Dienstag, August 12, 2008

Und es war Sommer

Kaum war er da, schon ist er wieder vorbei. Der Sommer. In diesem Jahr ist mir zum ersten Mal ganz deutlich aufgefallen, dass der Sommer in Schweden keine Jahreszeit ist, sondern ein Lebensgefühl. Und alle anderen Jahreszeiten sind ein einziges Warten und Sehnen. Herbst, Winter und Frühling haben keinen eigenen Wert. Man lebt für helle Nächte, freie Tage im Sommerhaus und Ausflüge mit dem eigenen Boot, Mittsommer, selbst geangelten Fisch, Stunden auf dem Golfplatz und Sommerbräune. Das ist schon interessant, und irgendwie auch traurig. Nicht zuletzt wird einem das Phänomen auch dadurch deutlich, dass der Winterfahrplan für die öffentlichen Verkehrsmittel von Mitte August bis Mitte Juni gilt. Und vom Umschlag der Fahrpläne guckt einen immer ein Mensch auf einem Schlitten oder mit Skiern unterm Arm an. Frustrierend. Nun ist zwar erst August, aber gefühlstechnisch ist der Sommer vorbei, was auch davon unterstützt wird, dass das Wetter nicht mehr so prickelnd ist momentan. Abgesehen davon sind im Prinzip alle Schweden aus ihrem Sommerurlaub zurück, gucken betrübt und seufzen, weil sie nun wieder ein ganzes Jahr lang arbeiten müssen. Die meisten Schweden sparen sich den Urlaub eben den Rest des Jahres auf, um im Sommer 4 bis 5 Wochen am Stück frei zu haben. Das führt zu dem Phänomen, dass das Land im Sommer im Chaos versinkt. Wie schon früher geschrieben, haben viele Firmen Sommeröffnungszeiten und auf wichtige Auskünfte und Hilfe muss man eben mal 5 Wochen warten. Normal. Als Deutscher etwas schwer nachzuvollziehen. Aber irgendwie auch charmant. Hier in Schweden stehen sogar laut Arbeitsgesetz jedem Arbeitnehmer 4 Wochen zusammenhängender Urlaub zwischen Juni und August zu. Das muss man sich mal vorstellen. Das führt dazu, dass z.B. die Busgesellschaften, die den öffentlichen Nahverkehr in Stockholm bedienen, zum Sommer lauter Extrafahrer einstellen und denen den Busführerschein bezahlen, weil ja schließlich die festangestellten Fahrer alle ihren vierwöchigen Urlaub machen müssen. Ein putziges System, aber auch ganz sympatisch. Und führt wiederum dazu, dass Schüler und Studenten es nicht schwer haben, einen Sommerjob zu finden. In diesem Jahr konnte ja auch ich endlich den Sommer richtig genießen, da ich mal nicht bis 22 Uhr arbeiten musste. Und trotzdem ist alles viel zu schnell vorbei gegangen, obwohl wir schon seit April super Wetter und wahnsinnig viel Sonne hatten. Und jetzt wird es abends schon deutlich dunkler, man fängt an, sich über Silvester Gedanken zu machen und bekommt Depressionen wenn man an Worte wie „November“ oder „Februar“ denkt. Aber noch versuche ich, den Sommer zu genießen, den wir laut Kalender ja noch 6 Wochen haben, auch wenn man von ihm nur noch in der Vergangenheitsform redet („Und, wie war dein Sommer“ ist momentan das Hauptthema beim Smalltalk). Ich hoffe, es wird nochmal ein bißchen warm und sonnig, denn auch wenn ich schon einige Picknicks, gemütliche Restaurant-Abende unter freiem Himmel, Ausflüge, Sonnenbaden und Besuche auf Ulrikslund hinter mich gebracht habe, gibt es noch so einiges was ich gerne machen würde. Aber ansonsten kommt der nächste Sommer bestimmt, und ein Winter mit ordentlich Schnee wäre ja auch mal nicht zu verachten!