Dienstag, September 30, 2008

Oans, zwoa, g'suffa!

Ja, wer hätte je gedacht, dass mein Leben in Schweden meine deutsche Seite so sehr hervorbringt, dass ich mir sogar ein Dirndl anziehe??? Vier meiner Freunde hier sind eng mit München verbunden, Elena kommt da her und die Schweden Torbjörn und Gustav und die Irin Geraldine haben jeweils mehrere Jahre in München gelebt. Da Ger und Gustav nun genau seit einem Jahr in Stockholm sind, haben sie sich gedacht, sie veranstalten für uns Deutschen hier mal ganz passend ein Oktoberfest. Wiebke hatte zum selben Zeitpunkt einen Besuch bei mir geplant, wurde mit eingeladen und fragte mich, ob sie aus Deutschland noch etwas mitbringen solle. Und so kamen wir darauf, dass so ein Themenfest ja eigentlich erst richtig lustig wird, wenn man entsprechend ausgestattet ist. Und so fing ich an, im Internet nach Kostümverleihen zu gucken und fand auch welche, die so etwas wie Dirndls im Programm hatten. Als Wiebke dann kam, machten wir uns auf in einen Laden, wir kicherten schon vorher und malten uns aus, wie wir alle möglichen Kostüme zum Spaß anprobieren werden, vom Bärenoutfit bis Superman sozusagen. Leider war es dann aber so, dass man sagen musste, was man haben will, und die haben es einem dann geholt. Die vorhandenen Kostüme waren dann auch eher etwas für Karneval, billiger Polyesterscheiß mit möglichst kurzen Röcken, so dass wir nach wenigen Minuten bereits enttäuscht wieder abzogen. Da wir nun mehr Zeit hatten als geplant, bummelten wir durch die Straßen und kamen schließlich an einem Second-Hand-Laden vorbei. Und – wer hätte das gedacht so mitten in Stockholm – der hatte sogar eine komplette Abteilung nur mit Trachtenmode. Vom Dirndl über Lederhosen bis hin zu Janker und Seppelhut gab es alles. Leider kamen wir ganz knapp vor Ladenschluss, so dass wir nicht genügend Zeit hatten, aber nun wussten wir ja, wo man fündig werden kann! Und so kamen wir ein paar Tage später zurück, auch noch mit Micha im Schlepptau. Und dann probierten wir und hatten einen Mordsspaß. Besonders Micha in Janker und Seppelhut war ein Anblick für die Götter. Leider konnten wir ihn nicht zum Kauf überreden. Wiebke und ich schlugen aber zu. Wiebke kaufte sich eine Cordhose im Knickerbockerstil, und ich – ja, ein echtes Tiroler Dirndl mit Bluse dazu, die mich mit den Puffärmeln aussehen ließ, als wenn ich 10 Maß gleichzeitig ohne Probleme stemmen könnte. Voller Vorfreude warteten Wiebke und ich dann auf Samstag und versuchten schon vorher die ganze Zeit, Bayrisch miteinander zu reden. Und Wiebke hat im Gegensatz zu mir tatsächlich Talent! Am großen Tag schmissen wir uns dann in unsere Outfits und machten uns auf zur Party. Und erstaunlicherweise ernteten wir kaum komische Blicke in Bus und U-Bahn, scheinbar ist man in Stockholm freakige Gestalten gewöhnt. Bei Ger und Gustav wartete ein zünftiges, bayrisches Buffet auf uns, was aus kleinen Schnitzeln, Nürnbergern, Sauerkraut, echten Weißwürschten und Kartoffelsalat bestand, und ein Freund von Gustav, der Bäcker ist, hat sogar extra für uns frische Brez'n gebacken! Natürlich gab es auch echtes Oktoberfest-Bier. Gustav war sogar in Lederhose gekleidet, und Ger und Elena hatten echte Dirndls an. Ich muss schon sagen, dass ich finde, dass es eigentlich ein schönes und sehr weibliches Kleidungsstück ist, leider war meins eher lustig als schön... Und was darf natürlich auf so einer Party auch nicht fehlen? Richtig, Wies'n-Hits. Also DJ Ötzi und Co. Und so kam direkt gute Laune auf, wir fingen an zu tanzen, und grölten vor allem haufenweise deutschsprachige Ohrwürmer wie „Anita“, „In München steht ein Hofbräuhaus“ und „Griechischer Wein“. Hossa! Wie immer eine gelungene Veranstaltung, aber natürlich, das Bier auf dem Bild ist nur Deko, ich habe mich wie üblich an Wasser gehalten!