Jens, mein Held
Am Mittwoch meinte meine eine Kollegin ganz ernst zu unserer Chefin: "Anette, wir haben da ein Problem. Am Freitag um 17 Uhr spielt Deutschland im Viertelfinale..." woraufhin Anette ganz locker meinte: "Naja, dann schliessen wir eben das Büro und gehen alle zusammen irgendwohin!" Das nenn ich doch mal aufmunternd. Alle wollten/konnten nicht mit, aber immerhin zu sechst zogen wir heute los. Wir hatten einen Tisch reserviert in einer amerikanischen Sportsbar. Zusätzlich zu den Grossbildleinwänden gab es in jeder Sitznische einen eigenen kleinen Bildschirm, was natürlich richtig cool war. Ich war als erste da und stellte fest, dass auf unserem Bildschirm Tennis lief... Man konnte/sollte/durfte das nicht selber ändern, so dass ich einer Bedienung Bescheid sagen musste, die dann etwas mürrisch guckend auf Fussball umstellte. Schliesslich kamen auch meine Kolleginnen, und es ging los. Ziemlich schnell war klar, dass die anwesenden Schweden komplett für Argentinien jubelten, nachdem die bösen Deutschen die blau-gelbe Mannschaft letzte Woche aus der WM gekickt hatten. Umso lauter mussten wir 6 grölen, jubeln, klatschen, stampfen und schreien. Panik ergriff uns immer zwischendurch, wenn der übertragende schwedische Fernsehsender einblendete, dass ab nun ein anderer Sender das Spiel überträgt, und natürlich alle Bildschirme auf den neuen Sender umsprangen - nur unser nicht. Wobei das zu Beginn auch nichts machte, denn zwischendurch fragte ich mich, ob das nicht doch Tennis ist (Ball nach links, Ball nach rechts, Ball nach links...) oder Ringen oder einfach nur lustiges der-Reihe-nach-Hinfallen-und-schmerzverzehrt-Gucken. Die zweite Ha
lbzeit war ja dann auch viel besser, und das Elfmeterschiessen war natürlich der Oberhammer. Jens Lehmann, was soll ich sagen. Ein
wahrer Fussballheld. Hält 2 Elfmeter und hebt bescheiden den Arm, während die Nation vollends aus dem Häuschen ist, Frau Merkel dem frisch vermählten Herrn Beckenbauer in die Arme fällt, und wir paar Deutschen in der Stockholmer Sportsbar mit unserem Freudengeschrei die Gläser zum Bersten bringen. Neeeee, was ist das herrlich, sich über solche Banalitäten freuen zu können, und zu jubeln, als hätte man selber den Ball gehalten... Und diese Genugtuung, dass die Schweden schon wieder dumm aus der Wäsche gucken. Hach. Vor lauter Stolz habe ich sogar mein Trikot angelassen und bin damit stolz grinsend nach Hause geradelt. Auf ins Halbfinale!


0 Comments:
Kommentar veröffentlichen
<< Home