Nach

dem ich bereits 2005 ein paar Tage in Cornwall war und es fantastisch fand, obwohl Dezember war, habe ich mir gedacht, dass es mal wieder Zeit wird, dort Urlaub zu machen. Nach einiger Recherche im Internet habe ich mir also ein Cottage gebucht in Wadebridge, ca. 12 Kilometer von der Nordküste entfernt. Ca. 4 Wochen, bevor es losging, hat sich dann Simone noch spontan entschieden, mich ein paar Tage zu begleiten. Und so startete ich am 1. Mai und flog von Stockholm mit SAS nach London Heathrow, fuhr nach London rein und bestieg am Paddington Bahnhof einen Zug nach Newquay in Cornwall. Dort kam ich abends bei Nieselregen an und bezog für diese erste Nacht ein Bed&Breakfast. Das Wetter klarte auf, die Sonne kam hervor und ich machte einen Spaziergang durch Newquay. Der Ort ist bekannt für seine erstklassigen Surfstrände – aber lockt scheinbar auch massenweise Leute, die hier Junggesellen/innen-Abschiede feierten. Um 20:30 war der Ort also schon bevölkert mit besoffenen, grölenden Männer- und Frauengruppen, die auch noch d

azu verkleidet waren. Scheint in England wirklich beliebt zu sein...
Der Samstag war dann supersonnig, der perfekte Urlaubsauftakt. Ich spazierte erst wieder durch Newquay, saß dann eine ganze Weile auf einer Klippe und ließ mir von der Sonne die Nase verbrennen – und dann kam die erste Herausforderung. Ich hatte nämlich einen Mietwagen gebucht, und das ist in Britain für mich natürlich eine dreifache Herausforderung: 1. fehlt mir die Praxis, da ich ja in Stockholm nie fahre, 2. haben die natürlich Linksverkehr und 3. verdammt enge Straßen. Etwas zittrig setzte ich mich also hinters Steuer und fuhr los. Ich schaffte es in einen Nachbarort und war sehr froh, dass ich dort unbeschadet ankam. Nach einer Pause fuhr ich dann wieder nach Newquay, um Simone am Bahnhof einzusammeln. Die durfte dann auch gleich das Steuer übernehmen, wir kauften ein und fuhren dann zu unserem Cottage. Wegen Bauarbeiten hatte ich einen Tag vor Abreise auch noch ein Upgrade von einem 4-Personen-Haus auf ein 7-Personen-Haus bekommen, und wir waren sehr zufrieden, als wir uns umsahen. Sehr geräumig, und vor allem sehr geschmackvoll eingerichtet (abgesehen von den Deko-Herzen, die überall rumhingen) und mit Kamin. Hier konnten wir es aushalten! Am Sonntag fuhren wir nach Padstow, einem Fischerort, der zwar nett, aber

viel zu überlaufen mit Touristen war. Weiter ging es dann nach Tintagel, der Legende nach dem Sitz von King Arthur und seinen Rittern der Tafelrunde. Bei strahlendem Wetter kraxelten wir durch die Ruinen und waren schon recht beeindruckt von der Anlage. Weiter ging es dann zum Wasserfall St. Nectan's Glen. Nachdem wir den Wasserfall dann angesehen hatten, der jetzt auch nicht so wahnsinnig spektakulär war, fanden wir heraus, dass es dort angeblich spukt, und dass viele spirituell angehauchte Leute zu diesem Ort pilgern. Das erklärte auch die ganzen Zettel mit Wünschen, Bänder oder andere Dinge, die die Leute rund um den Wasserfall in Bäume und Büsche gehängt hatten, und auch die Frau, die einen Joint rauchend meditierend im Schneidersitz in der Nähe des Wasserfalls gesessen hatte... Etwas abgefahren, das Ganze.
Am Montag war es bewölkt, und so fuhren wir zum Eden Project. Hierbei handelt es sich um eine Art botanischer Garten, und in den größten Gewächshäusern der Welt wird einmal tropisches Klima und einmal Mittelmeerklima simuliert. Leider war das Ganze etwas sehr touristisch und themenparkmäßig aufgemacht, und wir waren ziemlich enttäuscht – besonders, weil der Spaß 16 Pfund Eintritt gekostet hat, was absolut gar nicht gerechtfertigt war. Amüsiert haben wir uns auch köstlich darüber, wie Kindern erklärt wird, wozu man die unterschiedlichen Pflanzen nutzt. Mit Vanille macht man Pudding, mit Zimt Kuchen, Bananen verwendet man für Banana Split (!!!!), aus Ananas wird Pizza Hawaii (!!!!!!) und um den Cola-Baum herum war Coca-Cola-Werbung in diversen Sprachen ausgestellt. Doch, doch, ernährungswissenschaftlich ist alles sehr lehrreich aufbereitet dort...
Dann sind wir weiter nach Fowey an der Südküste, was sehr nett war, besser als Padstow auf jeden Fall und nicht so überlaufen. Zum Abendessen fuhren wir nach Bodmin, wo wir in einem ehemaligen Gefängnis essen waren, nachdem wir uns die Ausstellung angesehen hatte (puuuh, wie gut, dass man heute lebt, und nicht zu Zeiten, wo Kinder eingesperrt wurden, weil sie beim Bauern ein paar Eier geklaut hatten...). Zuhause machten wir es uns dann gemütlich, und schmissen den Kamin an, was zwar etwas Mühe und Zeit kostete, uns aber schließlich gelang. Herrlich!
Am Dienstag sah das Wetter wieder nicht so verlockend aus, grau verhangener Himmel, aber immerhin kein Regen – wir hatten nämlich für den Nachmittag eine Seekajak-Tour gebucht. So ließen wir uns ordentlich Zeit, bevor wir aufbrachen. Als wir schließlich den Treffpunkt mit unserem Guide Sam, eine Farm, erreichten, klarte plötzlich der Himmel auf und die Sonne kam raus. Sam drückte uns dann Neoprenanzüge in die Hand, Helme und Schwimmwesten und sagte, dass es schon sein könne, dass wir nass würden. Jaha, das hatten wir zwar so nicht erwartet, aber gut... Wir hatten dann schon allein sehr viel Spaß damit, uns in die Neoprenanzüge zu quetschen, und waren sehr froh, als wir sie endlich anhatten. Gerade als ich feststellte, dass meiner auf links war, kam Sam, lachte und sagte fröhlich ”die Reissverschlüsse müssen nach hinten, dann passen die Anzüge auch besser!” Na toll, wurden wir direkt als unfähige Stadtmädels bloßgestellt... Also, die ganze Prozedur noch mal... Endlich fertig ausgerüstet fuhren wir dann im Jeep von der Farm nach Port Quin, einem ”Ort” mit 5 Häusern in einer Bucht. In dieser Bucht sollten wir also paddeln gehen. Wir hatten das Glück,

dass sich ausser uns niemand zu der Tour angemeldet hatte, so dass wir Sam ganz für uns hatten. Als wir die Kajaks zu Wasser ließen war es wieder bewölkt, aber sobald wir die ersten zögerlichen Paddelversuche machten, kam die Sonne heraus. Und dann hatten wir zwei unvergessliche Stunden auf den Wellen, mit dem Wind um die Nase, der Sonne im Gesicht, dem Wasser unter uns, das in unglaublichen Grün-, Blau- und Türkistönen schimmerte. Sam sagte, dass wir ziemlich heftige Bedingungen hatten, da es eben sehr windig und rau war mit hohem Wellengang; wir konnten also nicht weiter raus, sondern blieben in der Bucht, aber es war fantastisch; eine der besten Erfahrungen, die ich je gemacht habe. Und ich stellte mir die Frage, warum ich es in 3 Jahren Stockholm noch nie geschafft habe, mir mal ein Kajak zu leihen??? Da das Wasser so verlockend aussah, ließ ich mich sogar dazu hinreißen, ”baden” zu ge

hen. Eben im Neoprenanzug. Aber schön war es trotzdem. Dieser Nachmittag wurde somit zum Highlight des Urlaubs, und glückselig fuhren wir im Jeep zurück auf die Farm. Sam empfahl uns nun den Ort Port Isaac wo wir am Hafen eine perfekte heiße Schokolade mit Marshmallows tranken. Außerdem sahen wir ein Filmteam bei Dreharbeiten – vielleicht ein neuer Rosamunde Pilcher-Film??
Mittwoch war wieder bewölkt und grau, aber da es nicht regnete machten wir einen Spaziergang an der Küste entlang auf dem Coast Path. Dieser Wanderweg geht über 630 Meilen an der Küste Südwestenglands lang und ist es immer wert, erkundet zu werden. Weiter ging die Fahrt zu einem Leuchtturm, aber es war so windig und ungemütlich, dass wir es nicht lange draußen aushielten. Schließlich kehrten wir dann ein in ein Café, um English Cream Tea zu futtern. Das sind Scones mit Clotted Cream (einer Mischung aus Butter und Sahne) und Marmelade und eben Tee dazu. Mjamm. Da uns dann nichts mehr einfiel, entschieden wir uns, uns einen faulen Nachmittag auf unseren Sofas zuhause zu machen. Gegen Abend kam dann noch die Sonne hervor, so dass wir noch mal durch unsere Nachbarschaft spazierten, was ganz idyllisch war. Donnerstag war frühes Aufstehen angesagt, da Simone um kurz nach acht schon ihren Zug nehmen musste nach London. Ich habe sie zum Bahnhof gefahren und schweren Herzens verabschiedet. Immerhin sah das Wetter wieder besser aus und wurde dann auch recht sonnig, mit einigen bewölkten Perioden – so ist das eben an der See. Ich fuhr an die Südküste nach Looe, spazierte durch die Stadt, um dann schließlich knapp 2 Stunden lang auf dem Coast Path zu laufen. Interessant, dass die Landschaft an der Südküste sich doch so sehr von der Nordküste unterscheidet. Die Nordküste hat steile Klippen mit meist nur Gras, ist rau, windig, und das Meer wild; die Südküste hat viel mehr Vegetation, die Hügel sind sanfter, und das Meer gluckert friedlich vor sich hin. Weiter ging es für mich dann nach Polperro. Ein eigentlich niedlicher Ort, aber auch komplett überlaufen. Also wich ich auch hier auf den Coast Path aus und genoss dort die Stille und die Natur. Wirklich sehr nett. Dann fuhr ich wieder an die Nordküste nach Perranporth, einem der längsten Strände in Cornwall, allerdings wohl nur bei Ebbe. Ich kam bei Flut an, konnte aber ein paar hundert Meter am Strand spazieren gehen, den Surfern zusehen und einmal in die Dünen klettern. Dann hat es angefangen zu regnen, aber nach einer Viertelstunde war wieder strahlender Sonnenschein. Da ich noch keine Lust hatte, nach Hause zu fahren machte ich noch mal Zwischenstopp in Newquay, und ging dort am Fistral Beach spazieren; einem der Surf Hotspots. Schon lustig zu sehen, wie die schwarzen Punkte da draußen in der Brandung nebeneinander herdümpeln und auf eine gute Welle warten.
Am Freitag, meinem letzten Tag in Cornwall, hatte ich perfektes Wetter. Ich fuhr noch einmal nach Port Quin, was mich vor ein paar Tagen so beeindruckt hat. Diesmal war Ebbe, und ich ging zu Fuß in die Schmugglerhöhlen, in die ich vor ein paar Tagen noch gepaddelt bin. Komisch, das mit Ebbe und Flut. Welch Höhenunterschiede! Dann machte ich eine fantastische Wanderung auf dem Coast Path nach Port Isaac; ca. 3,5 Meilen. Der Wind brauste

mir um die Ohren, die Sicht war frei, der Himmel knallblau, das Meer, die Wellen... Ich sprudele fast über vor Glück – manchmal braucht es so wenig... Ich drehte den iPod auf und sang alle meine Lieblingslieder aus vollem Hals, mich hörte ja schließlich keiner. Ein wunderbares Gefühl. Dann lag ich an einer windgeschützten Stelle im Gras, sah unter mir das Meer, über mir den Himmel. Kann es etwas besseres geben? Und warum kann man Momente nicht für immer festhalten...
Irgendwann kam ich dann doch in Port Isaac an und gönnte mir noch einmal so eine nette heiße Schokolade am Hafen. Zurück nach Port Quin ging es dann über eine Abkürzung über Felder und Wiesen und an friedlich grasenden Kühen vorbei. In Port Quin saß ich dann noch anderthalb Stunden über dem Meer und konnte mich nicht loseisen. Ein perfekter Platz auf Erden... Leider wurde es irgendwann zu kühl, und so fuhr ich dann doch schweren Herzens ins Cottage. ”Ich mach nochm

al Feuer” dachte ich mir und legte los. Diesmal funktionierte es noch schlechter, und als ich alle Streichhölzer verbraucht hatte, gab es nur noch eine Chance, das Glimmen eines Holzscheites in Feuer zu verwandeln. Meinen Fön. Man muss sich nur zu helfen wissen (okay, natürlich verteilte sich Asche im ganzen Wohnzimmer, aber egal, was tut man nicht alles für ein bisschen Romantik...). Es funktionierte richtig gut, und das Feuer hielt dann tatsächlich mehrere Stunden, schön war das.
Am Samstag brauchte ich irgendwie doch mehr Zeit als geplant, um morgens alles fertig zu machen. Als ich schließlich loskam waren es noch anderthalb Stunden bis mein Flieger gehen sollte. Da ich den Mietwagen mit so wenig Sprit wie möglich abgeben sollte und generell ein sehr optimistischer Mensch bin, hatte ich nicht mehr besonders viel Benzin im Tank. Die Anzeige sagte, dass der Sprit noch für 20 Meilen reichen sollte. Bis zum Flughafen waren es ungefähr 15 Meilen. Sollte also gerade so gehen. Ich fuhr los, und ziemlich schnell ging die Anzeige runter... Ich fuhr also so spritsparend wie möglich, ließ mich viel rollen und raste nicht. Was auch wiederum etwas risky war, da ich ja schon knapp dran war... Irgendwann kam ich an einen Kreisverkehr – und der Flughafen war nicht mehr ausgeschildert. Shit, ich hatte die Ausfahrt verpasst! Also fuhr ich zurück, und als das Schild ”Flughafen 4 Meilen” auftauchte, ging meine Tankanzeige auf 5 Meilen runter. Und der Wagen fing leicht zu stottern an, oder so bildete ich es mir ein... Und auf einmal tauchte eine Tankstelle a

uf, puuuh, meine Rettung. Also tankte ich 3 Liter (was mich natürlich wiederum 5 Minuten kostete) und raste dann wie eine Bekloppte zum Flughafen (noch 12 Minuten, bis der Check-In schließt, sagte meine Uhr). Dabei kippte meine Tasche vom Beifahrersitz. Am Flughafen angekommen raffte ich meine Sachen zusammen, und düste im Eiltempo zum Check-In. Da waren noch lange Schlangen, also alles ganz entspannt, puuuuh.... Als ich dann durch alle Sicherheitskontrollen durch war, wollte ich mein Handy ausstellen. Nicht da... Klar, ist beim Taschen-Sturz im Auto rausgefallen und liegt da noch... Naja, muss ohne gehen. (Europcar hat es gefunden und schickt es mir zu). Der Flug von Newquay nach London ging fix, und ich kam Samstag Mittag im Hotel an und hatte nun bis Montag Nachmittag Zeit, London zu erkunden. An allen Tagen hatte ich strahlenden Sonnenschein. Ich ließ

mich durch die Innenstadt treiben, spazierte durch die Wohnviertel Camden, Primrose Hill, Hampstead und Highgate, und machte auch den Touriweg von London Bridge bis London Eye an der Themse lang. Da am London Eye keine Schlange war, und das Wetter so gut, investierte ich in eine Fahrt. Aber ich muss sagen, dass London mich nicht sonderlich beeindruckt. Die Wohnviertel sind toll, aber die Innenstadt ist so wahnsinnig voll mit Menschen, es sind überall nur Straßen, nur Gebäude, es ist riesig und unübersichtlich. Nee, andere Städte liegen mir mehr; oder man muss London eben mit jemandem entdecken, der sich gut auskennt. Immerhin war ich am Samstagabend sogar tanzen in einem Club; die Musik war spitze, aber das Publikum - wie von Stockholm gewohnt - zu jung.

Ja, das war mein Urlaub. Ich kann sagen, dass Cornwall für mich das Paradies auf Erden ist - landschaftlich echt ein Traum. Da merke ich wieder, dass mir das offene Meer fehlt in Stockholm, aber ich will mich mal nicht beschweren, immerhin gibt es Meerwasser hier. Dann mag ich auch einfach die Art der Briten. Sie sind in meinen Augen sehr offen, und haben immer ein freundliches Wort auf den Lippen – das mag ich extrem. Man kommt leicht mit Fremden ins Gespräch; und sowas ist in Stockholm nicht so alltäglich. Sollte ich also irgendwann mein geliebtes Schweden verlassen, wäre England ein heißer Anwärter auf den Platz :-)