Sonntag, Januar 04, 2009

Ice Ice Baby

Wie schön es sein kann, ehemalige Leidenschaften aufleben zu lassen, habe ich heute gemerkt. Ich war nämlich mit Simone und Micha Schlittschuhlaufen. Das letzte Mal auf dem Eis war ich vor ungefähr 12-13 Jahren, und ich frage mich ernsthaft: WARUM? Wenn ich an meine Kindheit und Jugend zurückdenke, dann sehe ich mich im Winter quasi ausschließlich mit Schlittschuhen unter den Füßen. Damals, als die Seen und Teiche noch zufroren, war ich oft Schlittschuhlaufen, so lange, bis man die Finger und Zehen nicht mehr spürte und die Lippen blau waren. Dann hatten wir in Wolfsburg auch noch den Vorteil, dass wir eine Eishalle hatten. Und samstags war da immer Eisdisco von 18:00 bis 21:00 Uhr. Da traf sich die Jugend. Da ging man hin und himmelte Jungs an, und es war das tollste, wenn man mit seinem Schwarm eine Runde Hand in Hand fahren durfte (die nächsten Runden fuhr er dann natürlich mit hübscheren und cooleren Mädchen, seufz). Jaja, das war ein Wechselbad der Gefühle, das wir zu Discomusik und entsprechender Discobeleuchtung durchlebten. Irgendwann waren wir aber alt genug, in richtige Discos zu gehen, und so wurden die Besuche in der Eishalle seltener, oder verlagerten sich auf Sonntag Nachmittag. Jedenfalls habe ich es immer geliebt, Schlittschuh zu laufen, und weiß wirklich nicht, wieso es aufgehört hat. Ach so, ja, vielleicht weil ich nach Kiel gezogen bin und es da keine Möglichkeit mehr gab. Jedenfalls hatten Simone, Micha und ich schon letzten Winter vor, mal laufen zu gehen und haben dann Anfang März voller Tatendrang auch unsere Schlittschuhe schleifen lassen. Leider war genau an dem Wochenende die Saison dann vorbei, aber heute konnten wir dann endlich durchstarten. Wir fuhren zum Stadion, wo es eine Außenbahn mit guten Öffnungszeiten gibt und waren überrascht, dass erstens wenig los war und es zweitens noch nichtmal Eintritt kostete. Etwas tolpatschig tapsten wir aufs Eis (es gab nichtmal eine Bande zum Festhalten), aber nach den ersten unbeholfenen Schritten legten wir los als hätten wir die letzten Jahre nichts anderes gemacht. Boah, war das schön! Es hat richtig gut geklappt und furchtbar Spaß gemacht, trotz zu kleiner und scheuernder Schlittschuhe. Ungefähr anderthalb Stunden inklusive Würstchen-Pause haben wir durchgehalten. Leider hat mir jemand beim Umziehen dann dreisterweise meine Mütze und meine Handschuhe geklaut, obwohl ich die ganze Zeit genau daneben saß, und Simones Handschuhe haben wir im Mülleimer gefunden, nachdem sie entdeckte, dass die fehlen. Sowas! Aber sonst war's schön, und je nach Wetter gehen wir Dienstag direkt wieder - da ist hier nämlich Feiertag.

Alle Jahre wieder

Über Weihnachten hat es mich wie üblich nach Deutschland verschlagen. Nachdem Wiebke mal wieder ein paar Tage zu Besuch in Stockholm war, flogen wir am 19. Dezember nach Lübeck und dann ging es per Bus weiter nach Hamburg. Wie schön, diese Tour mal nicht alleine machen zu müssen! Ich habe dann Patty und Diethard mit Sohn Tillmann besucht, was sehr schön war - wenn auch kurz. Dann bin ich weitergefahren nach Uelzen (die Stadt mit dem berühmten Hundertwasserbahnhof), wo Familienbesuch auf dem Programm stand und ich von meiner Omi lecker bekocht wurde (Grünkohl und so, herrlich!). Am Montag habe ich erst den Uelzener Rossmann leergekauft und bin dann mit meiner Mutter wieder nach Hamburg gefahren. Am Abend hatten wir nämlich Karten für Michy Reincke im Schmidt's Tivoli. Michy Reincke ist der, der vor 25 Jahren unter dem Namen "Felix De Luxe" "Taxi nach Paris" gesungen hat; und seit ich 15 bin, liebe ich ihn heiß und innig. Man ist halt sentimental. Normalerweise gehe ich mit meiner besten Freundin Nadine hin, die war jedoch in diesem Jahr als Stillmutti an ihr Zuhause gebunden (durfte aber per Handyverbindung bei einem Song doch live dabei sein). Es war wieder ein schöner Abend, sogar meine Mami war ganz begeistert. Michy ist nämlich ein sehr guter und lustiger Entertainer, und das Konzert im Tivoli kurz vor Weihnachten gehört zu meinen persönlichen Traditionen.
Meine Mami und ich haben dann in Hamburg übernachtet, und haben dann am nächsten Tag in einer richtig typisch deutschen Kneipe so richtig typisch deutsch gefrühstückt. Nee, wat is dat schön mit den Dingen, die man in Schweden nicht hat. Nämlich so 'ne Kneipe. In der es von Frühstück über Kaffee bis zum Abendessen und dem Cocktail alles gibt. Gibt's nämlich so in Stockholm nicht. Frühstücken tut man eigentlich nur in den Hotels, oder man bruncht (wobei dann aber vergessen wird, dass das "Br" in "Brunch" für Frühstück steht und nur warme und herzhafte Sachen serviert werden), Kaffeetrinken kann man in einer Million Cafés, und für abends gibt es schicke, stylische Restaurants. Aber es gibt nix für alles, kein gutes Zwischending. Schaaade. Nach dem ausgiebigen Frühstück fuhren meine Mami und ich noch in die Innenstadt, trafen uns dann später noch mit meinem Cousin, und dann machten wir uns ausgehfertig und fuhren zu "Tarzan", dem Musical. Das war auch sehr beeindruckend, vor allem wegen der akrobatischen Leistung der Darsteller. Die schwingen sich an Seilen durch den ganzen Saal, laufen meistens auf allen Vieren im Affengang über die Bühne und hüpfen auch sonst viel auf und ab. Das Bühnenbild war auch recht toll, Musik allerdings etwas langweilig (auf der anderen Seite eben so, wie man es sich von Musicals erwartet), und Story natürlich eher mau, aber eben echt gut umgesetzt. Kann man sich mal ansehen. Nach der Show fuhren wir dann wieder nach Uelzen, wo dann auch schon der Heilige Abend anstand zusammen mit meinen Großeltern. Bei uns eher unspektakulär, wir haben auch die Schenkerei abgeschafft. Am ersten Feiertag nahm ich schon früh einen Zug nach Wolfsburg, wo ich meinen Vater traf. Abends wurde ich dann bei ihm von Nadine, Lorenz und den beiden Kindern Moira (4 Jahre) und Marla (10 Monate) abgeholt. Nadine war ganz heiß darauf, zum ersten Mal seit Marlas Geburt mal wieder tanzen zu gehen, und so verschlug es uns in die "Wegwarte" nach Lucklum im Kreis Wolfenbüttel, wenn man so will ein Gasthof auf dem Land. Hört sich nicht besonders aufregend an, wurde aber ein fantastischer Abend - wider Erwarten. Erst spielte eine Liveband, scheinbar ein lokaler Kracher aus dem Braunschweig der 80er Jahre, die sich an diesem Abend wieder vereint hatten, und dann legte ein DJ auf. Und zwar all unsere alten Klassiker, von Blind Melon über Nirvana bis Rage against the Machine - richtig, richtig cool. Und das Publikum war auch spitze, gutes Alter, normale nette Leute, nicht so durchgestylte Leute in den Zwanzigern wie im Stockholmer Nachtleben. Das einzige was irritierend war, war der Haschgeruch, der die ganze Zeit in der Luft war - aber ansonsten kann ich sagen, dass dieser Abend einer meiner zwei Ausgehhighlights in diesem Jahr war (der andere war der Abend im Düsseldorfer Stone Club mit ähnlicher Musik). Am nächsten Tag verschwand Lorenz mit Moira zu seinen Eltern, was Nadine, Marla und mir ein paar geruhsame Mädelstage verschaffte. Und mit Baby kommt man dann auch noch genug zum Quatschen; war schon etwas länger her, dass wir so viel ungestörte Zeit hatten. Naja, und dann war auch dieser Aufenthalt schon wieder vorbei, und es ging für mich am 28. Dezember zurück nach Stockholm, da ich zwischen den Tagen arbeiten musste. Aber das war auch nicht schlimm, man konnte endlich mal ein bisschen Papierkram wegarbeiten. Silvester habe ich ruhig zuhause bei Simone und Micha verbracht, zusammen mit Simones Schwester Christina und ihrem Freund. Wir haben eine Art asiatisches Fondue gegessen, ganz viel Wii gespielt und sind dann gegen Mitternacht auf eine Brücke gegangen, um und das Feuerwerk anzusehen. Interessant war, dass in Stockholm richtig viel schon vor Mitternacht geknallt wurde, unseres Erachtens nach mehr als in Deutschland. Dafür hatte man dann auch das Gefühl, dass um 00:10 schon alles vorbei war... Ja, also ist mal wieder ein Jahr rasend schnell vorbei gegangen, und ein neues steht vor der Tür. Mal sehen, was es so bringt, hoffentlich erstmal einen richtigen Winter!