Montag, September 21, 2009

...weil ich Paris nun mal so mag...

Als sich unsere perfekten Mittsommertage dieses Jahr dem Ende neigten, und wir selig in der Sonne lagen, erwähnte Bertram, unser Halbfranzose, dass er in Paris eine Wohnung hat. Und dass wir doch da bei Gelegenheit alle mal zusammen hinfahren könnten. Wow! Sowas hört man natürlich gerne, und ein paar Wochen später schlug er kurzerhand einen Termin vor. Simone, Micha, Janis, Thorsten, Maria, Samuel und ich zögerten nicht lange und buchten. So eine Einladung kann man schließlich nicht ausschlagen! Am Abreisetag zog Thorsten es vor, krank zu Hause zu bleiben, was schade war, aber wiederum das Schlafplatzproblem in Berts Wohnung löste. Es gab nämlich nur 5 Betten/Sofas (Maria und Samuel hatten sich in ein Hotel einquartiert). Bert war besonders traurig, da er sich seit Thorstens viel versprechendem Hello Kitty-Auftritt darauf gefreut hat, mit ihm in einem Bett zu kuscheln ;-) Samuel und Simone waren bereits beruflich in Paris (geschickt geplant!) und Maria hatte einen späteren Flug gebucht. So traten also Micha, Bert, Janis und ich die Reise von Stockholm gemeinsam an. Mir taten die anderen Leute im Bus und im Flieger, die sich unser Gegackere anhören mussten, doch schon sehr Leid... Als erstes gaben wir uns selbst französische Namen. Bert war von nun an Luc, Micha Jean-Paul, Janis Jacques, und ich hatte mir erst Brigitte ausgesucht, schwenkte dann aber doch zu Julie über, was Bert aber gewissentlich ignorierte und auf Brigitte betand. Auf der Fahrt kramten wir in unserem Schulfranzösisch und besonders Janis hatte ein paar Phrasen drauf, die wir die nächsten Tage bei jeder Gelegenheit zu hören bekamen (vor allem ”La reponse est oui/non!” und ”Bon!”). Als wir anfingen im Bus ”Sur le pont d'Avignon” und ”Frère Jacques” zu schmettern, war es mit der Geduld der Mitreisenden sicher vollends vorbei, aber glücklicherweise sind die Schweden bei sowas sehr zurückhaltend und würden es nie wagen, sich zu beschweren. In Paris empfing uns Chantal (=Simone) am Flughafen, und wir fuhren mit dem Taxi zu Berts Wohnung, die im 15. Arrondissement in der Nähe des Eiffelturms liegt. Von der Lage und der Wohnung unseres Architekten waren wir recht beeindruckt, kann man sagen... Nach einer kurzen Verschnaufpause brachen wir auf in unseren ersten Pariser Abend. Wir fuhren zu einer Bar an der Seine, wo wir draußen saßen (es war fantastisches Wetter) und sehr gut italienisch aßen. Janis bekam noch eine Französisch-Lektion und lernte von Berts Freund Pierre den sehr wichtigen Satz „Je suis très amoureux“, der ihm helfen sollte, eine Französin aufzureißen. Wieder zu Hause bezogen wir unsere Schlafplätze. Simone und Micha durften Berts Bett haben, und Bert, Janis und ich sollten uns das Wohnzimmer teilen. Nachdem Janis bereits bei der Kräftskiva eine Nacht neben mir verbracht hatte und wegen meines Schnarchens flüchten musste, hatte ich vorbeugende Maßnahmen ergriffen. Ich hatte mir eine Nasenklammer gekauft, die die Nasenlöcher weitet, so dass man besser atmen kann, nicht durch den Mund atmet und somit auch nicht schnarcht. Lustigerweise hatte Janis genau dieselbe Nasenklammer dabei, und Bert amüsierte sich köstlich über unser (nicht besonders vorteilhaftes) Aussehen. Nachdem wir noch ein Schlückchen von Berts Calvados probiert hatten (uuuaaaargh, das Zeug geht mal gar nicht!), entpuppte sich Janis schließlich noch als sehr begabter Geschichtenerzähler, als er zum Einschlafen von der Maus Frederick berichtete. Bert und ich waren schier begeistert. Als ich am nächsten Morgen vom Klo kam und eigentlich wieder ins Bett wollte, fiel mein Blick auf Bert. Da lag er, ein rotes Halstuch um die Augen gebunden und sein Kopfkissen um die Ohren gewickelt. Ich musste so in mich reinkichern, dass Janis wach wurde und ebenfalls loslachte. Und dann bewegte sich Bert, setzte sich auf und tastete - mit immer noch verbundenen Augen - nach der Wasserflasche neben seinem Bett und trank. Ein herrlicher Anblick. Da drang dann auch unser Lachen durch die Ohropax (nur Kopfkissen reicht scheinbar nicht als Lärmschutz) und Bert lugte unter seiner Augenbinde hervor. Zu meiner Freude verkündeten Janis und Bert dann, dass ich tatsächlich gar nicht geschnarcht hatte. Toll! Es dauerte schließlich eine ganze Weile, bis wir fünf im Bad fertig waren und endlich frühstücken konnten - typisch französisch mit Croissants. Gegen 13 Uhr kamen wir auch endlich mal los, fuhren in die Stadt und trafen uns mit Maria und Sam. Nächster Programmpunkt: Mittagessen. Danach: Kaffee trinken. Anschließend trennten wir uns für eine Weile, um uns dann in St. Germain wieder zu treffen, wo wir direkt in die nächste Bar einfielen (die Jungs brauchten ihr erstes Bier). Von dort ging es dann in den „Parc des Buttes Chaumont“, zum/zur Biergarten/Club/Kneipe/Bar „Rosa Bonheur“ (laut Bert von Lesben geführt). Dort war es richtig klasse, und natürlich handelte es sich um einen echten Geheimtipp – cool, wenn man Insider kennt ;-) Wir aßen, tranken und quatschten und dann probierte ich aus einer Laune heraus Snus. Snus ist typisch schwedisch: Tabak in kleinen Päckchen, die man sich unter die Oberlippe klemmt. Ich hatte mir das Ganze recht ekelig vorgestellt; aber so schlimm ist es gar nicht, solange man das Päckchen nicht mit Spucke vollsabbert, so dass einem die Soße in den Mund läuft. Jedenfalls saß ich da und wartet auf die Wirkung, und meine Freunde guckten auch gespannt. Nach ein paar Minuten setzte der Nikotinkick ein, mir wurde schwummerig im Kopf, und ich fing an zu kichern (welch Überraschung). Janis wollte wissen, ob ich mich ”high” fühle, entspannt und leicht, aber nee, mir war nur schwindelig. Um nicht zu übertreiben, spuckte ich den Snus direkt aus, und dann war auch der Schwindel nach ein paar Minuten weg. Janis versprach mir, dass er noch stärkeren Snus dabei hätte, den ich am nächsten Tag mal probieren könne... Drinnen ging es jetzt richtig los, die Musik war super, die Leute so herrlich normal und im richtigen Alter. Wir tanzten, und an der vorhandenen Stange bewies Maria ein paarmal ihr Können im Pole Dance – beeindruckend. Am nächsten Morgen schliefen wir relativ lange, machten uns fertig, frühstückten und brachen gegen 14 Uhr auf nach St. Germain, um durch ein paar Geschäfte zu bummeln. Später ging es mit allen zum Centre Pompidou. Nachdem ich schon die letzten beiden Tage immer wieder versucht hatte, meine Freunde zu einem Kanon ”Frère Jacques” zu überreden, klappte es endlich, und im Fahrstuhl nach oben schmetterten wir lachend 7-stimmig. Sehr schön! Das Wetter an diesem Tag war perfekt, und so saßen wir lange im Café Georges in der Sonne, genossen die Aussicht auf die Stadt und die unfreundliche Kellnerin, die mit ihrem Handtäschchen um die Schulter bediente. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei McDonald's und unseren Versuchen, deren französischen Werbeslogan ”C'est tout ce que j'aime” in die bekannte Melodie zu pressen fuhren wir nach Hause, um uns für den Abend fertig zu machen. Wir gingen erst in ein französisches Restaurant, ein paar Freunde von Bert kamen auch, und dann zogen wir weiter in eine Bar, wo Freunde von Bert Musik auflegten. Wir waren müde, keiner tanzte, und Simone, Micha und ich entschieden, nach einem Drink zu gehen. Doch dann packte Janis den versprochenen Snus aus, und das Unheil nahm seinen Lauf... Ich probierte, und diesmal war die Wirkung tatsächlich etwas stärker, wobei mir auch nur wieder schwindelig wurde; keine Entspannungsgefühle. Und eigentlich musste ich auch nur kichern, weil mir so schwindelig war, ich würde behaupten, dass das mit dem Snus keinen direkten Zusammenhang hatte... hmm.... Simone und Micha gingen dann, und Bert, Janis und ich blieben. Bert mischte sich unter seine Leute, aber Janis und ich hatten irgendwie nicht so Lust und vertieften uns in eine interessante Unterhaltung. Bert kam immer wieder an und verkündete aufgeregt: ”Janis, Yvi, hier sind ganz viele Singles, ihr müsst mingeln”, aber Janis und ich waren irgendwie nicht so sozial an dem Abend und vergraulten sogar eine Amerikanerin, die hochmotiviert anfing, sich mit uns zu unterhalten und nach 3 Minuten schleppendem Smalltalk mit uns sagte, dass sie sich mal eben was zu trinken holen würde und gleich wieder da sei. Natürlich haben wir sie nicht wieder gesehen :-) Als der Laden um 2 Uhr zumachte, zogen wir weiter in die nächste Bar. Unterwegs nahm ich nochmal einen Snus. Da mir eh schon schwummerig war, dachte ich, ich könne dann auch mit einem Jägermeister-O-Saft weitermachen. Da die Bar keinen Jägermeister hatte bat ich Bert, mir ein Wasser zu besorgen, aber er weigerte sich vehement und zwang mich, mir ein anderes alkoholisches Getränk auszusuchen. Ok, na gut, ich wählte einen Erdbeer-Daiquiri. Da ich nicht das Talent besitze, ewig an einem Getränk rumzunippen, trank ich den Daiquiri relativ schnell aus. Und dann merkte ich, dass ich ihn merkte. Es hat also tatsächlich 32 Jahre und 11 Monate gedauert. Aber jetzt war ich zum ersten Mal in meinem Leben angeschickert, wobei Janis immer sagte ”Yvi, das redest du dir ein! Das bisschen Alkohol kannst du nicht merken!” Aber nein, ich war mir sicher! Und dann dachte ich, wenn ich nun schon eine meiner Prinzipien über den Haufen geschmissen habe, und eine neue Erfahrung mache, dann kann ich auch noch einen Daiquiri trinken... Den schaffte ich allerdings nicht ganz, sondern hörte auf, als ich das Gefühl hatte, dass die Bar doch etwas zu sehr schwankt. Ich möchte trotzdem behaupten, dass ich bis auf das Schwindelgefühl war wie immer. Ähm, naja, okay, die Zunge wird wohl doch etwas lockerer, was sich dadurch bemerkbar machte, dass ich Bert mit Komplimenten überschüttete, mit denen er gar nicht so richtig umzugehen wusste, und auch Janis habe ich erzählt, wie sehr ich ihn mag. Nun ja, ansonsten alles wie immer... glaube ich. Aber dazu können nur Janis und Bert Auskunft geben... Wow, was für ein wildes Wochenende für meine Verhältnisse ;-)! Ein Zug an einer Zigarette, drei Snus und eindreiviertel Cocktails... Oh là là! Um 4 Uhr machte dann auch diese Bar zu, und so zogen wir heimwärts. Wir spazierten durch die Pariser Nacht, Janis pinkelte in die Seine, was von hinten betrachtet im Gegenlicht richtig toll und nahezu künstlerisch aussah, und an der Notre Dame beobachten wir die Ratten, die durch die Blumenbeete hüpften. Das letzte Stück fuhren wir dann doch mit dem Bus, und fielen schließlich um 5:15 Uhr ins Bett. Dementsprechend lange schliefen wir am Sonntag. Nach der üblichen Prozedur mit duschen und Frühstück machten Simone, Micha, Janis und ich uns auf, ein bisschen auf den touristischen Pfaden durch die Stadt zu wandeln, während Maria und Sam den Louvre unsicher machten. Bert blieb zu Hause, um das von uns verursachte Chaos zu beseitigen und Berge von Wäsche zu waschen. Und so war es dann bald auch schon Zeit, die Rückreise nach Stockholm anzutreten. Fazit: Wir hatten ein sehr tolles und lustiges Wochenende, und Paris ist wirklich eine wunderschöne und faszinierende Stadt. Ich hoffe, wir waren da nicht zum letzten Mal zusammen... Oder um es mit den Worten von Janis dem Weisen zu sagen: Je ne regrette rien!

Von Krebsen und Kätzchen

Frei nach dem Motto „Besser spät als nie“ möchte ich noch von unserer Kräftskiva (=Krebsfest) berichten. Simone und Micha hatten zu diesem typisch schwedischen Augustereignis 17 feierfreudige Krebsesser nach Ulrikslund geladen. Wiebke war mal wieder zu Besuch, und wir durften Michas Mini Cabrio leihen, mit dem wir laut singend durch den schwedischen Sommer fuhren und uns auf die Party einstimmten. Ein herrlicher Auftakt! Nach einem ruhigen Einstieg mit Kubb und den ersten Bieren wurde auf Ulrikslund ausgepackt, aufgebaut und geschmückt. Die Deko bestand unter anderem aus Krebstischdecke, Krebsteelichtern, Krebskonfetti, Krebsgirlanden, Krebspapptellern, und auch für uns galt der Dresscode: krebsrot. Weiterhin gehören zu einem schwedischen Krebsessen traditionell auch dämliche Papp-Hüte und Lätzchen. Michael und Dietmar schafften es sogar, dem Stier auf Bauer Karlssons Weide ein Hütchen aufzusetzen, was den Stier so gar nicht amüsierte. Als dann alle die gekauften Papierlätzchen umgelegt hatten, trumpften Michael, Janis, Wiebke und ich auf mit unseren extra von Michaels Schwester angefertigten Speziallätzchen aus Frottee. Auf die Lätzchen hatten wir einen Krebs sticken lassen und das Motto „Kräftig!“ - ein kleines Wortspiel, denn Krebs heißt auf Schwedisch „kräfta“. Nun waren wir entsprechend gewappnet, hoben die Schnapsgläser, trällerten ein Liedchen, und dann machten sich alle über die Krebse her – nur ich nicht. Ich mag die Konsistenz des Fleisches nicht und kann auch schwer etwas essen, das mich mit kleinen schwarzen Knopfaugen vorwurfsvoll anguckt. Nach dem Essen war es endlich Zeit für das wahre Highlight des Abends, auf das wir alle schon sehnsüchtig gewartet hatten. Thorsten hatte gegen Micha eine Wette verloren, und musste nun seine Wettschuld einlösen: nackt, nur mit einer Hello Kitty-Schürze bekleidet, vor dem Stier über die Weide laufen... Während Thorsten sich in der Scheune auszog, zogen wir Mädels uns um – Maria arbeitet nämlich bei H&M und hatte für uns alle Nachthemden mit Hello Kitty-Design besorgt. Hello Kitty-Tattoos gab es auch noch, und so standen wir dann da und empfingen Thorsten gebührend in unserem Outfit. Micha hatte für den großen Auftritt auch extra eine Musik-Compilation aus diversen Songs zusammengestellt (darunter ganz groß: „Auf in den Kampf Torero“ von Heino), und so lächelte Thorsten zerknirscht, ließ sich von uns beklatschen und kämpfte sich dann nur mit Schürze und Cowboyhut bekleidet durch den Stacheldraht auf die Weide. Die beiden Kühe und der Stier zeigten sich erst wenig beeindruckt, aber nach kurzer Zeit ging der Stier doch tatsächlich auf Thorsten los und hüpfte wild durch die Gegend. Das Publikum hielt die Luft an (Thorsten sicher auch), aber unser Cowboy schlug sich tapfer und kam dann nach ein paar Minuten leicht zitternd aber stolz wieder auf die sichere Seite des Zaunes. Hier wurde er von uns gehuldigt und bejubelt, wir Mädels ließen uns vor ihm auf die Knie fallen und verbeugten uns vor unserem Helden, was ihm sichtlich gefiel. Schließlich bekam er auch noch einen Kuss von jeder von uns – na, hat sich das doch gelohnt :-) Als Belohnung für den fantastischen Einsatz überreichten wir ihm dann noch ein Hello Kitty-Kulturtäschchen gefüllt mit allen erdenklichen Hello Kitty-Schätzen wie Nagellack, Parfüm, Duschgel, Bonbons... Eins ist sicher: wir alle werden in Zukunft immer an diese Vorstellung denken, wenn wir irgendwo Hello Kitty sehen... Den restlichen Abend und die Nacht verbrachten wir tanzend, quatschend und trinkend ums Lagerfeuer, während uns der Vollmond zusah. Sascha hatte aus Deutschland für mich auch extra eine ganze Flasche Jägermeister mitgebracht, aber ich ließ mich nicht dazu überreden, mehr als einen O-Saft mit einem Schluck Jägermeister zu trinken. Als die Nacht vorüber und es schon längst wieder hell war, beschloss die Kräftig!-Gruppe, zusammen draußen unter freiem Himmel zu schlafen. Wiebke hatte sich für die Hängematte entschieden (sozusagen als Vorbereitung auf die 5 vor ihr liegenden Monate an Bord der AIDA), und purzelte beim ersten Versuch, sich mit Isomatte und Bettzeug hineinzulegen direkt raus, was sehr lustig aussah. Beim zweiten Versuch klappte es, und Janis, Michael und ich legten uns in sicherem Abstand zur Hängematte nebeneinander hin. Wir fielen sofort einer Mückenattacke zum Opfer, aber der gute Janis machte sich nochmal auf den Weg zum Haus, um das Mückenspray zu holen mit dem wir uns alle einnebelten, was zum Glück auch die erhoffte Wirkung hatte. Als ich nach wenigen und sehr unbequemen Stunden (irgendwie ist man nicht mehr 20, komisch) aufwachte stellte ich mit Erstaunen fest, dass Janis und Michael nicht mehr neben mir, sondern 3 Meter weiter weg lagen. Ich ging davon aus, dass sie vor der Sonne in den Schatten geflüchtet waren, aber nein, den wahren Grund formulierte Janis sehr diplomatisch folgendermaßen „Mann, Yvi, du machst nachts ganz schön merkwürdige Geräusche!“ Naja, immerhin wurde ich diesmal nicht mit Schuhen beworfen...