Sonntag, Juni 28, 2009

Ein Mittsommernachtstraum

Es ist Juni, und das bedeutet: Mittsommer! Für mich auch im dritten Jahr das ultimative Jahreshighlight, auf das ich seit ungefähr Juli 2008 hingefiebert habe... Dieses Jahr waren 11 Deutsche und 2 Schweden zum großen Ereignis angemeldet. Aus der alten Truppe waren Simone, Micha, Maria, Samuel und ich dabei, und dann hatten wir noch Wiebke rekrutiert, die ja quasi Stockholmerin ist inzwischen und fast mehr hier ist als in Hamburg. Weiterhin kamen noch die 4 ganz entzückenden Kerlchen Michael, Bertram, Janis und Thorsten, die Micha vor ein paar Monaten kennen gelernt hat, Simones Freundin Anina und schließlich Andreas, ein Bekannter von Samuel, mit seiner deutschen Freundin Anna. Am Donnerstag nach der Arbeit fuhren Simone, Micha, Wiebke, Maria, Samuel und ich schon los und erledigten den Rieseneinkauf für alle. Wir Mädels saßen in einem Auto, und als wir auf der Autobahn an einem Auto vorbeifuhren, sagte Wiebke nur ”Boaaah, habt ihr den tätowierten Arm des Fahrers gesehen???!!!” Hatten wir nicht, und als uns das Auto überholte und die Typen interessiert bei uns reinguckten konnten wir auch nichts sehen – falsche Seite. So musste Simone nochmal wieder an den Jungs vorbeifahren, so dass wir den tätowierten Arm des Fahrers begutachten konnten und nebenbei mal fröhlich rüberwinkten, was die Jungs deutlich begeisterte. Es folgte ein gegenseitiges Überholen und Winken, und bald merkten wir, dass noch ein zweites Auto zu den Typen gehörte. Beide Autos fuhren auf einen Parkplatz und hofften wohl, dass wir mitkämen, aber den Gefallen taten wir ihnen nicht. Es dauerte nicht lange, bis eines der Autos wieder neben uns auftauchte – mit einem Pappschild mit einer Telefonnummer drauf im Fenster. Gott, was haben wir gebrüllt vor Lachen. Wiebke konterte mit einem Pappschild mit ihrer Nummer drauf. Die Anrufe der Jungs ignorierte Wiebke, und als sie per sms nachfragten, wohin wir auf dem Weg waren, log Wiebke bezüglich unseres Ziels und wünschte ihnen abschließend ein schönes Mittsommer. Lustig! Am Freitag war es dann endlich soweit. Wir Mädels fingen an, Essen zuzubereiten, während Micha und Samuel in der Scheune aufräumten und die Musikanlage aufbauten. Die Wettervorhersage für den Tag war mäßig und tendenziell auf Regen ausgerichtet. Gegen 14 Uhr kamen Michael, Janis und Anina angefahren, und die 4 Jungs brachen auf, um einen Baum zu erlegen. Und wieder einmal musste der natürlich größer und höher als letztes Jahr sein. Es kostete die Jungs erst doch einige Mühe, den Baum zu Fall zu kriegen, und als er fiel, blieb er erstmal schön im Nachbarbaum hängen. Herrlich. Nachdem der Baum dann doch endlich bei Ulrikslund auf der Wiese lag wurde gebaut, gebastelt und geschmückt, und wir Mädels fingen an, im Nieselregen Blumen für unsere Kränze zu sammeln. Schließlich trudelten auch die anderen ein, der wahnsinnig beeindruckende Baum wurde aufgerichtet, wir bastelten unsere Kränze, und da es aufgeklart hatte, bauten wir mutig das Buffet im Garten auf. Aber als wir die dunklen Wolkenberge sahen und die ersten Tropfen fielen, zogen wir doch alles um in die Scheune, wie von vornherein geplant. Nach dem Essen fingen Wiebke, Micha und ich in einer Regenpause an, zur Musik um unseren Mittsommerbaum zu tanzen. Nach und nach gesellten sich die anderen zu uns, und so nutzen wir die Gelegenheit, das traditionelle ”Små Grodorna” um den Baum zu tanzen. Auch spielten wir wieder ”Björnen sover”, was wie letztes Jahr in wildes Gekreische und Gekichere ausartete. Sehr lustig. Da sich das alles jedoch wie von selbst ergab, gab es keine Gelegenheit, das Ganze auf Video aufzunehmen, sehr schade :-) Schließlich stellten wir uns auf Bauer Karlssons Feld zum Gruppenfoto auf, und dann fing es wieder leicht zu regnen an. Das sollte aber Wiebke und mich nicht davon abhalten, vor der Scheune zu tanzen anzufangen – hej, es ist Mittsommer, da will man doch draußen sein! Als der Regen stärker wurde, drückte uns jemand Regenschirme in die Hand – so ließ es sich aushalten. Schließlich löste Janis Wiebke ab, tanzte mit mir und beschwerte sich, dass ich meinen Schirm so hielt, dass der ganze Regen in seinen Kragen lief. Zum Glück wurde der Regen schwächer, und so machte der ein oder andere mit. Dann kam jemand auf die Idee ”Biene Maja” aufzulegen, was zu meinem Entsetzen dazu führte, dass im Prinzip alle tanzten und wild singend durch die Gegend hüpften. Sogar eine Polonaise wurde dargeboten. Also nee, Leute, was habt ihr eigentlich für einen Geschmack?? Im Anschluss kamen wir Mädels auf die Idee, die Jungs beim Kubb-Spielen herauszufordern. Das war natürlich kein wirklich guter Einfall, weil wir nicht mal die Regeln verstanden, so dass uns die Jungs immer sagen mussten, was wir machen sollten. So verloren wir dann natürlich auch kläglich. Es wurde langsam dunkler und kühler, und so begann nach den ganzen Aktionen der vergangenen Stunden der gemütlich Teil des Abends: wir versammelten uns um die Feuertonne und tranken, redeten, lachten, lachten und lachten. Irgendwann verschwanden unsere beiden Schweden Samuel und Andreas, um etwas in der Scheune zu ”diskutieren”, und als sie nach ca. einer Stunde wieder auftauchten, konnten sie nicht mehr gerade gehen. Samuel verlor mehrere Male das Gleichgewicht und wollte dann wohl Micha seine Zuneigung zeigen und stürzte sich auf ihn. Das führte dazu, dass der Plastikstuhl unter Micha zusammenbrach und beide Jungs zu Boden gingen. Das verschaffte Micha zwar eine geprellte Rippe, aber wir konnten noch froh sein, dass kein Plastikteil in ihm steckte, als er stöhnend wieder aufstand. Sehr lustig aber, das Ganze, und so typisch. Auch die Deutschen hatten ordentlich getrunken, aber im Prinzip nur Bier. Keinem merkte man etwas an, nur die beiden Schweden waren völlig hinüber. Ach so, und meine liebe Wiebke war auch ordentlich angetütert, sehr zum Amüsement aller Anwesenden. ”Großes Kino”, möchte ich jemanden zitieren. Samuel war auch nach seinen diversen Stürzen noch guter Dinge und motivierte uns, mitten in der Nacht eine weitere Runde ”Små Grodorna” und ”Björnen sover” um den Baum zu tanzen. So geschah es. Dann saßen wir noch bis 4 Uhr ums Feuer und quatschten und amüsierten uns. Wie jedes Jahr hatte ich schweigend 7 Blumen gesammelt, und diesmal ohne Plastiktüte unter mein Kopfkissen gelegt. Vielleicht war das die letzten Jahre das Hindernis gewesen, denn dieses Jahr funktionierte die Sache, und ein Typ tauchte in meinem Traum auf. Details dürfen aber leider nicht verraten werden! Und so ging ein fantastischer Tag zuende. Für mich ist es noch immer jedes Jahr wieder so, dass ein Traum wahr wird. Ich habe selten in meinem Leben so viel Spaß gehabt, wie an diesem Tag und in dieser Nacht, und das wird mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Und weil es so schön war und es vor allem am nächsten Tag richtig sonnig wurde, sind Simone, Micha, Wiebke, Bertram, Janis, Thorsten und ich sogar noch bis Sonntag auf Ulrikslund geblieben, und haben noch eine zweite Nacht mit verrückten Geschichten am Lagerfeuer verbracht. Immer schön, wenn ein wild zusammengewürfelter Haufen Menschen auf einmal zu einer Gruppe wird und so viel zu lachen hat. Leute, ich hoffe, es gibt noch öfter mal die Gelegenheit zu solchen Zusammenkünften; der Sommer hat ja gerade erst angefangen!

Dienstag, Juni 09, 2009

Jesus 2.0

Neulich an der Bushaltestelle. Eine knallgelbe Visitenkarte ist an den Fahrplan gesteckt, und die Worte ”Jesus älskar Sverige” = ”Jesus liebt Schweden” springen mir ins Auge. ”Super!” denke ich ”da haben Jesus und ich ja zum ersten Mal was gemeinsam!” und meine Neugier ist geweckt – warum liebt denn der Jesus Schweden? Hat er auch so viele Inga Lindström-Filme gesehen wie ich? Mag er Elche und klaut deswegen in Småland Verkehrsschilder? Ist er verrückt nach dem Nordlicht oder den langen Sommernächten? Hat er zuhause Billy-Regale und shoppt er gern bei H&M? Ist ABBA seine Lieblingsband? Träumt er wie ich von einem roten Holzhaus? Oder steht er auf blonde Schwedinnen in knappen Röcken oder Schweden mit gegelten Haaren und Einstecktüchern? Oder verbindet Jesus und die Schweden die Vorliebe für Roséwein? Ich schnappe mir die Karte und lese: ”Gott hat dich erschaffen. Gott liebt dich, und Er sucht die Gemeinschaft mit dir. Alle haben gesündigt. Du hast gesündigt, und der Lohn für Sünde ist der ewige Tod. Nur Jesus Christus kann dir deine Sünden vergeben und dir ewiges Leben schenken. Nur Jesus kan dich aus der Hölle ins Himmelreich retten. Gottes Gabe an dich durch Jesus Christus ist Gemeinschaft mit Gott und ewiges Leben. Ewiges Leben oder ewiger Tod – das ist deine freie Entscheidung. Was sagst du? Willst du Jesus Christus zur Vergebung der Sünden empfangen und ewiges Leben als Geschenk erhalten? Willst du alles von Gott vergeben bekommen? Heiße Jesus in deinem Leben willkommen! Gott liebt dich. Glaube, bekenne, folge und liebe Jesus Christus! Für weitere Anleitung – lies die Bibel und kontaktiere eine christliche Kirche.” Und schließlich der Hinweis auf eine Internetseite, die sehr originell http://www.helig.com/ (helig = heilig) heisst. Nee, is' prima, dass auch Jesus und Gott sich dem Fortschritt nicht verschließen und mit Visitenkarten und einer Internetseite auf sich aufmerksam machen. Ich frage mich, ob Jesus auch schon bei Facebook ist oder man bei XING seinen Lebenslauf sehen kann. Oder vielleicht hat Gott eine Webcam, dann könnte man mal mit ihm skypen und einen Blick in den Himmel riskieren, um zu checken, ob das überhaupt so erstrebenswert ist - oder ob es in der Hölle nicht vielleicht doch lustiger ist, weil man da ja schließlich eh alle seine Freunde wiedertrifft...?