Samstag, Juni 24, 2006

"Ihr könnt nach Hause geh'n..." Achtelfinale Deutschland-Schweden

Bisher habe ich mich für die WM nicht sonderlich interessiert, obwohl ich ja als freiwillige VIP-Betreuerin in Hamburg hätte dabei sein können, was mir auf Grund meines Umzuges nach Schweden versagt geblieben ist. Nun ja, jedenfalls war ich nicht so im Bilde, was die Spiele betraf, merkte nur, dass man an bestimmten Tagen in Stockholm viel blau-gelb auf den Strassen sah. Ich habe mir auch sagen lassen, dass die Stimmung in Deutschland genial ist, was ich wohl glaube, wenn man die WM im eigenen Land hat. Vor ein paar Tagen spielte dann jedoch Schweden gegen England, und am Ende des Spiels stand fest: der nächste Gegner heisst Deutschland, Achtelfinale. Und was titelten die Zeitungen am nächsten Tag? "Achtung Deutschland, nun geht die WM erst richtig los" Die Schweden sind halt in allem äusserst siegessicher und so haben sie sich bereits als Weltmeister gesehen. Es folgten Analysen der deutschen und schwedischen Mannschaft, und natürlich standen die Schweden in allem besser da als die Deutschen - ausser beim Thema "Fans", denn da war auch den Schweden klar, dass die Deutschen Heimspiel haben. Trainer Lagerbäck wurde hochgelobt, als Gott betitelt, das Beste, was Schweden je hatte - und der Journalist gab an, seinen Sohn nach ihm benennen zu wollen. Am Donnerstag erschien in der Zeitung dann die Schlagzeile "Dieses Jahr feiern wir Mittsommer einen Tag später" und als lustige Beigabe gab es ein Tischset zum Ausschneiden mit Klinsmanns Bild in der Mitte und dem Satz "Stell deinen Heringsteller auf Klinsi" darüber und darunter folgte die Erklärung, dass er nun nicht gerade ein Mittsommernachtstraum sei. Die Überschrift des Ganzen lautete: "Neue Tradition dieses Jahr, liebe Leute: Der Mittsommerabend ist nur die Vorfeier. Schmückt die Majstång mit etwas Deutschem und tanzt wie Ljungberg und Zlatan um Ballack. Hebt das Glas für Lagerbäck, pflückt 7 Sorten Spieler, legt sie unters Kissen und träumt vom Viertelfinale. Hier ist das perfekte Tischset für das Mittsommerfest des Jahres" Ein Platz für den Heringsbecher war eingezeichnet, einer fürs Schnapsglas, und einige Trinklieder waren abgedruckt, deren Texte entsprechend umgedichtet waren und die schwedischen Spieler aufs Höchste lobten und anfeuerten. Und 7 Konterfeis schwedischer Spieler waren auf Blümchen abgedruckt mit dem Satz, dass man doch diese 7 Blumen unter dem Kopfkissen haben sollte (nun gut, ich muss schon zugeben, dass die Schweden recht hübsche Knaben in der Mannschaft haben, und sonst so überall anders übrigens auch...) Ein gewisser Nationalstolz lässt sich als Auswanderer nun ja nicht verleugnen, und da Hardi mir auch ein Trikot geschenkt hatte, war klar: das Spiel wird geguckt - und zwar öffentlich. Nun hatte ja Simone eben wie bereits erwähnt 3 Freundinnen zu Besuch, und so trafen wir uns pünktlich zum Anpfiff in einer Kneipe am Rande der Altstadt. Dort war ausser uns noch eine weitere Gruppe deutscher Frauen und ansonsten einige Typen in blau-gelb. Tja, und wir brauchten uns nicht lange gedulden - schon fiel das erste Tor für Deutschland. Wir jubelten, und die Schweden guckten böse. Nur ein paar Minuten später jubelten wir wieder und wurden dann Zeuge, wie sich die Minen der anwesenden Schweden im Laufe der Zeit immer weiter verdunkelten. Deutschland war klar die bessere Mannschaft, obwohl die Schweden sich gut gehalten haben, dafür, dass sie bereits in der ersten Halbzeit wegen Rot nur noch zu zehnt spielten. Gleich nach dem Spiel kam die Frage auf, ob der Trainer nicht lieber gehen sollte - nix mehr von "das Beste..." Nun ja, vielleicht sollten die Schweden von Zeit zu Zeit mal Realist bleiben. Vielleicht können sie sich ja damit trösten, dass sie gerade Hallenhockey-Weltmeister geworden sind, und im Eishockey sind sie ja auch sehr gut. Aber der Fussball, der bleibt der Sport der Deutschen :-)