Donnerstag, Mai 29, 2008

Tanz in den Mai

Zeitmangel hat dazu geführt, dass ich bisher noch gar nicht von meinem 1. Mai-Wochenende berichtet habe, das ich nämlich zusammen mit meinen Stockholmer Freunden in Düsseldorf, Essen und Amsterdam verbracht habe. Also, hier kommt der Bericht, wenn auch etwas verspätet... Im Winter wurde unsere Clique hier nach stetigem Zuwachs leider etwas kleiner, da es für einige Zeit war, in die alte Heimat zurückzugehen. Claudia und Carsten kehrten nach nur kurzem Gastspiel in Schweden nach Wiesbaden zurück, und Katrins Post-Doc-Jahr war auch um, und so zog sie zu ihrem frisch angetrauten Mann Sascha, bzw. beide zogen nach Essen als Mittelpunkt zwischen den Jobs in Köln und Marl. Michael ist ja seit jeher Pendler zwischen Stockholm und Düsseldorf, da er sich als selbständiger Architekt aussuchen kann, wo er seinen Rechner aufstellt. Jedenfalls kam uns Stockholmern dann irgendwann die Idee, dass wir alle zusammen nach Düsseldorf/Essen reisen könnten, um die anderen dort zu besuchen. Am Mittwoch, dem 30. April sollte es losgehen, und ich stand vor der schweren Aufgabe, einen kleinen Rucksack mit Klamotten zu packen, der für 4 Tage reichen sollte – denn da Ryanair soviel Geld für Gepäck nimmt, hatte ich nur Handgepäck gebucht. Alles hat geklappt, ich habe so viel Zeug wie möglich angezogen und bin mit meinem kleinen Rucksack losgezogen. Da wir vermutet haben, dass auf der Autobahn viel los sein wird, da es sich um ein langes Wochenende handelte mit Walpurgisnacht, 1. Mai und dem Freitag als praktischen Klemmtag (ist das ein deutsches Wort oder nur ein schwedisches???), fuhren wir ca. 3 Stunden vor Abflug verteilt auf zwei Autos und einen Flughafenbus gemütlich aus Stockholm los. Doch dann. Nach 5 Kilometern Fahrt, auf denen wir uns wunderten, dass die Autobahn so frei ist, Stau. Richtig fett. Erst waren wir noch cool, da wir gut Zeit hatten, aber als wir nach 45 Minuten nur 10 Kilometer weitergekommen waren, und uns immer noch innerhalb der Stockholmer Stadtgrenzen befanden wurden wir nervös. Über Handy stellten wir fest, wir alle an ungefähr derselben Stelle feststeckten. Immerhin. Entweder wir würden es alle schaffen oder keiner. Mit der Anzeige des Navis, das uns informierte, wie weit es zum Flughafen war, und wie lange wir bei der Geschwindigkeit noch brauchen würden, sank auch unsere Hoffnung, und wir stellten uns schon darauf ein, den Abend bei einem schwedischen Walpurgis statt auf einem deutschen Tanz in den Mai zu verbringen. Irgendwann löste sich der Stau aber doch auf, die Autofahrer gaben Gas und wie durch ein Wunder kamen wir ca. 50 Minuten vor Abflug am Flughafen an. Leider war klar, dass Marias Bus es nicht vor Check-In-Schluss schaffen würde. Aber Ryanair hatte einen großzügigen Tag, und die Leute aus dem Bus kamen noch alle mit. Boah, geschafft – welch eine Aufregung! Nach einem ereignislosen Flug kamen wir dann in Düsseldorf an, wo wir von Katrin und Sascha abgeholt wurden. Hier bestand die Herausforderung dann darin, Marias Riesenkoffer (was sie da alles drinhatte für diese 4 Tage haben wir nie herausgefunden...) im Auto zu verstauen, denn Saschas Kofferraum war voll mit Bier und Grillfleisch, und der Kofferraum von Michas Mini ist nicht sonderlich geräumig bzw war der Koffer fast größer als der Wagen. In Düsseldorf angekommen gingen wir erst essen (endlich mal wieder 'ne richtige deutsche Kneipe!) und dann tanzten einige von uns noch in einer Disco in den Mai. Nachdem sich dann am Donnerstag, dem Maifeiertag, sieben Leute bei Michael und Simone durch Bad geschleust hatten, sind wir frühstücken gegangen. Es gab kein Buffet, sondern – wie ich es gerne mag – verschiedene Frühstücke zur Auswahl. Torbjörn guckte nicht so richtig, und verließ sich auf Elena, die vorschlug, dass die beiden sich zwei unterschiedliche Frühstücke teilen sollten. Schließlich wurde serviert. Die Bedienung stellte Micha und Sascha sehr große, deftige Teller mit Rührei, Speck, Würsten, Kartoffeln und anderem fettigen Kram vor die Nase, und kam zum Schluss dann mit Torbjörns Frühstück. „Was ist das denn“ entfuhr es ihm sichtlich enttäuscht, als er auf sein Tellerchen mit Obst, Joghurt und Müsli guckte. Sehr amüsant. Noch besser war allerdings als er Micha dabei zusah, wie der sich ein Brötchen mit Rührei und Speck belegte und dann den Weg des Brötchens vom Teller in Michas Mund mit sehnsüchtigem Blick und offenem Mund verfolgte. Nach dem sehr lustigen Frühstück (Torbjörn war sehr froh, dass er zum Schluss noch diverse Reste von allen abstauben durfte) machten wir eine kleine Rundfahrt durch Düsseldorf – was mir wirklich gut gefiel – und fuhren im Anschluss nach Essen, um dort Saschas und Katrins Wohnung zu bewundern. Gegen Abend war nun eigentlich ein Angrillen im Rheinpark geplant, da das Wetter jedoch sehr durchwachsen war, verlegten wir die Aktion in Michas und Simones Wohnung. Zum Grillen tauchten dann auch Claudia und Carsten, Simones Schwester Christina, und mein lieber Freund Andreas auf, den es im vergangenen Herbst von Stockholm nach Leverkusen verschlagen hat. Wir hatten einen richtig netten und schönen Abend, und irgendwie war es ganz komisch, dass alle diese Leute, die ich bisher nur in Stockholm getroffen habe, auf einmal zusammen in Deutschland waren. Der Abend schritt fort, und die ersten Gäste verließen uns. Schließlich dachten wir Mädels uns, es wäre Zeit, ein bißchen zu tanzen, und so spielten wir DJ, hüpften, tanzten und legten einmalige Gesangseinlagen hin. Also Robbie wäre bei unserer „Angels“-Darbietung blass geworden (naja, vermutlich eher vor Schreck). Wir hatten einen richtigen netten Tanz- und Singabend, bis wir um 00:15 auf einmal sahen, dass von der Straße mit einem Scheinwerfer Lichtzeichen in die Küche gemacht wurden. Man ist ja von Natur aus neugierig, und so guckten wir mal raus – und sahen zwei Polizisten vor der Tür stehen. Ups, wollten die etwa zu uns?? Da hatten wir wohl die Klingel nicht gehört... Wir machten die Mucke aus und ließen die Polizisten rein, die dann hochkamen. „Is' ja ganz schön, Ihre Musik, aber etwas laut für die Nachbarn“ sagten sie freundlich zu Michael und dampften dann wieder ab. Hahahaha, die haben bestimmt gedacht, da läuft die wildeste Party aller Zeiten. Wenn sie mal reingeguckt hätten, hätten sie acht vollkommen nüchterne Leute in der Wohnung gezählt, davon vier harmlose Mädels im Wohnzimmer zu Coldplay tanzend... Dass nenn ich mal gut gefeiert :-) ! Am Freitag reisten leider die ersten ab, denn für Elena und Torbjörn ging es nach Stockholm zurück, Maria und Samuel hingegen machten sich schon auf den Weg nach Amsterdam, wo wir anderen sie dann Samstag treffen würden. Simone, Katrin und ich verbrachten den Freitag dann hauptsächlich mit Shopping in Düsseldorf und waren hinterher vollkommen fertig (und ich habe keine Schuhe gekauft, sowas). So sagten wir dann den geplanten Ausgehabend in Köln ab und machten es uns stattdessen mit Micha, Sascha und Christina zuhause bei einem köstlichen deutschen Spargelessen gemütlich. Am Samstag hieß es dann verhältnismäßig früh aufstehen, denn für heute war der Trip nach Amsterdam geplant, was ja nur zwei Autostunden von Düsseldorf entfernt liegt. Dort angekommen trafen wir dann wieder auf Maria und Samuel, und gingen als erstes auf die Suche nach einem Café in der Sonne. Natürlich war alles bereits belegt, so dass wir uns alle ein paar Snacks kauften und es uns einfach auf einem fremden Boot gemütlich machten, was an einer Gracht lag und irgenwie ganz schmutzig und verlassen aussah. Dort saßen wir und betrachteten das Treiben auf den Grachten – Wahnsinn, was da so alles los war, die unterschiedlichsten Menschen fuhren auf unterschiedlichsten Booten vorbei. Im Anschluss machten wir einen ausgiebigen Spaziergang an den Grachten lang, sahen uns interessiert und leicht verwundert in einem Shop für Pilze um (ich spreche nicht von Champignons), trennten uns dann in der Innenstadt für zwei Stunden und trafen uns wieder, um dann ganz tourimäßig zu einer Grachtenrundfahrt aufzubrechen. Auch wenn das Ganze in einem eigenen Boot etwas schöner gewesen wäre, war es doch eine sehr nette Sache. Und Amsterdam hat mir echt supergut gefallen, ich war vorher noch nie da, und möchte gerne nochmal etwas länger hin! Im Anschluss hungrig geworden gingen wir schließlich essen in einem recht coolen und stylischen Restaurant, das Samuel empfohlen bekommen hatte. Es lag im 11. Stock eines Gebäudes und so konnten wir neben unserem 3-Gänge-Menü (das für Stockholmer Verhältnisse echt günstig war!) auch die Aussicht über die Stadt genießen. Leider war unser kleiner Ausflug nun auch schon wieder vorbei, und nach einem Spaziergang durchs abendliche Amsterdam (viel Rotlicht und viel Haschgeruch) ging es wieder nach Düsseldorf zurück. Und schon war Sonntag, den wir sehr ruhig angehen ließen mit Ausschlafen, Frühstück, Eisessen und einem kleinem Spaziergang am Rhein. Und dann war es Zeit für Maria, Simone und mich, wieder i unsere Wahlheimat Stockholm zurückzukehren. Alles in allem mal wieder eine gelungene Aktion und schöne und entspannte Tage. Man weiß ja nie, wie es wird, wenn so viele Leute über einen längeren Zeitraum so dicht aufeinanderhängen, aber es hat wirklich ausgesprochen gut geklappt. Auf den nächsten Ausflug!