Montag, Juni 25, 2007

Midsommar auf Ulrikslund

In einer dämmrigen Nacht mit Blumenkranz auf dem Kopf zu diesem Lied (Come to me) Hand in Hand mit phantastischen Menschen um einen selbst gebauten Maibaum zu tanzen - das ist wohl Glück... Aber hier von Anfang an...
Im Laufe der Zeit hat sich Simones und mein Freundeskreis etwas ausgeweitet. Zuerst kam E. P.-F. aus M. jetzt wohnhaft in S. (auch Elena genannt) hinzu, die mit ihrem schwedischen Freund Torbjörn direkt unter Simone wohnt. Und als Simone einmal mit Micha essen war, hörten sie drei Tische weiter ein Pärchen, das auch Deutsch sprach. Nicht lang gefackelt, und schon gehörte Maria mit in den erlesenen Kreis, zusammen mit ihrem schwedischen Freund Samuel. Schließlich stieß Katrin zu uns, für ein Jahr in Schweden und Freundin von Sascha, einem ehemaligen Kollegen von Simone aus Köln. Wir fünf deutschen Mädels haben jetzt regelmäßig richtig nette Abende bei einer von uns zu Hause, oder wir erkunden das Nachtleben oder werden demnächst den schwedischen Sommer genießen - angefangen haben wir damit jedenfalls schon am Mittsommerwochenende. Simone kam irgendwann im Frühjahr auf die Idee, Mittsommer doch mit allen zusammen auf Ulrikslund zu feiern, ihrem Haus auf dem Land. Genialer Plan! So planten wir dann das ganze Spektakel mit allem drum und dran, und am letzten Freitag ging es schließlich los. Meine vier Mädels mit ihren Freunden, Florian und Astrid, die mit Elena befreundet sind und zu Besuch in Stockholm waren, und ich trafen uns am frühen Nachmittag in Ulrikslund, um Mittsommer auf ganz traditionelle Weise zu feiern. Andreas musste leider im letzten Moment absagen - und hat richtig was verpasst! Micha und Sascha hatten extra tonnenweise Alkohol im Auto aus Deutschland angefahren, sowie richtige Würstchen (bei neun Deutschen muss doch wohl gegrillt werden). Nachdem wir dann die Massen mit Einkäufen ausgepackt hatten wurden zur Stärkung erstmal ein paar Nürnberger gegrillt, und dann machten die Männer sich ran an ihre große Aufgabe: einen Maibaum zu bauen. So zogen sie mit Axt und Säge bewaffnet in den Wald und kamen bald mit der Beute zurück. Da sie uns weismachen wollten, es handele sich bei einem Maibaum um ein Phallus-Symbol, um das wir Mädels dann rumtanzen würden, wunderte es mich doch nicht, dass das Ganze schließlich größer ausfiel als erwartet. Wir hatten ja eigentlich damit gerechnet, dass wir mangels Maibaum-Erfahrung mit einer Sparversion auskommen werden müssen - aber nein, die Jungs haben ganze Arbeit geleistet, einen schiefen, aber schönen und ca. vier Meter hohen Baum gebastelt, alles mit Birkengrün umwickelt und dann sogar auch noch geholfen, ihn mit Blumen zu schmücken - obwohl sie vehement darauf bestanden, der Teil sei eigentlich Frauenarbeit. Schließlich wurde ein Loch in den Boden gerammt, der Baum aufgestellt und gestützt. Wow, da stand es, das Meisterwerk, tausenmal besser als erwartet. Zwischenzeitlich hatten wir Frauen auch schon unsere Blumenkränze gebastelt, im Hintergrund lief schwedische Musik, zwischendurch gab es Milchkaffee, dann Würstchen, wir lachten, aßen, tranken, wickelten, hämmerten, fotografierten, schnitten und banden - das Ganze fühlte sich so idyllisch an, dass man beinahe hätte platzen können vor Freude über so einen Nachmittag. Kann das Leben nicht immer so sein? Dann war ersteinmal Fotosession angesagt. Auf Grund der Wetterlage hatten wir den Dresscode vom weißen Sommerkleidchen auf Jeans und weiße Bluse geändert und die Jungs auch mit einbezogen. Nun fotografierten wir wie wild die Jungs zusammen, die Mädels zusammen und schließlich alle zusammen. Sich einmal im Leben wie ein Model fühlen... Nachdem dann also die kreativen Aufgaben fürs Erste erfüllt waren, hatten einige den Drang, sich sportlich zu betätigen. Also ab aufs Feld (herrlich, wenn man so viele Möglichkeiten hat) und Brännboll gespielt, also eine schwedische Version von Baseball. Ich habe das Ganze lieber in Fotos festgehalten und zugesehen, was auch sehr lustig war. Maria hatte sich danach dann auch noch ein paar lustige Spiele ausgedacht für einen Mädels-gegen-Jungs-Wettstreit, und da ich solche Spiele schon immer gehasst habe, durfte ich Schiedsrichter sein; konzentrierte mich aber irgendwie mehr aufs Fotogafieren. Danach fingen wir Mädels langsam an, den Tisch zu decken und den Garten ganz in blau-gelb zu dekorieren, während die Jungs sich immer noch nicht ausgetobt hatten und nochmal was spielten. Schließlich machten wir uns aber daran, den Grill wieder anzuheizen und auch das Essen vorzubereiten. Wir bauten ein Buffet auf, das aus dem sehr traditionellen Teil eingelegter Hering, neue Kartoffeln, Sauerrahm, Käse, Knäckebrot und zum Nachtisch Erdbeeren bestand und erweiterten mit Grillfleisch und Würstchen, Tomate/Mozzarella und Elenas selbst gebackenem Kladdkaka, einem schwedischen Schokokuchen. Torbjörn hatte sich die Mühe gemacht, einige schwedische Trinklieder zusammenzustellen, denn natürlich gehört auch Schnaps zu einem ordentlichen schwedischen Fest. An den hatte allerdings keiner gedacht, und so mussten Simone und Micha noch in ihren Vorräten krammen und brachten eine Flasche Bacardi mit Himbeere zu Tage. So saßen wir da also unter unserer Schweden-Deko, sangen und aßen. Das Wetter hielt sich, grauer Himmel aber kein Regen. Als es zu dämmern anfing schleppten die Jungs eine alte, abgeschnittene Tonne an, die sich wunderbar für ein Feuer eignete. Und so konnten wir die ganze Nacht draußen am Feuer sitzen ohne dass uns kalt wurde. Das alles natürlich mit Musikuntermalung. Ipod an die Anlage angeschlossen, Lautsprecher ins Fenster gestellt, super. Zu etwas späterer Stunde fingen wir dann auch an, im Diskoschritt um den Baum zu tanzen, und schließlich kam es zu anfangs beschriebener Szene. Nachdem es dann doch anfing zu regnen, verzogen wir uns doch nach drinnen und feierten noch ein bißchen weiter. Als es Zeit war, ins Bett zu gehen, verschwand ich nochmal nach draußen, um sieben Blumen zu pflücken. Die kamen wie letztes Jahr in eine Plastiktüte ("Das ist ja wie ein Kondom, das kann doch nicht gehen" bemerkte Flo) und dann unter mein Kopfkissen. Aber auch diesmal suchte mich nicht mein zukünftiger Ehemann im Traum heim, sondern tatsächlich die zehn Menschen, mit denen ich diesen tollen Tag verbracht hatte. Hm, irgendwie habe ich da kein Glück mit diesem Brauch. Leider war der nächste Tag total verregnet, so dass auch alle nach dem späten Frühstück langsam aufbrachen. Natürlich erst nachdem wir festgelegt haben, dass wir nun jedes Jahr feiern. Samuel und Torbjörn haben noch gesagt, dass sie noch nie so ein schwedisches Mittsommer gefeiert haben. Tjaha, da müssen erstmal neun Deutsche auftauchen! Tja, und wenn man dann so wegfährt, einen Blick zurück, da wird einem doch wehmütig. Wie schnell eben doch so ein Tag vergeht, auf den man sich so gefreut hat... Dafür haben wir schöne Erinnerungen, haufenweise Fotos und Videos, und die Gewissheit, dass das nicht das letzte gemeinsame Fest gewesen sein wird. Ich kann jedenfalls sagen: mir hat es unglaublich viel Spaß gemacht. Und Mädels: ich bin sehr froh, euch zu haben! Erstaunlich, wie schnell man Menschen doch ins Herz schließen kann...

2 Comments:

Anonymous Anonym said...

Ganz viel Lob Yvonne: Super Text über eine tolle Party!!! Ich muß aber dann doch wegen unserer männlichen Ehre darauf hinweisen, dass unsere Maibaum-Premiere die unfassbare Höhe von 7,50 Metern hatte und daher Deine hier erwähnten 4 Meter doch arg untertrieben sind. Ich bin im Besitz entsprechender Beweisfotos auf denen Sascha's geschätzte Größe von 1,70 Metern etwa 4,5 fach übereinandergestellt die Höhe des Maibaums ergibt, auch ohne dabei unter männlich verzerrter Längenwahrnehmung (wg. Phallus-Symbol und so) zu leiden. ;-)

Dienstag, 26 Juni, 2007  
Anonymous Anonym said...

Hi Yvi!
Ganz tolle Blogg. Hier kann man ja richtig etwas uber die Schwedische Kultur lernen. VG//T

Dienstag, 26 Juni, 2007  

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