Reif für die Insel
Ich hatte diese Woche Urlaub und habe das genutzt, um ein paar Tage bei meiner ehemaligen Gebeco-Kollegin Tonja zu verbringen. Sie wohnt mit ihrem Freund Ties auf Koster, einer autofreien Inselgruppe an der Westküste Schwedens, an der Grenze zu Norwegen. Jetzt, Anfang August, war es laut Tonja und Ties schon wieder etwas ruhiger, da nun langsam die Nebensaison anfängt. Die Landschaft auf Koster ist sehr abwechslungsreich, obwohl die Inseln nur so klein sind. Es gibt Felder, Wiesen, Wälder, Heideflächen, Sandstrände und natürlich die für
Westschweden so charakteristischen Felsen. Und schon auf der Fährfahrt von Strömstad nach Koster merkte man, dass es sich hier um die richtige See handelt - die Luft war salzig, das Wasser machte ordentlich Wellen und es roch nach Meer. Die Stockholmer sind ja immer so stolz auf ihre Schären, die ja auch schön sind, aber mit echtem Meer hat das Ganze nicht so viel zu tun... Auf Koster gehen die Uhren natürlich anders, was ich gleich am ersten Tag merkte. Ich war mit Ties auf dem Weg von Süd- nach Nordkoster. Als wir zur Fähre kamen, die beide Inseln verbindet, hatte diese gerade abgelegt. Aber der Fährmann sah uns und kam wieder zurück. Ich musste aber am Automaten erst noch ein Ticket ziehen, und rief das voller Panik dem Fährmann zu, Himmel, jetzt war er extra für uns zurückgekommen, und ich trödelte so rum. "Ooooch," sagte er "keine Eile, wir haben doch Zeit, mach ganz in Ruhe". Aha, ich bin wohl doch ganz schön ans hektische Großstadtleben gewöhnt... Tja, viel passiert ist in dem Sinne nicht, ich habe es ruhig angehen lassen. Tonja arbeitet in einem Café, da wurde ich i
mmer bestens verpflegt, ansonsten haben wir das supertolle Wetter genossen und waren am Montag in der Region Dalsland, wo ich es sogar gewagt habe, in einem See zu baden! Ich! Wo ich doch so wasserscheu bin, wenn es weniger als 28 Grad sind (im Wasser, nicht in der Luft). Es war natürlich zu kalt zum Schwimmen (für mich zumindest), aber ich bin sogar einmal vom Dreier in den See gehopst - an das letzte Mal, dass ich das gemacht habe, kann ich mich nicht mal erinnern. Muss noch zu Wolfsburger Zeiten gewesen sein... Ansonsten bin ich sehr beeindruckt von Tonjas und Tie
s' Lebensweise auf Koster. Die beiden arbeiten hauptsächlich für eine Stiftung, die sich um die Vorarbeiten eines Nationalparks kümmert, der auf/um Koster herum entstehen soll. Zu den Arbeiten gehören Roden, Müll sammeln, Schilder aufstellen etc. Ties hilft nebenbei noch dem örtlichen Bauern beim Heu machen, Tonja arbeitet zusätzlich im Café. Ist schon etwas anderes als ein fester Bürojob. Die beiden sind also viel draußen, zu jeder Jahreszeit wohlgemerkt, und arbeiten vor allem körperlich. In ihrer Freizeit gehen sie dann baden, paddeln, schnorcheln, laufen und radeln - ich bin wirklich beeindruckt von so viel Bewegung. Und sie haben sich wirklich ein wunderschönes Fleckchen Erde ausgesucht - jetzt wünsche ich den beiden nur viel Glück bei der Wohnungssuche; denn das scheint noch schwieriger zu sein, als mitten in Stockholm eine Mietwohnung zu bekommen...


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