Julrikslund
Eine Weihnachtsfeier im Freundeskreis auf Ulrikslund – eine schöne Idee, die wir da während unseres ersten Mädelsstammtisches hatten, den wir vor ein paar Monaten ins Leben gerufen haben. Die Aktion wurde kurzerhand „Julrikslund“ getauft (Jul = Weihnachten auf Schwedisch), und eine Einladung an alle geschickt. Die meisten hatten Zeit, und so ging es vor allem ans
Planen des Essens. Wir wollten ein typisch schwedisches Julbord (= Weihnachtsbuffet) machen, und so teilten wir auf, wer für was zuständig war. Am Freitag den 10. Dezember brachen Simone, Micha, Linus, Wiebke, Bert und ich bereits auf ins tief verschneite Sörmland und okkupierten Ulrikslund; die anderen sollten am Samstag im Laufe des Nachmittages anreisen. Wiebke, Bert und ich hatten uns einen Mietwagen genommen und waren sehr zur Freude Wiebkes auf einen niegelnagelneuen Volvo V70 upgegraded worden, der gerade mal 12 km runter hatte. Ulrikslund ist für mich jedes Mal wieder ein Paradies, und ich finde es sogar im Winter noch schöner als im Sommer - wenn das Feld von Bauer Karlsson eine einzige weiße, unberührte Fläche ist, die in der Sonne glitzert.
Nach einem ausgiebigen Frühstück am Samstag zogen wir uns unsere Schneeklamotten an und gingen raus. Sofort stürzten wir uns wie üblich aufeinander, schubsten uns in Schneewehen, bewarfen uns mit Schneebällen – und ich machte den ersten Kopfstand des Winters. Auch Linus sah sehr zufrieden aus, wie er in seinem dicken Schneeanzug im Schlitten saß und fasziniert den hohen Schnee bestaunte. Dann stellten wir fest, dass das alles so idyllisch ist, und aussieht wie
der schwedische Traum – rotes Haus mit Volvo davor und ein süßes Kind. Kurzerhand platzierten sich Wiebke und Bert neben das Auto und spielten mit Linus im Arm Familie. Fehlte nur noch der Hund, und da ließ ich mich mal nicht lumpen und sprang bereitwillig ein, um das Familienfoto perfekt zu machen.
Schließlich gingen wir in den Wald, denn die Aufgabe des Tages lautete: Weihnachtsbaum schlagen. Bauer Karlsson erlaubt netterweise, dass Simones Familie sich einen Baum aus seinem Wald holen darf, und so suchten wir denn einen großen für Ulrikslund, und einen kleinen für Yvilund, denn in diesem Jahr werde ich Weihnachten zum ersten Mal gemeinsam mit meiner Mutter in Schweden feiern. Bert sägte die Bäume ab, und wir schleppten sie zurück zum Haus, wo wir sie in der Scheune zum Trocknen aufstellten.
Als nächstes hatte es Ber
t sich zur Aufgabe gemacht, eine Dose Surströmming zu öffnen. Bei Surströmming handelt es sich um eine nordschwedische Spezialität – nämlich gegorenen Hering. Das Zeug ist berüchtigt – es soll nämlich unerträglich stinken. Gehört hatten wir also schon viel, gerochen und gegessen noch nie. Es wurde Zeit, meinte Bert. Er hatte eine Dose gekauft + Plastikhandschuhe. Denn eins ist klar: berührt man den stinkenden Fisch mit den Händen ist man verloren. Natürlich darf man die Dose auf gar keinen Fall drinnen öffnen, nur an der frischen Luft. So versammelten wir uns also und sahen Bert angeekelt, aber fasziniert zu, wie er die Dose in einer Plastiktüte anstach (damit keine Spritzer auf die Kleidung kommen können). Und dann schlug uns der
Geruch entgegen. Schon wirklich nicht angenehm, aber auch doch nicht ganz so schlimm wie erwartet. Wobei einem natürlich noch einmal anders wird, wenn man daran denkt, dass man das Zeug essen soll... Wiebke sagte, der Geruch erinnert an Klo auf der Autobahnraststätte, und ja, das fanden wir alle ganz passend. Bert goss die Salzlake ab und wusch dann die einzelnen Filets ordentlich mit Mineralwasser ab. Gegessen wurde der Fisch später am Abend; ich weiß gar nicht genau, wer sich alles beteiligte – ich jedenfalls nicht. Aber wie schon so oft vorher von anderen gehört war auch hier die Aussage, dass der Fisch längst nicht so schlimm schmeckt wie er riecht. Man isst ihn zusammen mit Zwiebeln, Kartoffeln und saurer Sahne und weichem Brot. Allerdings meinte Bert, dass man auch noch die nächsten Tage danach aufstößt, und das ist es dann eben doch nicht wert...
Im Laufe des Nachmittags trudelten nach und nach die anderen ein. Janis und Thorsten, Maria und Samuel, Ebba und Michael und Simone und Dietmar. Die letzten Vorbereitungen fürs Julbord wurden getroffen, der Baum geschmückt und der Tisch gedeckt. Das Julbord war ein voller Erfolg, und wir waren ganz schön stolz auf uns, denn wir hatten das meiste selbst gemacht. Bert hatte den ganzen Nachmittag lang einen Weihnachtsschinken gekocht und schließlich im Ofen mit einer Senfkruste vollendet, Simone hatte haufenweise Köttbullar gebraten, Dietmar hatte das traditionelle Kartoffelgratin „Janssons frestelse“ beigesteuert, und ich hatte schon vorher 3 Sorten Hering eingelegt. Dann gab es noch Brot, Salami, Käse, Salat, Rotkohl und einen riesigen Berg Kekse, die hauptsächlich Wiebke gebacken hatte, und dann noch Knäck und Karamell, richtige Plombenzieher von Ebba.
Nach dem Essen verließen uns Maria und Samuel, und wir anderen versammelten uns am Weihnachtsbaum, denn nun stand Schrottwichteln auf dem Programm. Jeder hatte ein hässliches und/oder nutzloses Geschenk verpackt unter den Baum gelegt. Die nächsten 2 Stunden verbrachten wir würfelnd und lachend und hatten viel Spaß mit den Geschenken. Ich freute mich über meine Plastik-Strohhalm-Brille, die direkt zum Einsatz kam, als Bert mit einer Schüssel selbstgemachter Erdbeermargarita ankam. Leider wollte keiner mit mir um Weihnachtsbaum tanzen, was man eigentlich in Schweden so macht, und auch zum Singen konnte ich niemanden bewegen. Schaaade.
Aber auch ohne war das Wochenende wie üblich ein voller Erfolg, und wir kamen wirklich in Weihnachtsstimmung. Am Sonntag strahlte zudem noch die Sonne vom blauen Himmel, so dass Ulrikslund noch märchenhafter aussah:


1 Comments:
Sehr geehrte Frau Röber,
Seit etlichen Jahren verfolge ich nun Ihren Blog und fühle mich jetzt aufgrund Ihres langen Schweigens etwas vernachlässigt. Erzählen Sie doch mal wieder was. Bitte!
Hochachtungsvoll,
Peter
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