Sonntag, Januar 20, 2008

Wasser ist der größte Feind der Schokolade!

Zu meinem Geburtstag hatte ich von meinen Stockholmer Freundinnen einen Gutschein für einen Pralinenkurs bekommen, und den haben wir schließlich gestern alle zusammen gemacht. An einer Art Volkshochschule fand der statt, geleitet von Mia, einer relativ bekannten Stockholmer Backbuchautorin. Der ganze Kurs bestand aus zehn Teilnehmern, außer uns sechs Mädels waren noch zwei weitere Mädels da und dann noch zwei Typen, die allerdings aussahen, als wollten sie zu einem Kurs, in dem man an Motorrädern rumschraubt. Es waren also wirklich große, männliche Männer mit Muskeln und Testosteron im Blut, so ganz anders, als die Schweden, die mir bisher so begegnet sind. Aber das nur mal am Rande. Nach einer kurzen Einleitung von Mia ging es dann los, wir schlossen uns in Zweiergruppen zusammen, banden unsere Schürzen um und fingen an, Schokolade zu hacken, Sahne abzuwiegen und Kokosmilch zu erwärmen. Wir kicherten und witzelten, und es dauerte nicht lange, bis Mia lautstark verkündete, dass sie Deutschland zwar total toll fände, aber dass sie uns doch bitten würde, heute Schwedisch zu reden, sonst würde ihr der Kopf schwirren, und wir würden doch die anderen ausgrenzen. Damit katapultierte sich Mia sympathiemäßig bei uns natürlich ins Aus. Am Anfang versuchten wir netterweise trotzdem, miteinander Schwedisch zu sprechen, aber da wir uns dabei total albern vorkamen, hörten wir auch ziemlich schnell wieder damit auf. Leider zeigte sich, dass dies nicht Mias einziger Fauxpas bleiben sollte. Es stellte sich bald heraus, dass unsere Kursleiterin recht energisch und bestimmend war. Immer wenn sie der Allgemeinheit etwas zeigen oder sagen wollte befahl sie uns regelrecht, sofort alles stehen und liegen zu lassen und gefälligst still zu sein. Und wehe, man wollte sich noch schnell die Hände waschen, hörte nicht unmittelbar auf, Schokolade zu hacken oder nahm sich schonmal ein Utensil, bevor Mia zuende geredet hatte, da gab es dann ordentlich Bescheid. Wir fühlten uns etwas an Schulzeiten erinnert... Ich meine, wir haben umgerechnet ca. 80 EUR pro Person bezahlt, da wird man ja wohl selber bestimmen dürfen, wie intensiv man zuhört? Nein, scheinbar nicht, aber sowas führt natürlich immer dazu, dass man sich verstohlene Blicke zuwirft, die Augen verdreht und das Ganze imitiert. Noch schöner, wenn man das auf Deutsch machen kann, was Mia ja nicht versteht ;-) Alle paar Minuten rief sie außerdem durch den Raum, dass wir mit Wasser aufpassen sollten, denn "Wasser ist der größte Feind der Schokolade!!!". Das wurde dann auch sowas wie ein Running Gag bei uns. Abgesehen von den Zurechtweisungen, Befehlen und der Schimpfe, die Mia austeilte, war es aber richtig gut. Wir machten vier verschiedene Sorten Pralinen. Milchschokoladetrüffel mit Kokos und Haselnüssen drumrum, weiße Trüffel mit Mohn, Kaffeetrüffel und Rumpralinen. Die ersten beiden wurden zu Kugeln gerollt, die letzten beiden in Formen gegossen. Die Rumpralinen waren am schwierigsten und sehen auch am perfektesten aus, denn die äußere Schokoladenhülle glänzt wie poliert und sieht aus wie fabrikgefertigt. Das erreicht man tatsächlich dadurch, dass die Schokolade erst auf 48°C - 51°C erwärmt, dann auf 28°C abgekühlt und schließlich auf 31°C erwärmt wird. Irre! Wir waren schon stolz, als wir am Ende des Kurse die fertigen kleinen Kunstwerke in der Hand hielten - und den beiden muskelbepackten Männern muss man auch lassen, dass sie sich richtig liebevoll und kreativ um ihre Pralinchen gekümmert haben. Es war jedenfalls ein sehr lustiger, netter und schöner Tag, und vor allem ein sehr gutes Geburtstagsgeschenk!