Sonntag, August 17, 2008

Das Sportereignis des Jahres

... ist zumindest für mich und meine Stockholmer Freunde nicht etwa die Olympiade, sondern der Midnattsloppet, der „Mitternachtslauf“. Der führt immer im August auf einer 10-km-Strecke quer durch den Stadtteil Södermalm und findet - wie man schon vom Namen schließen kann - am späten Abend statt. Dieses Jahr waren 19000 Läufer angemeldet, und nachdem uns das ganze Ereignis und das Drumherum schon letztes Jahr ziemlich gut gefallen haben, haben wir auch in diesem Jahr wieder mitgemacht – die Hälfte aktiv als Läufer, die andere Hälfte passiv als Supporter. Extra für diese Aktion waren aus Deutschland Katrin und Sascha und Elenas Freunde Ronny und Kurt angereist. Los ging unser Abend um 18 Uhr bei Torbjörn und Elena zu Hause, wo unsere 6 Läufer sich nach Herzenslust mit Pasta vollessen durften. Dann zogen wir schließlich weiter nach Södermalm und kehrten bei einem Italiener ein, wo schließlich die Supporter speisten und die Läufer sich gedanklich vorbereiteten und ihre Sportklamotten anzogen. Und dann wurde es langsam ernst, Sascha, Maria, Torbjörn, Per, Ronny und Kurt machten sich auf den Weg zum Start. Wir Supporter (Simone, Micha, Elena, Katrin, Samuel und ich) hatten uns vorher einen strategisch günstigen Punkt überlegt, an dem wir stehen wollten, um unsere Freunde anzufeuern und spazierten dorthin. Letztes Jahr standen wir ca. bei Kilometer 3 im Dunkeln und haben keinen gesehen, da dort auch noch alle Läufer dicht beisammen sind und man in der Volksmasse keinen einzelnen mehr ausmachen konnte. Dieses Jahr hatten wir uns also für einen Platz ca. 400 Meter vor der Ziellinie entschieden, da dort die Läufer eher einzeln vorbeikommen, und viel Licht gab's da auch. Um ganz sicher zu gehen, hatten wir uns aber noch goldene Kronen aufgesetzt, so dass unsere laufenden Freunde uns relativ problemlos sehen und sich bemerkbar machen konnten. Und so standen wir da mit Kronen, Tröten und Rasseln und sahen vom ersten bis zum letzten Teilnehmer alle vorbeilaufen/-gehen/-humpeln. Ich finde es immer wieder überraschend, wie viel Spaß es macht, fremden Leuten zuzujubeln und sie anzufeuern, es ist echt toll. Die ganze Stimmung drumherum ist auch klasse, es gleicht einem großen Volksfest. Wir standen auch genau gegenüber einer Bühne und wurden von dort mit Musik unterhalten. Kaum zu halten waren wir, als der DJ tatsächlich „Dschinghis Khan“ auf deutsch spielte. Aber die Höhepunkte waren natürlich trotzdem immer, wenn einer unserer Läufer vorbeikam, und wir so richtig schreien, hüpfen, anfeuern und tröten konnten. Als die 6 Läufer dann schließlich mit stolz geschwellter Brust, wackelnden Beinen und einem breiten Lächeln zu uns stießen wurden sie von Micha erstmal mit gekühltem Beck's empfangen. Und dann ließen wir den Abend schließlich noch in einer Bar ausklingen. Ich kann das ganze Ereignis also nur empfehlen, und wer weiß, vielleicht will ja nächstes Jahr einer von euch mit dabei sein?