Vor anderthalb Wochen knallte mir meine Chefin Anette einen Autoschlüssel auf den Schreibtisch mit den Worten "und nun fährst du mal ein bißchen". Ich hatte ihr näml

ich mal erzählt, dass ich seit fast 2 Jahren kein Auto mehr gefahren bin und nun entsprechend Respekt davor habe, bzw. mich eigentlich gar nicht mehr traue, schon gar nicht in der Großstadt. Sie hat gerade vorübergehend einen alten Skoda hier und meinte eben, mir etwas Gutes tun zu wollen. Zerknirscht sagte ich "ok" und lächelte etwas gequält. Den restlichen Tag konnte ich nur noch daran denken, wie ich es wohl schaffen würde, nach Feierabend nach Hause zu kommen. Mutig setzte ich mich dann also hinters Steuer, und stellte 15 Minuten später überracht fest, dass ich vollkommen problemlos Nacka Strand erreicht hatte. Ich hatte den Wagen weder abgewürgt noch mich verschaltet, und den Weg habe ich auch gefunden. Ich war sehr stolz auf mich! Ich hatte erwartet, dass ich erstmal Fahrstunden nehmen müsse, bevor ich mich wieder in den Straßenverkehr trauen würde, aber nein, alles bestens. So kurvte ich dann letztes Wochenende durch die Gegend, durch die Stadt, über die Autobahn, ich parkte rückwärts am Berg ein - alles easy. Auch die oftmal
s zweispurigen Kreisverkehre meisterte ich, obwohl ich immer noch nicht so genau weiß, wie man da fahren soll, und warum manche Schweden links blinken. Das ist doch absurd. Schließlich kam doch sogar ein bißchen die Sehnsucht nach einem eigenen Auto hervor und wehmütig gedachte ich Harry und Eddie, meinen beiden ehemaligen roten Gefährten. Aber nachdem ich vor Simones Tür ewig einen Parkplatz suchte und ansonsten auch recht viel für Sprit und Parkgebühren zahlte, dachte ich mir doch, dass es sich bei einem Auto in der Großstadt um teuren Luxus handelt. Irgendwann mal, aber nicht jetzt... Jedenfalls genoss ich es trotzdem, ein bißchen Freiheit zu haben, machte Großeinkäufe, transportiere Blumen von Andreas' Wohnung zu meiner (er ist nach

Leverkusen gezogen und hat mir seine Pflanzen vererbt, ich habe versprochen zu versuchen, sie am Leben zu halten) und machte am Montag einen Ausflug in den Tyresta Nationalpark, ca. 25 km südlich der Stadt. Da stellte ich den Wagen ab und machte eine Wanderung durch einen "Urwald", der eben so heißt, weil der Wald so gelassen wird, wie er ist, ohne dass Menschen auf ihn Einfluss nehmen. Naja, für mich sah er auch nur aus wie ein normaler Wald, aber schön war es trotzdem. Toll, wenn man einfach mal zu anderen Zielen kommen kann. Im Moment plane ich als nächste Aktion an meinem Geburtstag einen Ausflug nach Kloten, den Ort, in dem meine Schwedenliebe 1992 begann.
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