Wie angekündigt war ja Wiebke neulich da. Sie hat nicht wirklich viel von mir gehabt hier in Stockholm, weil ich abends erst zwischen 20 und 21 Uhr nach Hause kam, aber wir hatten ja 4 freie Tage zusammen vor uns. Am Freitag, den 02.06., sind wir also abends in Richtung Westen aufgebrochen, landeten aber natürlich erstmal im Stau, bis wir aus Stockholm raus waren. Ausserdem stellten wir fest, dass in Schweden alles ziemlich beschissen ausgeschildert ist... Wiebke hatte noch in Stockholm 2 Plüsch-Schweinemasken entdeckt, die wir auf unsere Fahrt mitgenommen hatten. Ich frage mich nur, warum Wiebke es gar nicht lustig fand, dass ich meine Maske während der Fahrt aufsetzte und sie immer aufforderte, die anderen Autos zu überholen. Sie nahm mir die Maske schliesslich weg... In der mittelschwedischen Stadt Örebro haben wir dann eine Zwischenübernachtung eingelegt. Ich habe mal wieder die Vorteile meines Berufes ausgenutzt, und so konnten wir günstig im Best Western Hotel wohnen. Am nächsten Tag ging es dann weiter auf die grösste schwedische Nordseeinsel Orust, unser Ziel. Die Sonne schien, das Meer glitzerte, die Laune war blendend - jetzt fehlte uns nur noch eine Unterkunft. Also sind wir im Hauptort der Insel, Henån, in die Touri-Info und haben nach einer Hütte gefragt. Wir wollten am liebsten in den Süden der Insel, in den Ort Mollösund. Aber da gab es nix, und die eigentliche Hüttenvermittlung hatte auch schon geschlossen. Dann fragten wir nach Hotels und Pensionen in Mollösund, und schliesslich hatte eine Pension dort noch ein Zimmer frei - mit Balkon. Die Pension hatten Wiebi und ich auch schonmal im Internet gesehen, es sah sehr nett aus. Ich hatte selber auch vor ein paar Wochen angerufen, aber da war alles ausgebucht. Umso besser, dass jetzt was frei war! Der Spass sollte allerdings umgerechnet 85,- € die Nacht fürs Zimmer kosten. Trotz geteiltem Bad und obwohl es nicht mal Frühstück gab. Halsabschneider! Egal, man gönnt sich ja so

nst nix. Wieder auf dem Weg

zum Auto kamen wir an einem Wagen vorbei, der mir sehr bekannt vorkam... Fux-Reisen, Kieler Kennzeichen... Das ist doch...! Tonja, meine ehemalige Kollegin von Gebeco, die mit ihrem Freund auch im April auf eine schwedische Insel, allerdings weiter nördlich, gezogen ist! Zufälle gibt's! Ich rief natürlich sofort bei ihr an (wie schön, ein Handy zu haben), musste aber erfahren, dass sich nur Tonjas Vermieter den Wagen geliehen hatten und nicht sie selber gerade auf Orust war. Nach der kleinen Aufregung sind Wiebke und ich dann nach Mollösund aufgebrochen Also sind wir hin und haben unser Zimmer bezogen, das weissen Dielenboden hatte und uns damit zu Entzückungsschreien und Begeisterungsjaulen veranlasste. Überhaupt war die ganze Pension äusserst geschmackvoll eingerichtet. Richtig schön schwedisch und richtig schön zum neidisch werden. Aber so idyllisch sollte es nicht bleiben... Unsere Vermieterin hatte erzählt, dass ausser uns noch 3 Mädchen in der Pension wohnten und ein Typ aus Stockholm, der zum Golfen auf der Insel ist. Irgendwas muss ich da falsch verstanden haben, denn als wir am ersten Abend nach Hause kamen, war die Küche bis obenhin voll mit ca. 12 jungen, schleimigen (Polohemd mit hochgeklapptem Kragen) Golfertypen. Ein Blick in den einen Kühlschrank sagte uns: hier geht heute noch was. Bier ohne Ende. Und richtig, die Jungs feierten eifrig bis mitten in die Nacht. Und immer wenn einer ins Bad ging, rumste die Tür, so dass Wiebi und ich nicht wirklich zu Schlaf kamen. Irgendwann musste auch ich mal und stellte fest, dass man die Tür wirklich nicht leise zumachen konnte. Als ich wieder aus dem Bad rauskam, stand plötzlich einer der Jungs nur in Unterhose vor mir und fragte mich, ob ich Zahnpasta für ihn hätte. Nett wie ich bin habe ich natürlich meine Kulturtasche hergekramt und eine gute Tat vollbracht, statt ihm eine reinzuhauen, weil er und seine Kumpels so einen Krach machen. Naja, wenn ich nicht so schlaftrunken gewesen wäre, hätte ich mich vielleicht an seinem knackigen Anblick noch etwas erfreut, aber ich schlurfte in meiner Schlafanzughose und Kapuzenpulli wieder zurück ins Bett.
Ach, was hatten Wiebi und ich einen Spass, weil wir so über die Kerlchen lachen konnten, wie sie so mit ihren Gelfrisuren und Polohemden in Papis Kombis morgens zum Golfen fuhren... Lustig waren auch die beiderseitigen Versuche, ein Gespräch anzufangen. Aber wenn man mal so zufällig zusammen in der Küche steht, hat man ja das Gefühl, dass man sich irgendwie unterhalten muss, und so brachte ich den wahnsinnig intelligenten Satz "Ihr spielt wohl Golf, oder?" über die Lippen, der am nächsten Tag allerdings noch dadurch getoppt wurde, dass einer der Jungs zu mir sagte "Ihr habt wohl einen Balkon, was?". Jaja, das waren schon sehr aufschlussreiche und tiefsinnige Gespräche, die wir so miteinander führten. Den Knaller brachte ich allerdings, als Wiebke und ich eines

morgens unser Zimmer verliessen und just in dem Moment einer der Jungs nur mit einem Handtuch um die Hüften aus dem Bad kam. Ich habe ihn von oben bis unten gemustert, gelächelt und "bra!" gesagt, was "gut!" bedeutet - Wiebke wäre vor Entsetzen fast die Treppe runtergefallen, während der Typ etwas irritiert grinste, so als würde er denken "Oh Gott, was hat die lüsterne Oma denn mit mir vor?", und schnell in seinem Zimmer verschwand. Naja, auf Deutsch hätte ich die Bemerkung vielleicht noch etwas ausformuliert und "Oh, das sind ja nette Anblicke am frühen Morgen" gesagt, aber auf Schwedisch brachte ich nur diese wenig geistreiche Bemerkung zustande. Abgesehen von dem Spass mit den Jungs haben wir in den Tagen sehr viel Glück mit dem Wetter gehabt. Es war sonnig, der Himmel blau, die Fischerorte traumhaft schön, aber es blies ein manchmal recht frischer Wind. Egal, es war wirklich Erholung pur. Ich habe es sogar geschafft, nicht an die Arbeit zu denken. Samstag waren wir auf Orust
unterwegs, Sonntag haben wir einen Ausflug auf ein

e Nachbarinsel gemacht und am Montag sind wir mit der Fähre rübergesetzt auf die Insel Gullholmen/Härmanö. Während wir so am Kai sassen, Eis schleckten und die Gesichter in die Sonne hielten, stellte Wiebke fest: "Mit den Beinen zu baumeln ist ein Lebensgefühl". Oh ja, wie wahr! Schliesslich verliessen wir den Ort und machten uns auf ins inseleigene Natursch

utzgebiet, wo wir über Steine, Felsen und die für die Westküste so typischen Klippen kletterten. Zwischendurch fühlten wir uns wie Eroberer (mit Handtaschen...), während wir so von Stein zu Stein hüpften, über Felsspalten kletterten und uns durch Gebüsch und Gestrüpp schlugen. So gaben wir uns schliesslich die Namen "Wiebke Royal Scott" und "Yvonne Earl Amundsen", spielten Exped

ition und erklommen den durch einen Steinhaufen markierten höchsten Punkt auf Lilla Härmanö. Leider waren wir nicht die ersten Menschen an diesem Ort, irgendwer hatte nämlich seine leere Weingummi-Tüte zurückgelassen, was darauf schliessen liess, dass die Zivilisation schon vor uns hier war.
Am Abend erholten wir uns von den Strapazen auf unserer Terasse und ich liess mich dazu verleiten, mehrmals an Wiebkes Zigarette zu ziehen, was zu einigen Hustenanfällen führte. Huuuu, ich kleiner Rebell. Was andere mit 14 ausprobieren, wollte ich wenigstens nochmal vor meinem 30. Geburtstag testen ;-)
Alles in allem waren es schöne und erholsame Tage, und ich kann nur sagen, dass Orust ein Paradies ist. Ich hoffe, meine Fotos beweisen es ein bisschen...