Dienstag, September 12, 2006

Königlich

Das letzte Wochenende war nochmal so richtig sonnig, herrlich, sommerlich, so dass Andreas und ich aufgebrochen sind zu einem Ausflug nach Schloss Drottningholm, das etwas ausserhalb der Stadt liegt und der Wohnsitz der Königsfamilie ist. So bekletterten wir am Mittag ein Boot und schipperten gen Westen den Mälarsee hinauf. Unterwegs kamen wir am "Bastuflotten" vorbei, einem "Saunafloss". Das fährt tatsächlich ausgerüstet mit Sauna, Umkleideraum, Dusche und Klo herum - Abkühlung im See inklusive... Verrückt, die Schweden! Nach ca. 45 Minuten gemütlicher Fahrt vorbei an beneidenswert schönen Villen, hochpolierten Segelyachten und winzig kleinen Sandanhäufungen, die "Strand" genannt werden (wer will einem Kieler (naja, zumindest im Herzen bin ich's) da was vormachen?) kamen wir am Schloss an. Da uns dürstete (man muss sich auch königlich ausdrücken können bei passender Gelegnheit!) fielen wir als erstes in den Souvenirshop ein. Nach ein bisschen Stöbern durch unnütze Andenken bekam ich jedoch etwas in die Hände, das mich so begeisterte, dass ich es kaufen musste... Eine knallgelbe Stoffkrone! Nein, was gibt es manchmal für herrliche Sachen (liebe einige (Ex-)Gebecos: denkt an das Bärenfell! Die Krone ist mindestens genauso gut!). Ich konnte mich kaum einkriegen, kaufte gleich 2 Stück (eine für mich und eine für die 3-jährige Lara aus Wolfsburg) und musste meine selbstverständlich schon im Laden aufsetzen. Andreas guckte etwas irritiert, aber traute sich mit mir los. Aber dann (und jetzt muss ich aus dramaturgischen Gründen ins Präsens wechseln): Als ich vor die Tür trete steht dort just ein Haufen japanischer Touristen. 40 schwarze Knopfaugen starren mich fassungslos an, wie ich da so glücklich grinsend mit meinem neuen Kopfschmuck den Hof betrete. Dann fangen alle wie auf Kommando an zu lachen, und mir fällt nichts besseres ein, als königlich und freundlich lächelnd zu winken. 20 Arme winken zurück. "You can buy it in this shop" gebe ich hilfsbereit Auskunft. 20 Köpfe fliegen herum und fixieren die Tür. "Einmal im Leben verrückt sein", denken sie einen Moment, aber nein, doch nicht. Sie lachen nochmal und winken, während Andreas und ich uns kichernd aus dem Staub machen. Klasse. Da kann Andreas natürlich noch nicht ahnen, dass er wenige Minuten später mit mir vor dem Schloss posieren muss - ebenfalls mit Krone. Ist doch einfach ein herrliches Bild, oder? Ich bin wirklich ganz begeistert. Ich sollte diese Krone immer tragen. Bei Wohnungsbesichtigungen, in der U-Bahn, bei meinem Jahrgangstreffen in Wolfsburg am Samstag... Ach, es gibt so viele Gelegenheiten. Man fühlt sich gleich viel... wertvoller ;-) Leider führte der ganze Spass am Sonntag nicht dazu, dass Königin Silvia Andreas und mich zum Kaffee einlud. Ich finde schon, dass sie das ruhig mal tun könnte, wo sie und ich doch dasselbe Schicksal haben (na gut, ein ähnliches zumindest). Zu selbstgebackenem Apfelkuchen, und dann plaudern wir ein bisschen über die Unterschiede zwischen der deutschen und schwedischen Kultur. Das wär' doch mal was...

Freitag, September 08, 2006

Nord-News

Hallo! Ich bin's! Jaaaa, ich weiss, is' lange her. Ich will auch nicht schon wieder erwähnen, dass ich so viel arbeite (aber es ist so)... Wie Ihr merkt, schaffe ich es ja auch nicht, Euch anzurufen oder e-mails zu schreiben; habe schon ein schlechtes Gewissen, seufz. Ich fühle mich auch durch und durch müde; ich glaube, die letzten 2 Jahre waren etwas zu heftig alles in allem... Ziemlich viel Veränderung, und man wird ja nicht jünger. Aber nun genug gejammer; zu meinen Erlebnissen der letzten Wochen: Mit Annelie war ich bei einem Open Air Klassikkonzert der Stockholmer Philharmoniker - mit Picknick; alle sassen auf Decken oder Klappstühlen auf der Wiese rum und haben der Musik gelauscht. Leider fing es an zu regnen, so dass Annelie und ich lieber zu ihr gefahren sind und es uns gemütlich gemacht haben. Sie hat eine sehr schöne Wohnung, und da wuchs in mir dann doch das Verlangen nach meinen Sachen und einer eigenen Bude. Aber das ist hier eben nicht so leicht... Dann fand ein Kulturfestival statt, alle Veranstaltungen umsonst. Mit meinem guten Freund Andreas (ein Schwede, der perfekt Deutsch spricht und vor allem ganz lustig Schweizerisch reden kann) habe ich mir unter freiem Himmel Carmina Burana angesehen; sehr ergreifend, kann ich nur sagen. Gänsehautfeeling. Am nächsten Tag kam dann Besuch aus Deutschland - schöööön war das! Daniela kam angeflogen, und es war, als hätten wir uns gerade gestern zum letzten Mal gesehen. Wir waren an einem Tag lange im Park spazieren und sind dann ins "Schmetterlingshaus". So eine Art Gewächshaus mit tropischem Grünzeug und eben Schmetterlingen, die da überall rumflattern. Anschliessend waren wir im "Junibacken", einem "Museum", das ganz Kinderbüchern gewidmet ist. Man besucht unter anderem Pettersson und Findus, guckt mal bei Willi Wiberg rein und macht es sich schliesslich in der Villa Kunterbunt gemütlich. Hach, da möchte man doch echt nochmal Kind sein. Es ist echt süss gemacht! Am nächsten Tag waren wir in dem Vorort Saltsjöbaden, sind in eines meiner Lieblingscafés eingekehrt und schliesslich mit dem Boot zurück gefahren. Unter anderem ging es durch ganz schmale Kanäle und vor allem vorbei an Anwesen, Herrenhäuser und Designervillen. Man kann teilweise nicht glauben, was da für Häuser stehen! Und immer gibt es ein kleines Bootshaus direkt am Wasser, das im selben Stil erbaut ist wie das Haupthaus. Kann mir nicht einer sowas vermieten??? Als Daniela wieder nach Deutschland zurückgeflogen war, kam gleich der nächste Besucher. Meine alte Gebeco-Kollegin Doro. Erst musste sie sich 2 Tage alleine beschäftigen, während ich - was auch sonst - arbeitete, und dann hatten wir ein schönes Wochenende vor uns. Freitagabend wollten wir mal richtig schön ausgehen. Wir machten uns auf den Weg zu einem Café, das eine tolle Aussicht auf die Stadt und im Sommer ein Zelt hat, in dem DJs auflegen. Wir waren recht früh, und kamen so glücklicherweise um den Eintritt herum, da wir uns durch einen Nebeneingang einschlichen. Irgendwann kamen auch Simone und Michael. Leider war die Musik sehr, naja, eintönig, möchte ich sagen. Bummbummbumm. Wir drei Mädels landeten irgendwann in einem Pavillon, in dem mehr R'n'B gespielt wurde, auf einem Sofa und konnten nicht anders, als über die schwedischen Nachtschwärmer zu staunen ("Sitzen da und lästern. Man sieht es Euch an!" sagte Michael und ging einsam seines Weges). Aber wir konnten nicht anders als gucken. Die Schweden (sowohl männlich als auch weiblich) sind ja topmodisch. Und dass "Mode" manchmal ziemlich scheisse aussieht, lässt sich ja auch nicht verleugnen. Generell sind sie also alle durchweg komplett gestylt. Da taucht keiner wie wir in Jeans und Pulli auf. Nein, wildeste 80er-Outfits, im Sixties-Style toupierte Haare, Grungelook, schicke Kostüme oder Business-Kleider - alles, nur nicht gewöhnlich. Lustig ist auch, dass es wohl gerade unheimlich in ist, riesige Handtaschen zu haben. Ich habe mich schon immer gefragt, wozu man überhaupt eine Handtasche braucht, wenn man ausgeht, aber wozu braucht man so einen riesigen Beutel?? Was hat man da drin? Die Sportausrüstung vom Nachmittag? Den eigenen Alkohol? Haarspray? Ich weiss es nicht. Jedenfalls stören die Dinger, auch wenn sie modisch sind, und deswegen ist es wohl so üblich, dass die Mädelscliquen jeweils ihre Taschen auf einen Haufen auf die Tanzfläche legen, sich im Kreis drumherum stellen und dann tanzen. Das sieht dann so aus, als machten sie einen Regentanz ums Lagerfeuer, also wirklich sehr amüsant.... Da der Abend also nicht so erfolgreich war, und die Musik uns nicht zum Tanzen motivierte, brachen wir zeitig ab. Doro und mir passte das nicht schlecht, denn wir mussten am Morgen früh raus, da wir eine Bootsfahrt in die Schären machen wollten. Als wir um halb 8 am Fenster standen, sahen wir - nichts. Der Nebel war so dicht, dass man fast nicht runter auf die Strasse gucken konnte - also nicht besonders einladend. Aber egal, muss losgehen, in den Schären kann das Wetter auch anders sein. Also brachen wir auf - und es wurde ein traumhafter Tag mit strahlendem Sonnenschein. Auch Doro und ich bestaunten Häuser, Villen, Paläste, und kamen dann nach 3 Stunden auf der Insel Sandhamn an. Der Ort erinnerte mich etwas an die schöne Westküste, bunte Holzhäuschen, Boote, das Meer, sehr herrlich. Solch ein Ausflug fühlt sich einfach an wie ein ganzer Urlaub. Aber schliesslich verliess mich auch Doro wieder. Schade, denn es ist echt schön, Besuch zu haben. Tja, viel mehr ist auch schon nicht mehr passiert. Letztes Wochenende habe ich nicht besonders viel gemacht. Ich habe samstag bis 13:30 Uhr geschlafen (was mich sehr schockiert hat - das letzte Mal, als mir das passiert ist, war ich 17!) und war dann in der Stadt und habe mir gefütterte Winterstiefel gekauft. Jaha, der nächste Winter kommt bestimmt. Und ich habe die Vermutung, ich bin nicht gut genug ausgerüstet gegen die Kälte. Da muss noch ein bisschen was her...