Montag, Dezember 15, 2008

Eine deutsche Lucia...

Und jetzt komme ich zu meinem ganz persönlichen Lucia-Highlight. Vor ungefähr 3 Wochen kam meine Kollegin Anna-Maria zu mir und sagte: „Wir würden bei der Arbeit gerne einen Luciazug machen und wollten dich fragen, ob du mitmachen willst. Und zwar als Lucia.“ Ich konnte meinen Ohren fast nicht trauen, ich, die Deutsche als Lucia? Der Traum eines jeden schwedischen Mädchens? Und dann sagte Anna-Maria noch „Die Lucia muss auch nicht singen“ Aha. Also eher Beleidigung als Kompliment??? Nein, Anna-Maria wollte nicht meine Stimme beleidigen, sondern meinte es nur nett, da ich die schwedischen Lieder ja nicht kenne. Und so planten wir unseren kleinen Luciazug, zu dem auch noch meine beiden entzückenden Kollegen John und Kalle gehören sollten. Natürlich sollte alles traditionsgemäß laufen, mit entsprechendem Outfit und Zubehör. In einem Luciazug haben alle lange, weiße Gewänder an, die Lucia außerdem ein rotes Band um die Taille und natürlich den Lichterkranz auf dem Kopf. Die Sternknaben haben spitze weiße Hüte auf und einen Stern in der Hand, die Jungfern haben einen Silberkranz oder einen grünen Kranz auf dem Kopf und eine Kerze in der Hand. Ich besorgte die Gewänder für John, Kalle und mich, und Anna-Maria war zuständig für die restlichen Utensilien. Außerdem war sie unsere Supersängerin und sorgte bei unserer einzigen Probe dafür, dass sich das Ganze echt spitze anhörte. Da Lucia am Samstag war, verschoben wir unsere eigene Prozession auf heute. Und als ich zur Arbeit kam, sagte John als erstes „Anna-Maria ist krank“. Oh nein! Unsere Ausrüstung plus gesangliches Highlight – nicht da! Nun war improvisieren angesagt. Da ich ja glücklicherweise nur 2 Minuten von der Arbeit entfernt wohne, ging ich schnell wieder nach Hause und holte rotes Schleifenband und meine kleine Luciakrone aus Plüsch. Die hatte ich mir letztes Jahr kurz nach Weihnachten in einem Kinderladen gekauft, weil ich die so witzig fand und schon am Samstag auf dem Boot getragen. Heute kam sie nun richtig zum Einsatz. John und Kalle waren auch richtig kreativ. Sie hatten ja nun keine Hüte, aber unsere Maschinen haben innen ganz viele Plastikscheiben, an denen sich das abgeschiedene Öl ablagert. Und so haben John und Kalle einfach jeweils eine Plastikscheibe als Hut benutzt und sich Sterne aus Pappe gebastelt. Und so kam dann unser Auftritt, unsere Kollegen saßen in der abgedunkelten Küche bei Kerzenschein und Glögg und Pepparkakor, und wir kamen dann das Lucialied singend angeschritten. Dann haben wir noch zwei weitere Lieder gesungen (jaja, ich auch, ich lerne eben schnell), und bei einem hatte Anna-Maria vorher noch den Text abgeändert, so dass unsere Maschinen darin vorkamen, was für viele Lacher sorgte (leider auch bei mir, was dem Singen dann nicht so richtig zugute kam). Und dann war es auch schon vorbei, aber es war echt schön und nett, und wir wurden ordentlich gelobt von unseren Kollegen, natürlich mit dem schwedischen Wort „duktig“, was so viel heißt wie „tüchtig“ und von den Schweden bei jeder Gelegenheit ausgiebig benutzt wird. Also jedenfalls auch ohne Originalzubehör ein voller Erfolg :-)

Dezembertraditionen

Und wieder ist Dezember, und das bedeutet immer: Zeit für Lucia, meine schwedische Lieblingstradition. Wer schon wieder vergessen hat, worum es geht kann mal eben im Archiv im Dezember 2006 gucken, da habe ich relativ ausführlich beschrieben, was so passiert. Diesmal war der 13. Dezember ein Samstag, und unsere Freunde Katrin und Sascha sind anlässlich ihres ersten Hochzeitstages aus Essen angereist. Und so haben wir den Lucia nicht nur für das obligatorische Konzert genutzt, sondern auch für eine weitere schwedische Tradition, die aus der Vorweihnachtszeit nicht wegzudenken ist. Julbord. Bei diesem wörtlich übersetzten "Weihnachtstisch" handelt es sich um ein riesiges Buffet mit einer Million Leckereien, das im Prinzip von jedem Restaurant ab Mitte November angeboten wird. Sehr beliebt für Firmen und ihre Weihnachtsfeiern. Simone, Micha, Katrin, Sascha und ich machten uns dann Samstag Mittag mit dem Boot auf den Weg nach Vaxholm, eine Insel in den Schären. Dort gibt es eine alte Festung, und auf dieser kann man in uriger Umgebung Julbord essen. Auf dem Boot gab es zur Einstimmung Glögg und Pepparkakor, und auf der Festung wartete dann das Buffet. Man isst das Julbord in einer bestimmten Reihenfolge, und zwar fängt man an mit eingelegtem Hering an. Bei uns gab es 17 (!!!) verschiedene Sorten, sehr lecker. Dann geht es weiter mit anderem kalten Fisch, dann folgt kalter Aufschnitt wie Schinken in allen möglichen Variationen, Putenbrust, Elch, Ren und so weiter; dann geht man über zu den warmen Gerichten wie Rotkohl, "Janssons Versuchung" (Kartoffeln mit Anchovis), Würstchen (oder eben das, was die Schweden Würstchen nennen, nichts für Deutsche, kann ich sagen), und selbstverständlich Köttbullar, den berühmten Fleischbällchen, die alle von IKEA kennen. Und dann kommt natürlich das Beste, der Nachtisch. Dabei handelt es sich recht unterschiedlich um diverse Kuchen, Cremes, Obstsalat und was man sich sonst noch so denken kann. Nachdem wir also pappensatt waren und uns kaum mehr bewegen konnten, schleppten wir uns wieder aufs Schiff und fuhren in die Stadt zurück. Simone und Micha folgten dem Ruf ihres Sofas und machten sich auf den Weg nach Hause, Katrin, Sascha und ich trafen Elena, Torbjörn, Ger, Gustav und einen Freund von Torbjörn, um uns zusammen ein Luciakonzert anzusehen. Ich habe eine neue Kamera, und den Umgang damit noch nicht so richtig drauf, deswegen sind leider alle Fotos nichts geworden, und ihr müsst ohne auskommen...