Mittsommer auf Ulrikslund 2010
Einige von uns sind schon Donnerstag nach Ulrikslund gefahren. Auf Anregung von Patty habe ich die Mundharmonika mitgenommen, die ich mir vor ein paar Monaten aus Spaß gekauft habe. Ich war etwas überrascht, dass Patty da tatsächlich wohlklingende Töne rausbekam. Bis dahin hatte ich gedacht, dass mit der Mundharmonika etwas nicht stimmte, aber jetzt wurde mir klar, dass ich doch noch etwas an meiner Technik üben muss... Nichtsdestotrotz ließ ich es mir nicht nehmen, meine Freunde mit meinem musikalischen Talent zu unterhalten, unter anderem auch auf dem Kazoo, einem kleinen Membranophon, in das man hineinsingt oder -spricht, und das Patty dabei hatte. Komischerweise wurde ich nicht gelyncht, aber ich hörte auch recht schnell freiwillig wieder auf...
Am Freitag, dem Mittsommertag, strahlte die Sonne vom Himmel. Es sollte ein perfekter Tag werden. Um die Mittagszeit herum trudelten nach und nach alle anderen Stockholmer ein. Wir ließen es gemütlich angehen, und fingen langsam an, das Essen vorz
ubereiten. Gegen 16 Uhr machten sich einige Jungs und Ebba auf, um im Wald eine Birke zu erlegen, wir anderen Mädels fingen an, Blumen zu sammeln für die Kränze und als Baumschmuck. Die nächsten Stunden plätscherten also mit den üblichen Mittsommeraufgaben dahin, und schließlich war es Zeit, den riesigen Baum aufzustellen. Natürlich musste der auch dieses Jahr wieder größer und höher sein, und so maß Micha 11 Meter. Aber da Männer bei Größen- und Längenangaben gerne übertreiben, möchte ich auch dieses Mal wieder die Genauigkeit dieser Messung in Frage stellen ;-) Dafür muss ich aber sagen, dass der Baum in diesem Jahr besonders schön geworden ist!
Pünktlich zum Essen kamen dann auch Bettina, Daniela und Dörthe an, die extra aus Düsseldorf angeflogen waren, um an dem Ereignis teilzunehmen. So gab es wie üblich unser traditionelles deutsch-schwedisches Mittsommeressen, bestehend aus eingelegtem Hering (darunter sogar zwei von mir eingelegte Sorten – ich war mächtig stolz auf mich, und ich muss sagen, dass mein Hering mit schwarzen Johannisbeeren wirklich gut war!), Kartoffeln, Käse und Knäckebrot, Köttbullar, Salat und Würstchen und Fleisch vom Grill. Danach versammelten wir uns zum obligatorischen Gruppenfoto auf Bauer Karlssons Feld , und schließlich war es Zeit, die traditionellen Tänze um die Mittsommerstange zu machen. Der Klassiker „Små Grodorna“ inkl. Froschgehüpfe führte zu hysterischen Lachanfällen, und dann wollten wir wieder „Björnen sover“ spielen. Ihr erinnert euch – ein Bär hockt am Baum, die anderen tanzen um ihn rum und singen, und wenn das Lied fertig ist, dan
n springt der Bär auf und fängt jemanden, der dann auch Bär ist. Aus zwei Bären werden dann vier, dann acht, und so weiter. In der dritten oder vierten Runde jagte Samuel hinter mir her und tippte mich kurz am Rücken an. Ich dachte mir allerdings, dass er sich da schonmal mehr ins Zeug legen und mich richtig fangen muss, und da er auch nicht auf mich als Beute bestand, dachte ich, ich lauf mal weiter... Jaja, wer schummelt wird bestraft. Als nächstes jagte mich dann Bär Patty um ein Auto, und gerade als ich mich ergeben wollte, knickte ich auf der unebenen Wiese um, lag – wenn auch lachend – am Boden und musste schließlich feststellen, dass ich nicht mehr auftreten konnte. Autsch. Auf einem Bein und gestützt hüpfte ich zu einem Liegestuhl, der für mich herbeigetragen wurde, und bekam in Ermangelung von Eis eine Bierdose an den Knöchel gebunden. Der Abend war für mich nun vorbei, und Thorsten und Bert schleppten mich im Liegestuhl vor die Feuertonne. Da lag ich dann die nächsten Stunden, schlürfte Strawberry Margarita und musste meinen Freunden schweren Herzens beim Tanzen zugucken. Geg
en halb vier hüpfte ich dann Richtung Bett von dannen und verpasste Pattys selbstgeschriebene Lieder, die er am Feuer auf der Gitarre vortrug.
Am nächsten Morgen konnte ich immer noch nicht auftreten, und mein Fuß war auch ordentlich dick. Christina fand ein paar Nordic Walking-Stöcke, die ich als Stütze nehmen konnte, und so hoppelte ich zum Frühstückstisch und ließ mich bedienen. Micha hatte zwei Pumpgun-Wasserpistolen gekauft, und plötzlich hielt ich eine in den Händen. 3 Meter von mir entfernt saß Bert, und bei diesem frechen Franzosen kribbelt es mich einfach immer in den Fingern. Ich wusste natürlich, dass ich wegen meines Fußes vollkommen wehrlos bin und seiner Rache völlig ausgesetzt, aber ich konnte nicht anders... Bert ertrug meine Attacke mit stoischer Gelassenheit, leise lachend und mit Racheblitzen in den Augen. Ich hatte trotzdem Spaß. Dann stand er langsam auf. Holte die zweite Pumpgun. Und füllte sie gemächlich mit Wasser. Und setzte sich überlegen grinsend auf den Stuhl direkt neben mich. Dann gab es kein Halten mehr und wir ballerten los, aber Bert hatte deutlich mehr Wasser in seiner Pistole...
Und so ging auch der Samstag vorüber. Ich konnte ja am allgemeinen Aufräumen und Abwaschen nicht teilnehmen, also lag ich in der Sonne und kühlte meinen Fuß. Einige reisten ab, aber 10 von uns blieben noch einen Abend auf Ulrikslund, saßen noch eine helle Nacht um die Feuertonne und diesmal kam auch ich in den Genuß von Pattys Gitarrespielkünsten. Wir versuchten auch, ganz kreativ einen Ulrikslund-Mittsommersong zu dichten, kamen aber nicht richtig zu einem Ergebnis, wobei wir einige sehr gute Textzeilen zustande brachten.
Am Sonntag konnte ich immer noch nicht auftreten, und mir wurde zum wiederholten Male unterstellt, dass ich nur markiere, um nicht aufräumen und putzen zu müssen... Am Sonntag Abend fuhr mich Simone schließlich doch noch ins Krankenhaus, wo eine Bänderdehnung diagnostiziert wurde. Der Arzt und die Röntgenfrau lachten herzlich, als ich die „Björnen sover“-Geschichte erzählte. Und als ich mit Nachdruck sagte, dass dabei kein Alkohol im Spiel war, grinsten sie nur, nickten und meinten „Komisch, das behaupten am Mittsommerwochenende immer alle...“






