
Heute habe ich meines Erachtens nach den schönsten schwedischen Brauch kennen gelernt. Lucia. Jedes Jahr am 13. Dezember wird in Schweden Lucia gefeiert, die Königin des Lichts. Die heilige Lucia war eine sizilianische Märtyrerin und wurde der Legende nach an einem 13. Dezember vermutlich im Jahre 303 oder 304 begraben. Dieser Tag war ausserdem nach dem alten Kalender der Tag der Wintersonnen

wende, also die längste Nacht des Jahres - deswegen liegt die Sache mit dem Licht nahe. Der Tag fängt früh an, denn um die Feierlichkeiten auskosten zu können, muss es noch dunkel sein. Ein "Luciazug" besteht aus einem Haufen Kinder bzw. Jugendliche, und es gibt jeweils eine Lucia, die der Tradition gemäss "Licht im Haar" haben soll. Dazu gibt es spezielle Lichterkronen, die auf dem Kopf getragen werden können und mit brennenden Kerzen geschmückt sind. Die Lucia hat ein Gefolge von Jungfern (ein Pulk von Mädchen, die zutiefst enttäuscht sind, dass sie nicht die Lucia sein dürfen) und Sternknaben (Jungs, die hoffen, dass sie von keinem erkannt werden), und alle sind in lange, weisse Gewänder

gehüllt und halten eine Kerze in der Hand. Langsam und bedächtigt zieht die Lucia mit ihrem Gefolge singend durch den Kindergarten/die Kirche/die Schule/das Altenheim/die Firma (je nachdem, was für eine Vereinigung dahintersteckt), und alle schauen ganz bedächtig zu. Ich habe mir so ein Luciakonzert heute morgen im Fernsehen angeschaut (einige Bilder seht Ihr hier), und muss sagen, dass das Ganze wahnsinnig stimmungsvoll ist. Das Dunkel wird nur von den brennenden Kerzen erhellt, dazu die weissgekleideten Sänger und die schönen Lieder - hui, da wird einem doch heimelig ums Herz. Es ist einfach eine sehr nette Tradition, und nach Mittsommer vermutlich die belie

bteste. Zu dem Tag gehört auch ein Safran-Gebäck mit Rosinen, Lussekatter genannt. In der Firma hatten wir eine kleine kombinierte Lucia- und Weihnachtsfeier. Wir hatten zwar keine Lucia, und haben auch nicht gesungen (schade eigentlich), aber nach einem leckeren Essen im Büro sind wir in eine Kirche gegangen und haben uns dort ein Luciakonzert angesehen. Ich war schon sehr ergriffen, muss ich sagen. Ich meine, Chormusik rührt mich eh schon immer zu Tränen, und dazu noch diese schöne Stimmung... Toll. Allerdings habe ich mich den ganzen Tag gefragt, wie das eigentlich mit den Kerzen auf dem Kopf ist. Sind die besonders tropfsicher? Antwort: nein. Der armen Lucia in der Kirche ist das flüssige Wachs sogar über das Auge und die Wange gelaufen, aber sie hat einfach tapfer weitergesungen. Tja, die echte Lucia war ja wie gesagt

eine Märtyrerin, da muss man schon was aushalten können. Ich habe mir sagen lassen, dass man ca. eine Woche braucht, um das Wachs ganz aus den Haaren zu bekommen. Natürlich gibt es auch elektrische Lichterkronen mit Batteriebetrieb, aber die sind halt nicht so schön, und vor allem gibt es auch da Horrorgeschichten über Kurzschlüsse, verschmorte Haare und heissgewordenes Metall... Aber trotz alldem ist es wahrscheinlich der Traum eines jeden schwedischen Mädchens, einmal die Lucia zu sein. Ich wurde allerdings aufgeklärt, dass es in Kindergärten aus pädagogischen Gründen zum Teil 14 Lucias gibt, und auch so manch kleiner Junge lieber Lucia als Sternjunge sein will. Ansonsten wählt jede Stadt, die was auf sich hält, ihre eigene Lucia; zum Teil ist das Ganze schon recht kommerziell - behält aber trotz allem seinen besonderen Zauber. Mir jedenfalls hat's gefallen. Sehr.
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