gereizt als sonst.“ Und abschließend sagt dann die Polizei in dem Bericht noch, dass man generell einführen sollte, dass die Läden eine Stunde früher schließen; damit könnte man einen Teil der alkoholbedingten Probleme in den Griff bekommen. Ob das der richtige Ansatz ist lasse ich mal offen... Die Schweden und der Alkohol... Eine ganz besondere Beziehung. Das Verhältnis der Schweden zum Geld zeigt sich übrigens auch in anderen Beispielen. Bei mir bei der Arbeit kann ich gewisse Beobachtungen nicht machen, da meine Kollegen im Prinzip alle verheiratet sind und Familien und damit Verantwortung haben; aber meine Freundin Maria arbeitet bei H&M in der Zentrale, und sie erzählt, dass die jungen Mädels dort in den Tagen nach dem 25. mittags auswärts schick essen gehen und exzessiv shoppen, und dass sie dann kurz bevor es Lohn gibt nur noch mitgebrachte Nudeln mit Ketchup essen oder Müsli, weil eben kein Geld mehr über ist... Natürlich macht auch H&M den größten Umsatz in den Tagen nach dem 25... Schwedens Schlagerkasper Magnus Uggla hat über das Phänomen ein Lied geschrieben, es heisst „Kung för en dag“ - „König für einen Tag“ und beschreibt das Ganze folgendermaßen: Obwohl man am 24. kein Geld mehr hat / geht man im gleichen Mo

