Auch in diesem Sommer mein persönliches Fernseh-Highlight: Allsång. Musikan

tenstadel, Top of the Pops und Karaoke in einer Sendung vereint. Und eine weitere Vorliebe, die mich schwedischer macht als so manchen Einheimischen. Ich habe noch niemanden getroffen, der Allsång so begeistert feiert wie ich – aber ich finde, man muss doch typische schwedische Bräuche einfach mitnehmen, und Allsång ist eben einfach so schräg, dass es schon wieder gut ist! Zusammenfassend zu diesem Jahr ist zu sagen, dass alles dabei war: Schlager, Rock, Pop, Oper, Swing, Jazz, Rap und Schunkelmusik. Am meisten aus der Fassung brachte mich diesmal der Auftritt von Rock-Olga. Im

Juli 2006 habe ich auf einem Markt eine
CD entdeckt, von dessen Cover eine ältere Dame mit Stirnband winkte. Der Titel dazu übersetzt: „Rock-Olga singt Elvis und andere Hits“. Damals hielt ich das Ganze für einen Witz, eine Art hausgemachte Einmalausgabe – ich konnte doch nicht ahnen, dass Rock-Olga in Schweden eigentlich seit den 50er-Jahren berühmt ist! Und nun Allsång! Dafür ist sie scheinbar auch die letzten fünf Wochen lang jeden Tag mehrere Stunden im Solarium gewesen, um frisch auszusehen, nun ja, mit mäßigem Erfolg. Leider durfte sie nicht

solo auf die Bühne, sondern trat zusammen mit den nationalen Rock-Größen Burken (der aussah, als wenn er in seinem Schlafanzug auf der Bühne steht), Little Gerhard (ohne Worte) und Rock-Ragge mit Sonnenbrille und Goldjacket auf. Ich konnte mich wirklich nicht entscheiden, welche dieser vier schwedischen Rockröhren ich am furchtbarsten fand. Vor allem als sie anfingen auf Englisch zu singen wurde mir schwummerig. Da hätte meine Oma eine bessere Aussprache. Aber das beste an solchen Auftritten ist doch, dass das Publikum – von den 14- bis

zu den 74-Jährigen – vollkommen hin und weg ist vor Begeisterung. Weiterhin in Erinnerung geblieben sind mir auch Magnus Uggla, der schwedische Wolle Petri, der Mädchenherzen höher schlagen ließ mit seiner Oh-ich-hab-in-die-Steckdose-gefasst-Frisur; zwei ca. 15-jährige Jungs mit Seppelhut, die auf einem Akkordeon und einer Fidel rumklampften (und dafür sicher den Rest ihrer Jugend unter Mobbing in der Schule leiden müssen) und Brolle, ein Elvis-Verschnitt mit Tolle, in dessen Lied die tiefgründige Zeile „Ich bin in einem kleinen Dorf geboren, und dort

bin ich Vaters Sohn“ vorkommt. Wow! Schweden, das Land der Dichter und Denker. Ansonsten diverse Teenie-Stars, die hauptsächlich vom jungen Publikum bekreischt wurden, jede Menge schwedische Schlagerheinis, und den Hammer schoss Moderator Anders Lundin ab, als er 2 Mitklatsch-Polka-Folklore-Gruppen ernsthaft mit den Beatles und den Stones verglich. Ich hoffe wirklich, ich habe nur die Ironie in dieser Aussage nicht begriffen. Fein auch wie immer die Volkslied-Gesangseinlagen der „Stars“, bei denen eben die Texte auf dem Fernseher zu sehen

sind und man hingebungsvoll mitsingen kann. Über die Qualität der Texte, in denen es irgendwie immer um den kurzen schwedischen Sommer, Feste, Schnaps, die Natur, Boote und die Liebe geht, lässt sich nach wie vor streiten . Trotzdem, ich liebe Dienstagabende im Sommer. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie Menschen aller Altersklassen im Publikum sitzen, mal bei Sonnenschein, mal bei strömendem Regen, nur um das nationale Liedgut zu am Leben zu halten und sowohl alte als auch neue Künstler zu stützen. Allsång eint die Masse

n, Hut ab!
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