
Frei nach dem Motto „Besser spät als nie“ möchte ich noch von u
nserer Kräftskiva (=Krebsfest) berichten. Simone und Micha hatten zu diesem typisch schwedischen Augustereignis 17 feierfreudige Krebsesser nach Ulrikslund geladen. Wiebke war mal wieder zu Besuch, und wir durften Michas Mini Cabrio leihen, mit dem wir laut singend durch den schwedischen Sommer fuhren und uns auf die Party einstimmten. Ein herrlicher Auftakt! Nach einem ruhigen Einstieg mit Kubb und den ersten Bieren wurde auf Ulrikslund ausgepackt, aufgebaut und geschmückt. Die Deko bestand unter anderem aus Krebstischdecke, Krebsteelichtern, Krebskonfetti, Krebsgirlanden, Krebspapptellern, und auch für uns galt der Dresscode: krebsrot. Weiterhin gehören zu einem schwedischen Krebsessen traditionell auch dämliche Papp-Hüte und Lätzchen. Michael und Dietmar schafften es sogar, dem Stier auf Bauer Karlssons Weide ein Hütchen aufzusetzen, was den Stier so gar nicht amüsierte. Als dann alle die gekauften Papierlätzchen umgelegt hatten, trumpften Michael, Janis, Wiebke und ich auf mit unseren extra von Michaels Schwester angefertigten Speziallätzchen aus Frottee. Auf die Lätzchen hatten wir einen Krebs sticken lassen und das Motto „Kräftig!“ - ein kleines Wortspiel, denn Krebs heißt auf Schwedisch „kräfta“. Nun waren wir entsprechend gewappnet, hoben die Schnapsgläser, trällerten ein Liedchen, und dann machten sich alle über die Krebse her – nur ich nicht. Ich mag die Konsistenz des Fleisches nicht und kann auch schwer etwas essen, das mich mit kleinen schwarzen Knopfaugen vorwurfsvoll anguckt. Nach dem Essen war es endlich Zeit für das wahre Highlight des Abends, auf das wir alle schon sehnsüchtig gewartet hatten. Thorsten hatte gegen Micha eine Wette verloren, und musste nun seine Wettschuld einlösen: nackt, nur mit einer Hello Kitty-Schürze bekleidet, vor dem Stier über die Weide laufen... Während Thorsten sich in der Scheune auszog, zogen wir Mädels uns um – Maria arbeitet nämlich bei H&M und hatte für uns alle Nachthemden mit Hello Kitty-Design besorgt. Hello Kitty-Tattoos gab es auch noch, und so standen wir dann

da und empfingen Thorsten gebührend in unserem Outfit. Micha hatte für den großen Auftritt auch extra eine Musik-Compilation aus diversen Songs zusammengestellt (darunter ganz groß: „Auf in den Kampf Torero“ von Heino), und so lächelte Thorsten zerknirscht, ließ sich von uns beklatschen und kämpfte sich dann nur mit Schürze und Cowboyhut bekleidet durch den Stacheldraht auf die Weide. Die beiden Kühe und der Stier zeigten sich erst wenig beeindruckt, aber nach kurzer Zeit ging der Stier doch tatsächlich auf Thorsten los und hüpfte wild durch die Gegend. Das Publikum hielt die Luft an (Thorsten sicher auch), aber unser Cowboy schlug sich tapfer und kam dann nach ein paar Minuten leicht zitternd aber stolz wieder auf die sichere Seite des Zaunes. Hier wurde er von uns gehuldigt und bejubelt, wir Mädels ließen

uns vor ihm auf die Knie fallen und verbeugten uns vor unserem Helden, was ihm sichtlich gefiel. Schließlich bekam er auch noch einen Kuss von jeder von uns – na, hat sich das doch gelohnt :-) Als Belohnung für den fantastischen Einsatz überreichten wir ihm dann noch ein Hello Kitty-Kulturtäschchen gefüllt mit allen erdenklichen Hello Kitty-Schätzen wie Nagellack, Parfüm, Duschgel, Bonbons... Eins ist sicher: wir alle werden in Zukunft immer an diese Vorstellung denken, wenn wir irgendwo Hello Kitty sehen... Den restlichen Abend und die Nacht verbrachten wir tanzend, quatschend und trinkend ums Lagerfeuer, während uns der Vollmond zusah. Sascha hatte aus Deutschland für mich auch extra eine ganze Flasche Jägermeister mitgebracht, aber ich ließ mich nicht dazu überreden, mehr als einen O-Saft mit einem Schluck Jägermeister zu trinken. Als die Nacht vorüber und es schon längst wieder hell war, beschloss die Kräftig!-Gruppe, zusammen draußen unter freiem Himmel zu schlafen. Wiebke hatte sich für die Hängematte entschieden (sozusagen als Vorbereitung auf die 5 vor ihr liegenden Monate an Bord der AIDA), und purzelte beim ersten Versuch, sich mit Isomatte und Bettzeug hineinzulegen direkt raus, was sehr lustig aussah. Beim zweiten Versuch klappte es, und Janis, Michael und ich legten uns in sicherem Abstand zur Hängematte nebeneinander hin. Wir fielen sofort einer Mückenattacke zum Opfer, aber der gute Janis machte sich nochmal auf den Weg zum Haus, um das Mückenspray zu holen mit dem wir uns alle einnebelten, was zum Glück auch die erhoffte Wirkung hatte. Als ich nach wenigen und sehr unbequemen Stunden (irgendwie ist man nicht mehr 20, komisch) aufwachte stellte ich mit Erstaunen fest, dass Janis und Michael nicht mehr neben mir, sondern 3 Meter weiter weg lagen. Ich ging davon aus, dass sie vor der Sonne in den Schatten geflüchtet waren, aber nein, den wahren Grund formulierte Janis sehr diplomatisch folgendermaßen „Mann, Yvi, du machst nachts ganz schön merkwürdige Geräusche!“ Naja, immerhin wurde ich diesmal nicht mit Schuhen beworfen...






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