Deutsche Tradition und Bullerbü-Feeling
Nicht nur bei Euch in Deutschland ist der Sommer ausgebrochen, sondern auch hier in Stockholm. Und so wurde er am Freitag mit dem ersten Spargel des Jahres begrüsst. Und zwar mit deutschem. Michael, Simones Freund, hat ihn extra am Nachmittag
beim Bauern geholt und ihn dann nach Schweden eingeflogen - denn Spargel ist hier nicht so bekannt. Es gibt ein paar Stangen von dem Grünen, aber weissen Spargel sieht man hier nie. Also haben wir drei ein wunderbares Spargelessen veranstaltet, schön mit Schinken und Buttersauce und Kartoffeln. Mjamm. Und zum Nachtisch gab es Erdbeeren. Ok, das war allerdings noch etwas früh... Aber es schmeckte trotzdem nach Sommer! Freitag war es auch schon recht warm abends, und für das Wochenende war herrlichstes Wetter angesagt. Simones Mutter ist Schwedin, und die Familie hat den Hof der Oma geerbt, der ca. eine Stunde von Stockholm entfernt liegt. So ein richtiges ländliches Schwedenidyll, und da sollte es übers Wochenende hingehen - und ich durfte mit! Als wir am Samstagmorgen die Stadt mit dem Leihwagen verliessen, stellten wir fest, dass es innerhalb der letzten Woche doch schon recht grün geworden war. Die Natur explodiert hier wirklich regelrecht. Ich gucke von meinem Zimmer aus auf Bäume runter, und zum Beginn der Woche war da noch gar nichts zu sehen. Aber dann konnte man von Tag zu Tag den Blättern beim Wachsen zugucken, echt unglaublich. Und so fuhren wir also gestern mit T-Shirts bekleidet und Sonnenbrillen auf der Nase nach Ulrikslund, wie der Hof heisst, um ein sonniges Wochenende auf dem Land zu verbringen. Und es ist
echt wunderschön dort. Neben dem Haupthaus gibt es auf Ulrikslund noch mehrere Nebengebäude, alle im typischen Rot. Simone und Michael wollen alles nach und nach renovieren. Da liegt noch eine Menge Arbeit vor den beiden, aber wenn alles mal fertig ist (inklusive Sauna im Hühnerstall) wird es wunderwunderschön sein. Es ist eben einfach so, wie man sich Schweden vorstellt. Heute Morgen war ich als erste auf und da es wirklich superwarm war, legte ich mich in meiner Schlafanzughose und T-Shirt auf die Wiese, hielt die Nase in die Sonne und lauschte dem Zwitschern der Vögel, dem Summen der Insekten und ab und zu den Autos, die auf der nahen Strasse vorbeifuhren, aber es war echt entspannend und total schön. Und plötzlich dachte ich nur "Hm, hört sich an, als wenn da ein Auto kommt", und als ich aufblickte, fuhr tatsächlich ein Auto an mir vorbei, aus dem mich zwei verwunderte Augenpaare anstarrten, die mich vermutlich für einen Einbrecher hielten. Ich schlussfolgerte, dass es sich um Simones Tante und Onkel handeln müsste, also schlappte ich in meiner äusserst kleidsamen Schlafanzughose dem Auto entgegen, und rief, als die beiden mich gerade zur Rede stellen wollten, dass ich eine Freundin von Simone sei. Was die wohl gedacht haben, als sie mich da so auf Omas Wiese liegen sahen? Sie wussten nämlich nicht, dass Simone am Wochenende kommen wollte. Aber so plauderten wir kurz, und dann fuhren die beiden wieder weg.
Als Simone und Michael dann auch aufg
estanden waren, deckten wir auf der Wiese einen Tisch und frühstückten in der Sonne. Oh Mann, es fühlte sich echt an wie Urlaub. Und wir konnten uns nicht vorstellen, dass wir vor wenigen Wochen noch Winter hatten. Simone erzählte, dass Ende März auf Ulrikslund noch ein Meter Schnee lag. Und jetzt sassen wir hier im T-Shirt! Und holten uns natürlich einen Sonnenbrand. Simone am linken Arm, ich am rechten... Auf dem Rückweg waren wir noch in einem riesigen Antiqitätenladen. Dort gab es alles von wunderschönen alten Möbeln über ausgestopfte Tiere (unter anderem ein Känguru!!) bis hin zu Krimskrams, Büchern, Schallplatten, Bildern und allem möglichen Kitsch. Aber vor allem waren die Möbel extrem billig. Da weiss ich doch schon, wo ich unbedingt mal hin muss, wenn ich endlich eine eigene Bleibe habe... Schliesslich fuhren wir weiter nach Stockholm - und trauten unseren Augen nicht. Überall war es soooo grün, die Magnolien und Kirschbäume standen zum Teil in voller Blüte - und das innerhalb von einem Tag! Bei mir zuhause guckte ich ans andere Ufer - und ich schwöre: gestern morgen war alles noch braun, und heute ist es grün. Es ist unglaublich, wie die Natur hier nach einem so langen Winter explodiert...


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