Vorweihnachtszeit
Da ist sie wieder, die alljährliche Adventszeit, die geprägt ist von regnerischen, grauen und vor allem kurzen dunklen Tagen, gehetzten Menschen, die auf der Suche nach Geschenken fluchend durch die City rennen, Whams "Last Christmas" und dann doch dem ein oder anderen gemütlichen, schönen Ereignis. Ich bin immer noch krank geschrieben und arbeite weiterhin nur 25%, habe einen Stress-Kurs hinter mich gebracht, und hätte eigentlich Zeit, den Advent mal richtig zu genießen. Leider weiß ich immer noch nicht, wo die Zeit bleibt, auch wenn man nichts zu tun hat, aber vielleicht liegt es daran, dass mein Bett und ich ein sehr inniges Verhältnis haben und ich einfach vor 11 nicht aufstehe, wenn ich nicht muss. Alles in allem fühle ich mich aber besser und fange im Januar auch an, 50% zu arbeiten. Nun ja, das nur nebenbei.
Bisher hatte ich eigentlich eine nette Adventszeit, und zum ersten Mal seit Jahren habe ich auch etwas geschmückt bei mir. Hier in Schweden hat man allerdings seltener Adventskränze, sondern mehr so kuchenformartige Kästen mit 4 Kerzen drinnen, die man schmücken kann (siehe Bild). Da habe ich mich also angepasst. Weiterhin ist hier Adventstradition, Glögg zu trinken, also eine Art Glühwein (etwas süßer als in Deutschland). Mit einigen meiner Mädels hatten wir so einen gemütlichen Glögg-Abend bei mir zuhause Anfang Dezember. Es gibt spezielle Glögg-Tassen, die in bißchen aussehen wie Espressotassen, kleine Löffelchen, und in den Glögg schaufelt man sich dann Rosinen und Mandeln. Dazu isst man gerne Pepparkakor, übersetzt Pfefferkuchen, die ein bißchen wie Spekulatius schmecken. Meine Freundinnen wurden an dem Abend auch mit meiner persönlichen Weihnachtstradition belästigt: seit ich Kind bin höre ich im Advent Rolf Zuckowskis "Wir warten auf Weihnachten" und die "Schlumpfenweihnacht". Ich kann nicht ohne. Über das zweite Adventswochenende war ich dann mit Nooshin und unserer Kollegin Veronika, eine Österreicherin, in Kopenhagen. Wunderschöne Stadt! Wenn nur nicht die Sprache wäre... Dänisch hört sich einfach so bekloppt an... Die skandinavischen Sprachen sind sich ja sehr ähnlich, und Norwegisch kann ich auch einigermaßen verstehen, aber Dänisch geht gar nicht. Trotzdem haben die Dänen eine fantastische Hauptstadt, und ich kann nur empfehlen, dort mal ein Wochenende zu verbringen. Wir sind am Freitag geflogen, und nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, sind wir in die Stadt gefahren. Veronika hatte mal ein Jahr in Kopenhagen gelebt, so dass sie ein paar Insidertipps hatte. Wir haben dann sehr günstig in einem Restaurant Buffet gegessen, was richtig gut war, und hatten dort einen netten und gemütlichen Abend. Danach sind wir noch einmal durch die Stadt gebummelt, und dann in unser Hotel gefahren. Die Übernachtung hatten wir natürlich mal wieder über unsere geschäftlichen Beziehungen gebucht, aber diesmal war es "Touristenklasse". Leider bin ich auf Grund meines Jobs nicht mehr fähig, 3*-Hotels mit neutralen Augen zu sehen... In der ersten Nacht hatten wir ein 3-Bett-Zimmer in der Nähe des Flughafens für ca. 160 EUR, was also für meine verwöhnten Verhältnisse der reinste Wucher ist. Bei dem Zustellbett handelte es sich um eine Art Feldbett mit einer unmöglichen Matratze darauf, die man nichtmal einem 3-jährigen Kind hätte zumuten können, geschweige denn einem Erwachsenen. Wir räumten und improvisierten und dann ging es einigermaßen; ich opferte mich freiwillig und war am Samstag etwas überrascht, dass ich gut geschlafen hatte. Nach einem Frühstück, das ganz in Ordnung war, machten wir uns auf in die Stadt. Wir drängten uns durch den Vorweihnachtstrubel, die Straßen und Geschäfte waren wirklich unglaublich voll. Sehr auffällig in Kopenhagen
: es gibt wahnsinnig viele Geschäfte mit Unterwäsche! Schließlich landeten wir in einem Café, aßen und tranken etwas und stiegen anschließend auf den "Runden Turm", von dem man einen schönen Blick auf die Stadt hatte und auch die Öresundbrücke sah. Danach zogen wir weiter ins nächste Café, in dem wir uns dann auf Veronikas Empfehlung hin Kaffee und Kuchen reinzogen. Schließlich war es dunkel und Zeit fürs berühmte Tivoli, für das wir kostenlosen Eintritt hatten - ein Glück, denn die Schlange vor dem Kartenhäuschen war kilometerlang. Dementsprechend viel los war leider auch im Tivoli, es machte nicht so richtig viel Spaß, durch die Menschenmassen zu spazieren, und so hatten wir auch nicht so richtig Lust, uns die Buden anzusehen. Insgesamt machte das aber trotzdem einen besseren Eindruck als Göteborgs Liseberg. Veronika wollte sich nun mit einer Freundin treffen, und Nooshin und ich das Nachtleben erkunden. Also trennten sich unsere Wege, und Nooshin und ich fuhren zu dem Hotel, das wir für diese Nacht gebucht hatten. Es lag am Arsch der Welt, aber dafür hatten wir 3 Einzelzimmer umsonst bekommen. Wir hatten die Auskunft bekommen, dass man von der S-Bahn-Haltestelle 6 Minuten zu Fuß zum Hotel bräuchte, aber als wir aus der S-Bahn stiegen fanden wir uns in einem Hochhausghetto wieder, und nirgendwo ein Hinweis aufs Hotel. Etwas irritiert versuchten wir uns zu orientieren, und riefen schließlich im Hotel an, wo uns gesagt wurde, wir sollten einen Bus nehmen. Gesagt, getan. Das Hotel war nun tatsächlich ziemlich einfach, ich musste versuchen, mich mit dem Gedanken zu beruhigen, dass wir schließlich nichts zahlten. Nooshin und ich machten uns fertig, und ich erklärte ihr währenddessen das Phänomen Thomas Gottschalk, da ich nämlich entdeckt hatte, dass wir ZDF reinbekamen und "Wetten dass..." lief. Dann gingen wir zur Rezeption, um Infos darüber zu bekommen, wie häufig und wie lange denn S-Bahnen und Busse hier so fuhren. Der Bus ging nur noch einmal die Stunde, und so hatten wir etwas sinnlose Wartezeit zu überbrücken. Schließlich gelangten wir aber doch in die Stadt, wo wir uns wieder mit Veronika trafen. Nach dem Kuchen vom Nachmittag waren wir nicht besonders hungrig, und so beschlossen wir, nur was Kleines zu essen. Ich wollte meinem Glück, mit Nooshin zusammen immer entzückende Engländer zu treffen, etwas nachhelfen, und schlug vor, dass wir in einen englischen Pub gehen. Dort hatten sie allerdings nichts zu essen, aber stattdessen Livemusik. So kehrten wir nur kurz bei McDonald's nebenan ein, Veronika entschied sich, ins Hotel aufzubrechen, und dann suchten Nooshin und ich uns einen Platz in dem Pub genau gegenüber der Bühne. Ziemlich bald fingen dann zwei Typen an, auf ihren Gitarren zu klimpern und dazu zu singen, und der eine der beiden war auch entzückend anzusehen. Tja, wider Erwarten trafen wir nicht auf Engländer, sondern konnten beobachten, wie drei Schweden neben uns immer voller wurden und sich immer peinlicher benahmen. Irgendwann hatten die Jungs dann fertig gespielt, und es kamen zwei andere. Inzwischen reichte es uns aber, und wir wollten noch tanzen gehen; wussten aber nicht so recht wohin. Auf dem Weg zum Pub hatten wir allerdings zwei Clubs gesehen, so dass wir dorthin gingen, uns die Leute in der Schlange anguckten und auf das BummBumm hörten, das aus den Läden rauskam. Wir waren etwas unentschlossen, guckten uns dann an, und ich sagte vorsichtig "Ich bin müde..." Nooshin grinste erleichtert zurück und sagte "Ich auch!", woraufhin wir festellten, dass wir lieber mal in Stockholm nach Engländern Ausschau halten sollten, und uns in ein Taxi schwangen. Am Sonntag war das Wetter eher regnerisch, so dass wir das mäßige Frühstück erstmal ausdehnten und spät aufbrachen in Richtung Stadt. Veronika wollte gerne einmal das Haus sehen, in dem sie damals gewohnt hatte, und so fuhren wir in eine sehr nette Wohngegend, die mich an Hamburg erinnerte. Da spazierten wir dann eine ewig lange aber nette Straße entlang auf der Suche nach einem netten Café, in das wir auf ein fika einkehren könnte
n. Wir fanden allerdings nichts, und waren nach zwei Stunden so hungrig, dass wir in einen Laden gingen wo wir statt Kuchen belegte Baguettes aßen. Hier saßen wir lange, und dann war es auch schon wieder Zeit, zum Flughafen zu fahren. Tja, ich habe also nicht so richtig viel gesehen von Kopenhagen, kann aber sagen, dass es eine sehr nette und gemütliche Stadt ist. Hier muss ich mal im Sommer wieder hin! Die nächste Adventsaktion war dann Lucia am 13.12., nähere Beschreibung der Tradition in meinem Bericht vom Dezember 2006. Am Abend waren wir bei einem Konzert in einer Kirche, was sehr nett war. Ich finde einfach, dass Lucia so ein wahnsinnig stimmungsvolles Fest ist, die Kirche ist nur durch Kerzenlicht erhellt, und dazu diese wahnsinnig ergreifende Chormusik - schön! Heute hatten wir dann zu elft ein Treffen bei Maria und Samuel. Und da hat sich bei mir zum ersten Mal richtig Weihnachtsstimmung eingestellt, denn die beiden hatten einen geschmückten Baum i
m Wohnzimmer stehen. Wir haben erst gefrühstückt, dann teilte sich die Gruppe wieder wie üblich in Männer und Frauen, was ich total lustig finde, und die Männer fingen an zu spielen (diesmal "Siedler"), und Maria und Elena fingen an, wie wild zu backen. Bald zog dann der Plätzchenduft durch die Wohnung, im Hintergrund spielte Weihnachstmusik, Glögg wurde gewärmt... Richtig schön und gemütlich war das! Schließlich verkündeten Katrin und Sascha noch, dass sie gestern heimlich geheiratet hatten, woraufhin wir dann also richtig was zu feiern hatten. Glückwunsch nochmal euch beiden :-)

