Inneboende - mein Leben als Untermieter
Nun bin ich ja bereits seit 3 Wochen Untermieter - oder eben "inneboende", wie man auf Schwedisch sagt - bei Glenn und Anita, und es gibt schon so einige kleinere Anekdoten und Auffälligkeiten zu berichten. Als erstes fällt mir immer die Aussicht ein, aber darüber habe ich ja schon geschrieben. Sie ist immer noch unglaublich. Was mir dann beim Einzug als zweites auffiel war, dass die Küche etwas dreckig ist. Ich frage mich, ob das bei den Schweden so normal ist? Als ich vor 5 Jahren während meines Praktikums bei meinem lieben Vermieter Herbert wohnte, war die Küche auch schmuddelig. Ausserdem riecht es in den Schränken und im Kühlschrank sehr nach Essig. Ich vermute, ich habe damit Anitas Hobby entdeckt: Einmachen. In jedem Schrank stehen Unmengen Essiggurken, eingemachte Rote-Beete und andere eingelegte Gemüsesorten. Wahrscheinlich hat sie nichts besseres zu tun den Sommer über in ihrem Häuschen auf dem Lande. Sehr speziell ist in Schweden auch immer das Badezimmer. Denn die Badewannen und Duschen sind meistens nicht integriert, gefliest und mit Silikon verspachtelt, so wie wir es kennen. Bei Duschen ist es oft so, dass die Brause einfach aus der Wand kommt, und man mitten im Raum duscht, so dass alles nass wird. Es gibt auch keine Duschwanne. Im Boden befindet sich einfach ein Abfluss, der etwas tiefer gelegt ist, so dass alles Wasser da reinläuft. Hier bei Glenn und Anita gibt es nur eine Badewanne. Und die steht sozusagen frei. Man kann also hinter und unter die Wanne gucken. Aus dem eigentlichen Badewannen-Abfluss geht dann ein Schlauch in den Abfluss, der im Boden eingelassen ist. Wenn man also in dieser Wanne duscht, läuft das Wasser auch an der Wand runter auf den Boden. Ich finde das alles etwas merkwürdig. Der Boden ist auch nicht gefliest, sondern es handelt sich einfach um PVC. Jedesmal nach dem Duschen habe ich die Befürchtung, dass der Nachbar von unten kommt und sagt, dass es durch die Decke tropft. Aber es scheint alles zu funktionieren. Es ist nie Wasser VOR der Wanne, also läuft tatsächlich alles von hinten gleich in den Abfluss. Naja, ich weiss nicht, ob das alles so richtig ist... Aber ich bin ja noch in Deutschland haftpflichtversichert - was soll's... Ein Erlebnis war auch, als ich das erste Mal gestaubsaugt habe. Denn ich glaube, das hat sehr lange vor mir keiner gemacht. Es knuschelte und knisterte und klackerte nur so im Saugrohr, es war eine echte Freude. Und vor allem saugte ich soviele Katzenhaare auf, dass ich mir daraus tatsächlich eine hätte basteln können. Glenn und Anita haben nämlich zwei Katzen (die natürlich nicht hier, sondern im Haus sind), und die sind auch noch weiss, so dass man die Haare auch schön auf all meinen schwarzen Klamotten sieht. Beim Saugen stiess ich auch zweimal auf kleine wuschelige Spielmäuse, die an unübersichtlichen Stellen versteckt lagen, und mir einen ordentlichen Schrecken einjagten... Himmel. Da lagen sie und guckten mich mit frechen Knopfaugen an. Uah. Interessant war aber, dass ich zum ersten Mal nicht haufenweise meine Haare in der Staubsaugerbürste hatte, sondern eben ganz viele weisse Katzenhaare. Endlich haart mal jemand mehr als ich! Schön war auch, als ich nach dem ersten Waschen meine Klamotten aus der Maschine holte. Katzenhaare, über und über. So holte ich mir auch mit als erstes einen dieser Fusselroller mit Klebefolie. Eine tolle Erfindung ist das, das muss ich schon sagen. Glenn an sich ist ca. zweimal die Woche über Nacht hier, weil er dann scheinbar am nächsten Morgen Termine hat. Lustigerweise ist er immer genau an den Abenden da, an denen ich was vorhabe. Meistens sitze ich ja nun ab 18:30 hier und drehe Däumchen, weil ich keine Sau kenne, aber immer wenn ich mich mit Simone treffe (die Düsseldorferin, die ich vorher übers Internet kennen gelernt habe, und die auch im April hier angefangen hat zu arbeiten) oder wie letzte Woche mal abends eine Firmenveranstaltung (Restaurants ansehen und in einem fürstlich speisen) habe, dann ist Glenn da. Er muss mich für eine echte Partymaus halten. Besonders, weil er früh ins Bett geht. Und wenn ich dann um halb elf komme, ist schon alles dunkel. Dafür steht er aber auch um 6 auf, und klappert dann ewig so laut mit Pfannen, Tellern, Tassen und der Kühlschranktür in der Küche rum, dass ich wach im Bett liege und mich frage, ob er sich wohl zum Frühstück ein 4-Gänge-Menü kocht. Er ist sehr nett und hilfsbereit und fragt immer, was ich so mache, wie es mir geht und versucht mir immer weiszumachen, dass mein Schwedisch so gut ist. Leider muss ich ihm im Laufe dieser Woche sagen, dass die Halter der Kleiderstange in meinem Schrank der Belastung durch meine Klamotten nicht standgehalten haben. Ich war schon im Baumarkt und habe nach Ersatz gesucht; aber nichts in der richtigen Grösse gefunden. Dafür aber welche mit Schrauben, vielleicht ist das Ganze dadurch dann auch stabiler. Hach. Wahrscheinlich wird er mich nur mit seinen stahlblauen Augen (manchmal glaube ich, dass er damit durch Wände gucken kann) angucken, mir versichern, dass es nichts macht, und sich der Sache annehmen. Mal gucken wie es wird, wenn irgendwann alle Grünpflanzen in der Wohnung eingegangen sind... Ich habe den Auftrag, sie zu giessen. Und Ihr wisst ja, dass meine Pflanzen zu 90% aus Plastik sind, und das nicht ohne Grund. Ich bemühe mich wirklich, mich hier um all die Orchideen, Gummibäume, Azaleen und Palmen zu kümmern, aber kann für nichts garantieren...


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